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Friedensnobelpreis geht an Frauenrechtlerinnen

Friedlicher Kampf für Frauenrechte: Das Nobelkomitee belohnt in diesem Jahr die Erfolge von drei Frauen der Demokratiebewegung in Afrika und der arabischen Welt. Eine von ihnen ist die Präsidentin Liberias.

2011: Ellen Johnson Sirleaf, liberianische Präsidentin
2011: Ellen Johnson Sirleaf, liberianische Präsidentin
Reuters
2011: Leymah Gbowee, liberianische Aktivistin
2011: Leymah Gbowee, liberianische Aktivistin
Keystone
2011: Tawakkul Karman, jemenitische Bürgerrechtlerin
2011: Tawakkul Karman, jemenitische Bürgerrechtlerin
Keystone
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Mit dem Friedensnobelpreis für Ellen Johnson Sirleaf, Leymah Gbowee und Tawakkul Karman sind stellvertretend mutige Frauen auf der ganzen Welt geehrt worden. Gerade die Auszeichnung der jemenitischen Journalistin Karman soll offenbar ein Signal sein, dass sowohl Frauen als auch der Islam eine wichtige Rolle in der Protestwelle gegen die autoritären Regime in der arabischen Welt spielen.

Der Friedensnobelpreis für Karman sei «ein Zeichen, dass der Arabische Frühling ohne die Beteiligung von Frauen nicht erfolgreich sein kann», sagte der Vorsitzende des Nobelpreis-Komitees, Thorbjörn Jagland. Dass mit Karman eine strenggläubige Muslimin zu den Preisträgerinnen gehört, wurde zudem als Hinweis auf die Bedeutung des Islams für die Protestbewegungen in der Region verstanden.

Als Bedrohung für die Demokratie

Karman ist Mitglied der islamistischen Partei Islah, die der Muslimbruderschaft nahe steht. Diese Gruppe «wird im Westen als Bedrohung für die Demokratie wahrgenommen», sagte Jagland. «Ich glaube das nicht. Es gibt viele Hinweise darauf, dass diese Art von Bewegung ein wichtiger Teil der Lösung sein kann.»

Neben Karman sprach das norwegische Nobelpreis-Komitee den renommierten Preis der liberianischen Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf und der liberianischen Aktivistin Leymah Gbowee zu. Die Drei erhalten den Preis «für ihren gewaltfreien Kampf für die Sicherheit von Frauen und für die Rechte von Frauen für volle Teilnahme an friedensbildender Arbeit», wie es in der Begründung hiess.

Erste demokratische Präsidentin Afrikas

Johnson Sirleaf wurde 2005 zur Präsidentin Liberias gewählt und war damit die erste demokratisch bestimmte Staatschefin Afrikas. Zum Zeitpunkt ihres Amtsantritts galt sie als Reformerin und Friedensstifterin. Vor den Wahlen am kommenden Dienstag sah sie sich jedoch Wahlfälschungsvorwürfen der Opposition ausgesetzt. Johnson Sirleafs Lager wies die Anschuldigungen zurück.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin studierte an der Harvard-Universität in den USA und arbeitete für die Weltbank, die UN und die liberianische Regierung, bevor sie 1997 gegen den Präsidenten Charles Taylor antrat. Zwar musste sie bei den Wahlen eine herbe Niederlage hinnehmen, doch war sie danach als «Eiserne Lady» im ganzen Land bekannt.

«Ellen? Sie ist unser Mann»

Sie hoffe, dass ihre politische Karriere eine Inspiration für junge Mädchen sei, sagte Johnson Sirleaf 2005 in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. «Wenn du im Berufsleben mit Männer konkurrierst, musst du besser sein als sie», sagte sie. «Und wenn sie dich dann akzeptieren, sagen sie: 'Oh, jetzt ist sie eine von den Jungs'». Folgerichtig warb die Präsidentin im Wahlkampf mit dem Slogan: «Ellen? Sie ist unser Mann.»

Die liberianische Friedensaktivistin Gbowee wurde für ihr Engagement gegen den Bürgerkrieg ausgezeichnet, der bis 2003 in dem westafrikanischen Land tobte. Sie gründete eine Organisation christlicher und muslimischer Frauen, die sich gegen die Kriegsherren richtete. Sie habe Frauen «über ethnische und religiöse Grenzen hinweg zusammengebracht, um den langen Krieg in Liberia zu beenden und Frauen die Teilnahme an Wahlen zu ermöglichen», teilte das Nobelpreis-Komitee mit.

«Ich kenne Leymah als eine Kriegerin, die sich hervorwagt, wo andere sich nicht trauen würden», sagte Gbowees Assistentin Bertha Amanor. «So fair und geradeheraus - und ein sehr netter Mensch.»

Karman gilt als führende Persönlichkeit

Die 32-jährige Jemenitin Karman ist Vorsitzende der Organisation Journalistinnen ohne Ketten. Sie gilt als führende Persönlichkeit der seit Januar andauernden Proteste gegen Präsident Ali Abdullah Saleh. «Ich bin sehr froh über diesen Preis», sagte die dreifache Mutter der AP am Freitag. «Ich widme diesen Preis der revolutionären Jugend im Jemen und dem jemenitischen Volk.»

Karman steht stellvertretend für die zahlreichen Aktivisten des sogenannten Arabischen Frühlings. Seit Anfang des Jahres hatte eine Protestwelle die Regime in Tunesien, Ägypten und Libyen gestürzt. In Jemen und Syrien halten sich die autoritären Regierungen jedoch weiterhin an der Macht.

Autoritärsten Regime der Welt

Der Vorsitzende des Nobelpreis-Komitees hob hervor, dass sich Karman bereits lange vor Beginn des Arabischen Frühlings für Bürgerrechte engagiert hatte. «Viele Jahre vor Beginn der Revolution hat sie sich gegen eines der autoritärsten Regime der Welt erhoben», sagte Thorbjörn Jagland.

Das Nobelpreis-Komitee betonte in seiner Begründung die tragende Rolle der Frauen in gesellschaftlichen Reformprozessen. «Wir können keine Demokratie und dauerhaften Frieden in der Welt erreichen, wenn Frauen nicht die gleichen Möglichkeiten wie Männer haben, um die Entwicklungen auf allen Ebenen der Gesellschaft zu beeinflussen», hiess es in einer Stellungnahme.

dapd/bru

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