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Ghadhafi stellte Einreisegesuch in Algerien

Muammar al-Ghadhafi soll gemäss einem Bericht vergeblich versucht haben, nach Algerien einzureisen. Der Clan um den gescheiterten libyschen Machthaber al-Ghadhafi scheint auseinanderzubrechen.

Während Ghadhafis Sohn Saif al-Islam in einer veröffentlichten Audiobotschaft erneut zum Widerstand gegen die Rebellen aufruft, äusserte dessen Bruder Saadi seine Bereitschaft zu einer Kapitulation. Ghadhafi selbst soll einem Medienbericht zufolge vergeblich versucht haben, sich nach Algerien abzusetzen.

«Wir wollen das libysche Volk beruhigen, dass wir immer noch da sind. Der Widerstand geht weiter und der Sieg ist nah», sagte Saif al-Islam in der vom syrischen Fernsehsender El-Rai verbreiteten Botschaft. Darin meldete sich Ghadhafis Sohn nach eigenen Angaben aus einem Vorort von Tripolis zu Wort. Seinem Vater gehe es gut, sagte al-Islam. Zugleich warnte er die Rebellen vor einem Angriff auf Sirte. Dort seien 20'000 bewaffnete Männer zum Kampf bereit.

Die Übertreibungen der Ghadhafis

Saif al-Islam lebe in einem «Traum», erwiderte der Vizepräsident des Nationalen Übergangsrats der Rebellen, Abdel Hafis Ghoga. «Die Ghadhafis sind es gewohnt, zu behaupten, sie hätten Dutzende Millionen Anhänger, aber am Ende sind es nicht mehr als ein Dutzend», sagte Ghoga der Nachrichtenagentur AFP. Wenn Saif al-Islam von einem nahen Sieg spreche, dann sei dies der Sieg der Revolution.

Ein anderer Sohn Ghadhafis, der weniger einflussreiche Saadi, bezeichnete die Aufständischen in einem Interview mit dem Fernsehsender al-Arabiya derweil als «Brüder». Um das Blutvergiessen zu beenden, sei er bereit, sich zu ergeben. Der Vize-Präsident des Militärrats der Rebellen, Mehdi Harati, sagte, Saadi zögere, zu kapitulieren. Die Aufständischen würden aber für seine Sicherheit garantieren, sollte er dies tun.

Rebellen nehmen Aussenminister fest

Harati zufolge konnten die Rebellen Aussenminister Abdelati al-Obeida festnehmen. Einem Sprecher der Aufständischen zufolge wurde er am Mittwoch in einem Vorort der Hauptstadt gefasst.

Von Ghadhafi selbst fehlt seit der Einnahme seiner Residenz am Dienstag vor einer Woche jede Spur. Medienberichten zufolge soll er sich in seiner Geburtsstadt Sirte oder in Bani Walid südöstlich von Tripolis verstecken. Die französischsprachige Zeitung «El-Watan» berichtete auf ihrer Internetseite, Ghadhafi versuche von der Grenzstadt Ghadames aus, über seine Einreise nach Algerien zu verhandeln.

Ghadhafi habe versucht, den algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika telefonisch zu erreichen, schrieb «El-Watan» unter Berufung auf Kreise des Präsidialamtes in Algier. Dieser habe sich jedoch geweigert, den Anruf entgegenzunehmen. Ghadhafis Frau Saifa sowie seine drei Kinder Aisha, Hannibal und Mohamed konnten sich bereits nach Algerien absetzen. Algier betont jedoch, die Familienmitglieder aus «rein humanitären Gründen» aufgenommen zu haben.

Beratungskonferenz heute in Paris

Über die Zukunft Libyens nach der Ära Ghadhafi beraten heute in Paris Gesandte von rund sechzig Ländern und Organisationen. Erwartet wird, dass der Übergangsrat der Rebellen seinen Finanzbedarf für die kommenden Monate anmeldet und seine Pläne für die Übergangsphase vorstellt.

Der neue Geschäftsträger der libyschen Botschaft in Berlin, Aly Masednah al-Kothany, schätzt den akuten Finanzbedarf für seine Heimat auf eine Milliarde Euro. Dieses Geld reiche zwar noch nicht, um «genügend Lebensmittel und Medikamente zu importieren, aber es würde uns etwas Luft verschaffen für die nächsten zwei Wochen», sagte al-Kothany der «Financial Times Deutschland» vom Donnerstag.

AFP/mrs

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