Zum Hauptinhalt springen

Einsatzkräfte brauchten über acht Stunden bis zur Universität

In Kenia wächst nach dem Massaker durch die Al-Shabaab-Miliz die Wut über Polizei und Politik. Statt Sondereinheiten wurden laut Medien zuerst der Polizeichef und der Innenminister eingeflogen.

Schlecht vorbereitet: Kenianische Soldaten bewachen das Leichenschauhaus in Garissa. (4. April 2015)
Schlecht vorbereitet: Kenianische Soldaten bewachen das Leichenschauhaus in Garissa. (4. April 2015)
Carl de Souza, AFP

Vier Tage nach dem Massaker der somalischen Al-Shabaab-Miliz an der Universität des kenianischen Garissa ist scharfe Kritik an der langsamen Reaktion der Einsatzkräfte laut geworden. Zeitungen berichteten, die Spezialkräfte der Polizei hätten mehr als 8 Stunden gebraucht, um aus der Hauptstadt Nairobi an den Tatort im Norden des Landes zu gelangen.

«Dies ist Fahrlässigkeit von einem Ausmass, das ans Kriminelle grenzt.»

The Nation

Sie erinnerte an Zeugenaussagen, wonach die Täter langsam, mit «offensichtlichem Genuss» mordeten.

Journalisten auf Strasse schneller als Polizisten in der Luft

Einige Journalisten aus Nairobi gelangten per Strasse schneller ins 365 Kilometer entfernte Garissa als die Spezialkräfte, die auf dem Luftweg anreisten. Dem Bericht der «Nation» zufolge waren zwar die Spezialkräfte in Nairobi um 5.30 Uhr alarmiert worden, nachdem die ersten Berichte des frühmorgendlichen Angriffs der radikalislamischen Rebellengruppe auf die Universität öffentlich wurden.

Träge Einsatzkräfte: Gemäss Google Maps ist die Strecke Nairobi-Garissa unter fünf Stunden zu schaffen.
Träge Einsatzkräfte: Gemäss Google Maps ist die Strecke Nairobi-Garissa unter fünf Stunden zu schaffen.

Allerdings traf das Hauptteam der Spezialkräfte erst kurz vor 14 Uhr am Tatort ein. Ein erstes Flugzeug brachte laut dem Bericht zunächst den Innenminister und den Polizeichef nach Garissa.

Die Torwart-Metapher

Innenminister Joseph Nkaissery sagte, der Angriff sei «einer dieser Vorfälle, die jedes Land überraschen können». Aussenministerin Amina Mohamed verglich den Kampf gegen den Terror mit der Tätigkeit eines Torwarts: Niemand erinnere sich an die Bälle, die gehalten wurden, sondern nur an den einen Treffer.

Die «Nation» warf den Sicherheitskräften vor, mit ihrer verspäteten Entsendung der Spezialkräfte dieselben Fehler begangen zu haben wie beim Al-Shabaab-Angriff auf ein Einkaufszentrum in Nairobi, bei dem im September 2013 76 Menschen getötet worden waren.

Bei dem Terroranschlag war auch der Sohn eines Regierungsbeamten beteiligt. Dies bestätigte Regierungssprecher Mwenda Njoka. Abdiram Abdullahi sei von seinem Vater als vermisst gemeldet worden. Der Vater ist den Angaben zufolge Landrat im Landkreis Mandera. Dieser liegt im äussersten Nordosten Kenias am Dreiländereck zwischen Kenia, Somalia und Äthiopien.

Bei dem Angriff in Garissa wurden am Donnerstag 142 Studenten und sechs Sicherheitskräfte getötet. Vier Al-Shabaab-Attentäter hatten den Campus im Morgengrauen gestürmt, dutzende Studenten erschossen und weitere als Geiseln genommen. Während Muslime freigelassen wurden, wurden Christen systematisch ermordet. Erst am Abend beendete die Polizei das Blutbad. Mit dem Angriff wollte die Al-Shabaab-Miliz Kenia zum Abzug seiner Truppen aus Somalia zwingen, wo sie am internationalen Einsatz gegen die al-Shabaab beteiligt sind.

AFP/sda/pst/thu

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch