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«Dieser Putsch bedeutet wohl das Ende von Mugabes Herrschaft»

Chaos in Zimbabwe: Was die nächtlichen Ereignisse bedeuten und warum jetzt niemand von Putsch reden darf, erklärt Afrika-Korrespondent Johannes Dieterich.

Nationales TV besetzt, Parlament blockiert: In Zimbabwe übernahm in der Nacht das Militär die Kontrolle.

Chaos in Zimbabwe. Kommt das überraschend oder hat sich so etwas angekündigt? Der Putsch hat sich seit vergangener Woche angebahnt, als Vizepräsident Emmerson Mnangagwa abgesetzt und aus der Partei ausgeschlossen wurde. Er hat sehr gute Beziehungen zum Militär: Das ist nun die Quittung, die Mugabe für seinen riskanten Schritt erhält. Das alles steht im Zusammenhang mit dem Machtkampf zwischen Mugabes Frau Grace und Mnangagwa, der bereits seit mehr als einem Jahr tobt.

Dass Mugabes Frau Grace Ambitionen auf die Nachfolge ihres Mannes hat, ist bekannt. Aber wer ist Emmerson Mnangagwa? Mnangagwa ist ein jahrzehntelanger Weggefährte von Robert Mugabe, ein uralter Freund noch aus Zeiten des Befreiungskampfs. Er war immer in Mugabes Kabinett, hatte auch die Ämter des Verteidigungs- und Geheimdienstministers inne.

Wer steuert denn nun das Militär, das heute Nacht wichtige Posten wie zum Beispiel die nationale TV-Station besetzt hat? Der Armeechef heisst Constantino Chiwenga, der mit Mnangagwa befreundet ist. Letzterer hatte bereits am Mittwoch vergangener Woche angekündigt, dass er seinen Rausschmiss nicht akzeptieren werde. Was wir nun sehen, dürfte die Folge davon sein. Das Militär steht hinter ihm, es gibt auch keine Spaltung innerhalb der Streitkräfte. Unklar ist höchstens, ob auch die Polizei hinter dem Militär steht.

Das heisst, Mnangagwa wird nun seinerseits Mugabe absetzen und den Präsidentenposten übernehmen. Nein, das wird so nicht geschehen. Mugabe ist ja faktisch entmachtet. Mnangagwa wird Mugabe quasi in Pension schicken, der Präsident soll den Rest seiner Tage in seiner Villa verbringen. Nächstes Jahr finden sowieso Wahlen statt.

Welche Rolle spielt Mugabes Frau Grace? Grace Mugabe sollte im Dezember am Parteitag zur Vizepräsidentin ernannt werden. Unter den Zimbabwern ist sie jedoch sehr unbeliebt, sie wird wegen ihrer Luxusgier als Gucci-Grace veräppelt. Sie hat keinerlei politischen Background und auch nicht die intellektuellen Fähigkeiten, dieses Amt auszuüben. Die Entwicklung der letzten Tage und insbesondere der letzten Nacht dürften jedoch das Ende Ihrer Präsidentschaftsambitionen sein.

Entmachtet: Robert Mugabe und seine Frau Grace. (AFP/ALEXANDER JOE, 2013)
Entmachtet: Robert Mugabe und seine Frau Grace. (AFP/ALEXANDER JOE, 2013)

Haben Robert Mugabe und seine Frau nicht noch Gefolgsleute, die sich dem Machtwechsel nicht beugen werden? Im Moment ist entscheidend, wer die Kontrolle über die Armee hat. Und das sind die Leute um Mnangagwa. Sie werden nun vermutlich die Regierungspartei Zanu-PF von den Anhängern von Grace Mugabe säubern. Drei ihr nahestehende Minister wurden bereits verhaftet.

Warum zeigt sich heute nicht Mnangagwa im TV, sondern die Militärs? Mnangagwa darf jetzt nicht als Putschführer in Erscheinung treten. Sonst wird er die Macht in Zimbabwe nicht übernehmen. Denn, sowohl der regionale Staatenbund (SADC) wie auch die Afrikanische Union verbieten den Machtwechsel per Putsch kategorisch. Eine Putschregierung darf nicht anerkannt werden.

Die Militärs dementieren heftig, wonach in Zimbabwe heute Nacht ein Putsch stattgefunden hat. Hat das damit zu tun? Ja, genau. Denn die entscheidende Frage wird in den nächsten Tagen sein, wie die Nachbarländer, vor allem Südafrika, auf die Vorgänge reagieren.

Bildstrecke: Militärputsch in Zimbabwe

Wandel nach 37 Jahren: Emmerson Mnangagwa legt in Harare seinen Amtseid ab.
Wandel nach 37 Jahren: Emmerson Mnangagwa legt in Harare seinen Amtseid ab.
Keystone
Der neue starke Mann Zimbabwes: Der bisherige Vizepräsident, Emmerson Mnangagwa. (Archivbild)
Der neue starke Mann Zimbabwes: Der bisherige Vizepräsident, Emmerson Mnangagwa. (Archivbild)
Tsvangirayi Mukwazhi, Keystone
Unübersichtliche Lage: Zunächst ist noch unklar, was der amtierende Präsident tut und wo er sich befindet.
Unübersichtliche Lage: Zunächst ist noch unklar, was der amtierende Präsident tut und wo er sich befindet.
AP Photo/Tsvangirayi Mukwazhi
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Wie bewerten Sie die Ereignisse der letzten Stunden und Tage in Zimbabwe? Mugabe hat mit dem Rausschmiss von Mnangagwa zu hoch gepokert. Wie sich nun zeigt, hat er die Lage falsch eingeschätzt, das ist wahrscheinlich seinem «semi-senilen» Zustand zuzuschreiben. Der Putsch bedeutet wohl das Ende von Mugabes Herrschaft. Er wird die restlichen Monate oder Jahre seines Lebens vermutlich in einer Art Hausarrest in seiner Luxusvilla in Harare verbringen.

Aber ein langjähriger Weggefährte Mugabes an den Hebeln der Macht, das ist nicht gerade ein Garant dafür, dass es jetzt mit Zimbabwe wieder aufwärtsgeht. Das wird sich zeigen. Klar ist, dass Mnangagwa für Zimbabwe die bessere Lösung als Grace Mugabe ist. So gesehen ist das ein «guter Putsch» – auch wenn es das in den Augen der Afrikanischen Union aus guten Gründen nicht gibt.

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