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Ein israelisch-iranischer Krieg wäre verheerend

Was Israel in Sachen Iran sagt, ist nicht unbedingt das, was es tun wird. Klar ist nur: Ein israelischer Schlag gegen den Iran würde den ganzen Nahen Osten verändern.

Die Problematik der vermuteten atomaren Ambitionen des Iran spielt in die saudische Abneigung gegen allen Schiismus und die Frontstellung des Königreichs gegen den Iran hinein. Doch die Atomfrage ist natürlich ein Thema der Weltpolitik, nicht nur der nahöstlichen Rivalitäten. Zurzeit sind es die Israelis, die am lautesten gegen die vermutete iranische Bombe protestieren und erklären, sie gedächten gegen die atomaren Aktivitäten des Iran einzugreifen, bevor sie noch soweit herangereift seien, dass sie Israel bedrohten.

Man kann annehmen, dass die Israelis am liebsten gemeinsam mit den Amerikanern gegen den Iran vorgehen möchten. Eine Aktionsgemeinschaft mit dem mächtigen und technologisch noch höher bewaffneten Amerika würde das Vorgehen gegen den Iran zu einem sehr viel geringeren Risiko für Israel machen. Sie hätte auch bessere Aussichten auf einen durchschlagenden Erfolg als ein israelischer Alleingang.

Krieg würde US-Wirtschaft hart treffen

Doch zurzeit sind die Amerikaner bemüht, die Israelis von einem Präventivschlag gegen den Iran abzuhalten. Für sie wäre es der falsche Moment, einen Krieg zu führen. Dieser wäre nicht populär, die Wahlen stehen bevor. Die wirtschaftlichen Folgen eines neuen amerikanischen Krieges wären wahrscheinlich verheerend. Schon weil er die Erdölpreise weit hochtreiben dürfte, aber auch, weil die allzu hoch verschuldete Grossmacht Amerika ihn schlechterdings nicht zu bezahlen vermöchte.

Um dem israelischen Druck auszuweichen und die Israelis womöglich ruhig zu halten, erklärt die amerikanische Regierung, vielleicht würden die Wirtschaftssanktionen, die Washington immer weiter verschärfen will, «wirken». Obwohl ziemlich deutlich ist, dass der Iran mit der Anreicherung von Uran fortfahren wird, allen Boykottmassnahmen zum Trotz.

Wahlen in USA entscheidend

Falls Obama die Wahlen gewinnen sollte, dürfte die amerikanische Regierung auch nach den Wahlen einen israelischen Kriegsschlag zu verhindern suchen. Schliesslich hat Israel mindestens 400 Atombomben, und ein nukleares Patt, wie es auch zwischen den bitteren Feinden Pakistan und Indien besteht, wäre die wahrscheinlichste Folge iranischer atomarer Aufrüstung, falls diese wirklich zustande kommt. Was aber im Falle eines republikanischen Wahlsiegs geschehen könnte, ist heute kaum voraussehbar.

Ob sich die Israelis wirklich entschliessen werden, alleine gegen den Iran loszuschlagen, kann niemand mit Sicherheit sagen, schon weil man nicht weiss, wie hoch die Israelis tatsächlich ihre atomare Gefährdung durch den Iran einschätzen. Was sie öffentlich darüber sagen, dient politischen Zwecken und deckt sich nicht notwendigerweise mit ihrer wirklichen Bewertung der Lage.

Syrien wäre nichts im Vergleich zum Iran

Was man mit ziemlicher Sicherheit erkennen kann, ist, dass ein Schlag von israelischer Seite gegen den Iran, gleich ob er weitgehend oder bloss teilweise erfolgreich wäre, die ganze Lage im Nahen Osten verändern würde. Das gegenwärtige Ringen um Syrien würde weit in den Schatten gestellt durch die weltpolitischen Aktionen und Reaktionen, die der Angriff auf den Iran auslösen würde.

Das heutige Spannungsgefüge dreht sich nicht nur in Syrien, sondern in allen arabischen Ländern um Fragen des inneren Regimes der einzelnen Staaten. Es geht dabei in ganz groben Umrissen um: Schritte zur Demokratie gegen Versuche, die patronalen Einmannherrschaften aufrechtzuerhalten oder wieder einzuführen. Doch diese gegenwärtigen Hauptprobleme würden in den Sog der weltpolitischen Auseinandersetzung geraten und durch sie instrumentalisiert werden.

USA und Israel gegen den Rest der Welt?

In den einzelnen Ländern, Syrien in erster Linie, ginge es dann nicht mehr um interne Fragen der Umgestaltung oder Bewahrung der Herrschaftssysteme. Die politischen Gruppen und Fronten würden einmal mehr, wie schon im Kalten Krieg, aber nun noch viel schärfer, einbezogen in die weltpolitische Auseinandersetzung um die Zukunft des Iran und der Erdölvorkommen am Persischen Golf.

Im Zug dieses zu erwartenden Ringens könnten sich leicht neue weltpolitische Fronten bilden, deren eine, Israel plus Amerika plus möglicherweise Europa, voraussehbar ist, deren andere jedoch den Rest einer Welt umfassen dürfte, welche sich unvollständig und schrittweise, vielleicht unter chinesischer und möglicherweise auch zugleich unter russischer Führung, gegen die bisher hegemonischen Mächte zusammenfände.

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