Zum Hauptinhalt springen

«Hamas wird dafür bezahlen»

In Israel herrscht tiefe Trauer über den Mord an den drei Religionsschülern. Die Armee reagiert mit Luftangriffen. Doch auch die eigene Polizei gerät in die Kritik.

Die israelische Armee reagiert mit einer Militäroffensive auf die Entführung der drei Studenten: Eine Leuchtkugel nach einem Luftschlag über Gaza.
Die israelische Armee reagiert mit einer Militäroffensive auf die Entführung der drei Studenten: Eine Leuchtkugel nach einem Luftschlag über Gaza.
Mahmud Hams, AFP
Bild der Zerstörung: Ein palästinensischer Kameramann in Gaza nach einem Luftschlag der israelischen Armee. (3. Juni 2014)
Bild der Zerstörung: Ein palästinensischer Kameramann in Gaza nach einem Luftschlag der israelischen Armee. (3. Juni 2014)
Mohammed Abed, AFP
Droht mit einer Ausweitung der Einsätze im Gazastreifen: Israels Präsident Benjamin Netanyahu.
Droht mit einer Ausweitung der Einsätze im Gazastreifen: Israels Präsident Benjamin Netanyahu.
Reuters
1 / 16

Nach Aufhebung einer Nachrichtensperre haben israelische Medien erstmals den Notruf veröffentlicht, den Gilad Schaar, einer der drei getöteten Jugendlichen, kurz nach seiner Entführung abgesetzt hatte. «Ich bin entführt worden», flüstert eine Stimme zu Beginn der Aufnahme.

Danach sind Schreie zu hören und eine Stimme mit arabischem Akzent mahnt: «Kopf runter! Hände runter!» Anschliessend ist ein Geräusch zu hören, das an Schüsse erinnert. Ein Teil der Aufnahme ist weiterhin unter Zensur.

(Quelle: Youtube)

Die Polizisten, die den Notruf angenommen hatten, waren von einem Scherzanruf ausgegangen. Vier Polizisten wurden deshalb suspendiert. Die drei Talmud-Schüler waren am 12. Juni auf dem Heimweg nahe Hebron im Westjordanland entführt und offenbar kurz darauf getötet worden. Am Montag fand man ihre Leichen.

«Ich habe keinen Bruder mehr»

Hunderte Menschen sind am Dienstag zu den Trauerfeiern für die drei Jugendlichen zusammengekommen. Die Leichen des 19-jährigen Ejal Dschifrah sowie der beiden 16-jährigen Gilad Schaar und Naftali Fraenkel wurden für das später gemeinsam stattfindende Begräbnis in der Stadt Modiin in blau-weisse israelische Flaggen gehüllt.

«Das israelische Volk hat jüngst ein riesiges Trauma erlebt», sagte Schirel Schaar, Gilads jüngere Schwester zu den Trauergästen. «Wir erleben es wie einen Film, mit dem schlechtestmöglichen Ende. Ich habe keinen Bruder mehr.»

«Wir beerdigen heute ein Kind, ein Kind, das das Kind eines jeden von uns hätte sein können», sagte Finanzminister Jair Lapid auf einer der getrennten Trauerfeiern. «Deshalb ist es das Kind eines jeden von uns.»

Die Hamas droht

Israel flog am Dienstag Luftangriffe auf Dutzende Ortschaften im Gazastreifen, der von der radikalislamischen Organisation Hamas kontrolliert wird. Die Angriffe seien eine Antwort auf den Abschuss von insgesamt 18 Raketen seit Sonntag, hiess es.

Israels Regierung macht die Hamas für die Entführung und den Mord an den drei Jugendlichen verantwortlich. «Hamas wird dafür bezahlen», sagte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Nach dem Verschwinden der drei Jugendlichen war Israels Militär in der grössten Operation seit fast zehn Jahren mit Razzien und Festnahmen vornehmlich gegen Hamas und ihre Unterstützer vorgegangen. Israelische Soldaten erschossen am Dienstag im Westjordanland einen Palästinenser.

Die Hamas, die bereits mehrfach Israelis verschleppt hatte, hatte zwar die Entführung der Jugendlichen gelobt, sich aber nicht zu der Tat bekannt. Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri drohte Israel damit, «die Tore zur Hölle zu öffnen», sollte es eine breit angelegte Offensive gegen seine Gruppe geben. «Wir sehen die Hamas als Verantwortliche für die Entführungen und Morde», betonte am Dienstag indes Verteidigungsminister Mosche Jaalon. «Wir werden die Mörder der Jugendlichen weiter verfolgen und wir werden nicht ruhen, bis wir sie gefasst haben.»

Zwei Funktionäre als Hauptverdächtige

Zwei bekannte Funktionäre der Gruppe aus dem Westjordanland wurden als Hauptverdächtige identifiziert. Die beiden Männer, Marwan Kawasmeh und Amer Abu Aischeh, wurden nicht mehr gesehen, seit die Teenager verschwanden. Soldaten sprengten am Dienstagmorgen die Tür von Abu Aischehs Haus in Hebron, zerstörten aber nicht den Rest des Hauses.

Netanyahu wollte am Dienstag zum zweiten Mal binnen weniger Stunden mit seinem Sicherheitskabinett zusammentreffen, um die weitere Reaktion auf die Tötung der Jugendlichen zu beraten. Nach dem Vorgehen gegen die Hamas in den vergangenen zwei Wochen bleiben im Westjordanland allerdings nur noch wenige Ziele. Israel könnte sich nun auf den von der Hamas kontrollierten Gazastreifen konzentrieren. In der Nacht zum Dienstag wurden dort bereits 34 Ziele angegriffen, wie ein Militärsprecher sagte.

Israel machte auch politisch Druck. Regierungssprecher Mark Regev rief den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas auf, «seine Allianz mit diesen Mördern zu beenden». Abbas' gemässigte Fatah hatte mit der Hamas eine Einheitsregierung gebildet, die von Israel abgelehnt wird.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch