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«Gerechtigkeit, Gleichheit, Liebe»

In der Nacht, in der Istanbul ein politisches Erdbeben erlebt hat, ist erst einmal alles wie gehabt: In der zentralen Fussgängerzone, der Istiklal, im Herzen der Stadt, drängen sich arabische Touristen, Markenklamottenläden sind kurz vor Mitternacht noch geöffnet. In dieser Nacht muss die islamisch-konservative AKP die schwerste Niederlage seit ihrer Gründung im August 2001 verkraften. In Beylikdüzü, jenem Aussenbezirk am Marmarameer, wo Ekrem Imamoglu, der neue Oberbürgermeister von Istanbul, zuletzt im lokalen Rathaus tätig war, haben sich Tausende versammelt, um ihren Helden zu feiern. «Das ist ein neuer Anfang», sagt Imamoglu, «Istanbul wird von jetzt an regiert werden von Gerechtigkeit, Gleichheit und Liebe.»

In der Wahlnacht bittet er auch Erdogan um Unterstützung, dabei nennt er unter anderem die Erdbebenvorsorge. Gewöhnlich vergessen die meisten Istanbuler gern, wie schlecht ihre Stadt für ein grosses Erdbeben, das jederzeit drohen könnte, gerüstet ist. Die Ingenieur- und Architektenkammer hat berichtet, dass von 496 Erdbebensammelstellen, die im Katastrophenschutzplan von 1999 bis 2003 bestimmt wurden, nur 77 übrig seien. Auf einigen dieser offenen Plätze entstanden Einkaufszentren, auf anderen Hochhäuser, Brücken, Strassen. Ein Programm von Stadt und Regierung, das ganze Viertel dem Abriss überliess, wurde mit der Erdbebenvorsorge begründet. Es gab aber immer den Verdacht, dass der gewaltige Stadtumbau dazu dienen sollte, regierungsnahen Baufirmen Profite zu verschaffen. (csc)

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