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Franzosen durchkämmen Timbuktu

Lange war die Lage unübersichtlich – doch jetzt bestätigt Frankreich, Timbuktu eingenommen zu haben. Die Jihadisten haben sich offenbar zurückgezogen. Steht Mali nun vor einem Guerillakrieg?

Mission dauert an: Französische Soldaten in Gao, Mali. (25. Februar 2013)
Mission dauert an: Französische Soldaten in Gao, Mali. (25. Februar 2013)
AFP
Immer wieder kommt es zu Gefechten: Ein Mann weint, dessen Verwandter durch ein verirrtes Geschoss ums Leben kam bei einem Schusswechsel zwischen Truppen und Rebellen in Gao. (11. Februar 2013)
Immer wieder kommt es zu Gefechten: Ein Mann weint, dessen Verwandter durch ein verirrtes Geschoss ums Leben kam bei einem Schusswechsel zwischen Truppen und Rebellen in Gao. (11. Februar 2013)
AFP
Am 22. März 2012 putschen Soldaten den Präsidenten Amadou Toumani Touré aus dem Amt: Touré am Gipfel der Frankophonie in Montreux. (Archivfoto)
Am 22. März 2012 putschen Soldaten den Präsidenten Amadou Toumani Touré aus dem Amt: Touré am Gipfel der Frankophonie in Montreux. (Archivfoto)
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Die Truppen Frankreichs und Malis scheinen auf ihrem Vormarsch einen weiteren Erfolg erzielt zu haben: Die alliierten Streitkräfte nahmen am Montag den historischen Wüstenort Timbuktu in Nordmali ein.

Sie stiessen dabei nach eigenen Angaben kaum auf Widerstand der Jihadisten. Die Regierungen Frankreichs und Malis teilten mit, Timbuktu sei seit der Nacht unter der Kontrolle ihrer Soldaten. Der Führungsstab der französischen Streitkräfte in Paris teilte mit, das gelte auch für den Flughafen.

Mit der Eroberung Timbuktus hätten die Streitkräfte die Kontrolle über die Nigerschleife – das Gebiet entlang des Nigerflusses zwischen Gao und Timbuktu – erlangt.

Das Gebiet sei binnen 48 Stunden eingenommen worden, sagte der Armeesprecher Thierry Burkhard in Paris. Damit scheinen die Jihadisten von den drei grossen Städten, die sie im vergangenen Jahr überrannt hatten, nur noch Kidal zu kontrollieren.

Der schnelle Vormarsch ist auch dem Zurückweichen der Islamisten zu verdanken. Bereits die Stadt Gao hatten die Dschihadisten nach Darstellung der malischen Armee kampflos aufgegeben.

Suche nach Jihadisten

Allerdings scheint die Eroberung Timbuktus noch nicht abgeschlossen. Nach Angaben des malischen Präsidentenbüros durchkämmen Soldaten die Stadt auf der Suche nach untergetauchten Jihadisten. Laut einem malischen Offizier drangen die Einheiten noch nicht ins Stadtzentrum vor.

Frankreichs Aussennminister Laurent Fabius warnte vor einer Rückkehr der Jihadisten. Die Terrorgruppen verfolgten die Strategie des Rückzugs, um wieder zurückkehren zu können, sagte er dem Fernsehsender France 2.

Mali wird nach Fabius' Einschätzung dennoch Schritt für Schritt befreit. Die von Frankreich angeführte und seit zwei Wochen dauernde Offensive mache rasch Fortschritte.

2900 französische Soldaten in Mali

Frankreich hat derzeit 2900 Soldaten in Mali stationiert, hinzu kommen 2700 Mitglieder afrikanischer Truppen in Mali und Niger. Am Montag trafen in Dakar in Senegal hunderte französische Soldaten zur Verstärkung ein. Die westafrikanische Staatengemeinschaft ECOWAS sowie der Tschad wollen ebenfalls tausende Soldaten nach Mali entsenden.

Ein Experte warnte, der Rückzug der Jihadisten könne auch der Auftakt zu einem Guerillakrieg sein. Der schnelle Vorstoss sei «kein Grund zum Feiern, sondern zur Sorge», sagte der nigerianisch- britische Politologe Oladayo Bello der Nachrichtenagentur dpa. «In Afghanistan zogen sich die Taliban zurück, weil sie wussten, dass sie zu einem konventionellen Krieg nicht fähig waren.»

Wertvolle Handschriften zerstört

Vor ihrer Flucht aus Timbuktu zündeten die Jihadisten ein Gebäude mit altertümlichen Manuskripten an. Es handele sich um das Ahmed-Baba-Zentrum, erklärte der in die Hauptstadt Bamako geflohene Bürgermeister Halley Ousmane. Sicherheits- und Armeekreise bestätigten die Brandstiftung.

Offenbar wurde ein Gebäude angezündet, in dem 20'000 Manuskripte gelagert waren. Wie gross der Schaden ist, liess sich zunächst nicht abschätzen. Laut dem Kulturministerium wurden im 1973 gegründeten Zentrum bis zu 100'000 Manuskripte aus der antiken muslimischen Welt und Griechenland aufbewahrt.

Timbuktu liegt rund 700 Kilometer nordöstlich von Bamako. Neben drei grossen Moscheen gibt es in der historischen Wüstenstadt jahrhundertealte Friedhöfe und Mausoleen. Seit 1988 zählen sie zum Weltkulturerbe der UNESCO. 2012 zerstörten die Jihadisten mehrere Heiligengräber.

EU und AU sagen Gelder zu

Die EU will sich mit 50 Millionen Euro am Militäreinsatz in Mali (Afisma) beteiligen. Offiziell will sich die EU bei der für Dienstag geplanten Geberkonferenz in Äthiopien dazu verpflichten. Das sagte EU-Entwicklungskommissar Andris Piebalgs am Rande des Gipfels der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba.

Die AU wiederum will 50 Millionen Dollar bereitstellen. Nach Angaben der AU dürfte der Einsatz afrikanischer Truppen 460 Millionen Dollar kosten.

SDA/ses

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