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Ghadhafis heimliche amerikanische Helfer

Als der Krieg ausbrach, sollen namhafte US-Politiker einen Ausweg für Ghadhafi gesucht haben. Geheimakten, die al-Jazeera im Hauptquartier des libyschen Geheimdiensts gefunden haben will, sollen dies belegen.

... belastet den ehemaligen US-Regierungsmitarbeiter David Welch. Er soll Ghadhafis Vertraute beraten haben.
... belastet den ehemaligen US-Regierungsmitarbeiter David Welch. Er soll Ghadhafis Vertraute beraten haben.
Keystone
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Was Jamal Elshayyal im zerbombten Hauptquartier des libyschen Geheimdiensts gefunden hat, würde für manchen Historiker wohl ein beträchtlicher Schatz darstellen. Und für Jamal, Journalist beim arabischen Sender al-Jazeera, ist es das wohl erst recht: Unter den Dokumenten, die er eingesammelt hat, befanden sich etliche Geheimakten. Und manche könnten die Amerikaner in Verlegenheit bringen. Sie belegen angeblich, dass einflussreiche US-Offizielle den libyschen Machthaber bei Ausbruch des Aufstands berieten, wie der Despot an der Macht bleiben könne.

Eigentlich hatte der Journalist in den Trümmern, zu denen ihm die Rebellen Zutritt gewährten, nach anderen Informationen gesucht. «Ich hielt nach Akten mit den Überschriften 'Lockerbie' oder 'IRA' Ausschau», berichtet der Reporter. Doch im zerstörten Gebäude habe eine derartige Unordnung geherrscht, dass er zunächst nichts habe finden können.

Direkter Draht zu den USA

Doch dann wurde Jamal in das Büro von Abdullah Alsinnousi, dem Chef des libyschen Geheimdiensts geführt. «Auf seinem Tisch waren Dutzende Akten mit der Bezeichnung 'Top Secret' verstreut», erinnert sich der Journalist. Offenbar gelang es ihm gegen den Willen der Aufständischen, einige Dokumente aus dem Geheimdienst-Komplex herauszuschmuggeln. Und diese, behauptet Jamal, würden zeigen, dass Ghadhafi trotz seiner anti-amerikanischen Hetzreden direkten Kontakt zu einflussreichen Personen in den USA unterhielt.

Unter den Akten soll sich etwa ein Protokoll eines Gesprächs zwischen einem libyschen Gesandten und David Welch, einem ehemaligen Mitarbeiter des US-Aussenministeriums während der Bush-Ära, befinden. Welch war massgeblich daran beteiligt, dass 2008 die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Libyen wiederhergestellt wurden. Heute arbeitet er für Bechtel, ein US-amerikanisches Bauunternehmen. Doch offenbar unterhält er noch immer Beziehungen zu Libyen: Gemäss den Dokumenten von al-Jazeera soll er sich am 2. August mit Ghadhafi-Gesandten in Kairo getroffen haben.

Der Lobbyist für Libyen

Angeblich soll Welch den libyschen Vertretern Tipps gegeben haben, wie sie den Propaganda-Krieg gewinnen könnten. So soll er geraten haben, die Unruhen in Syrien auszunutzen und eine Propaganda-Aktion gegen das arabische Land zu führen, um von den eigenen Problemen abzulenken. Ghadhafi solle sich zudem aus dem Schussfeld nehmen, «aber nicht notwendigerweise auf seine Macht verzichten», heisst es in einem Dokument.

Welch, so die Behauptung des al-Jazeera-Reporters Jamal Elshayyal, sei nicht der einzige prominente US-Amerikaner gewesen, der Ghadhafi unterstützt habe, während die Bomben der Nato fielen und die Rebellen auf dem Vormarsch waren. So hat Jamal ein an Ghadhafis Sohn Saif al-Islam adressiertes Schreiben gefunden. Darin befand sich ein Protokoll eines Gesprächs, in dem der US-Kongressabgeordnete Denis Kucinich erwähnt wird. Der Politiker verlangte offenbar in einem Gespräch mit libyschen Offiziellen Informationen, die er benötige, um in den USA gegen den Übergangsrat und gegen die militärische Intervention der Nato zu weibeln. Kucinich war auf der Suche nach Hinweisen für Korruption im Übergangsrat und möglichen Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida.

Dementi aus den USA

Kucinich bestreitet aber, irgendetwas damit zu tun zu haben: «Alles, was al-Jazeera gefunden hat, ist ein Dokument, das ein libyscher Bürokrat einem anderen libyschen Bürokraten geschrieben hat», sagt er. Welch will sich zu den Enthüllungen des Senders nicht äussern, und das US-Aussenministerium fühlt sich nicht zuständig: David Welch, liess Letzteres gegenüber dem arabischen Sender verlauten, sei ein Privatmann. Er sei auf einer privaten Reise gewesen und habe keine Nachrichten der US-Regierung überbracht.

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