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Die Waffenruhe in Syrien bröckelt

Regierungstruppen und Rebellen haben sich am Freitag weiter Gefechte geliefert. Dabei war eine Feuerpause beschlossen worden.

Folgen des Bürgerkriegs: So präsentiert sich die Lage in Douma, im östlichen Stadteil von Damaskus. (30. Dezember 2016)
Folgen des Bürgerkriegs: So präsentiert sich die Lage in Douma, im östlichen Stadteil von Damaskus. (30. Dezember 2016)
AFP

Trotz neuer landesweiter Waffenruhe gab es in Syrien auch am Freitag Kampfhandlungen. Zu Angriffen kam es vor allem bei Damaskus und in der Provinz Hama. In anderen Landesteilen wurde die Feuerpause, die um Mitternacht in Kraft getreten war, aber zunächst eingehalten.

Das Abkommen war von Russland und der Türkei ausgehandelt worden – es gilt allerdings nicht für dschihadistische Milizen. Der UNO-Sicherheitsrat wolle am Samstag über eine Resolution zur Feuerpause und Gespräche über einen Friedensplan in Syrien abstimmen, kündigte der russische UNO-Botschafter Witali Tschurkin am Freitagabend an.

Gegenseitige Beschuldigungen

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete Gefechte am Freitag in der Nähe der Hauptstadt Damaskus zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Demnach war unklar, ob die Kämpfe in Wadi Barada von den Regierungstruppen oder den Rebellen ausgegangen waren. Beide Seiten machten sich gegenseitig für die Gewalt verantwortlich.

Nach Angaben der syrischen Regierung hatten Rebellen in Wadi Barada und im benachbarten Ain al-Fidscha vergangene Woche die Wasserversorgung für Damaskus gekappt. Nach UNO-Angaben haben seitdem vier Millionen Bewohner der Hauptstadtregion kein fliessendes Wasser mehr.

Unklare Fronten bei Jihadisten

In der Region kämpft unter anderem die Fatah-al-Scham-Front, die früher Al-Nusra-Front hiess und mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbündet war. Nach Angaben der syrischen Regierung sind dschihadistische Milizen wie der so genannte Islamische Staat (IS) und die Fatah-al-Scham-Front von der Waffenruhe ausgenommen. Nach Ansicht der Opposition ist die Fatah-al-Scham-Front dagegen Teil der Vereinbarung.

Zu Problemen könnte es auch in Gebieten wie Idlib kommen - dort sind die Kämpfer von Fatah al-Scham mit anderen Rebellengruppen verbündet, die der Waffenruhe zugestimmt haben.

Feuerpause wurde auch eingehalten

Neben den Kämpfen in Wadi Barada kam es auch in Hama im westlichen Zentrum des Landes zu Gefechten. Die in Grossbritannien ansässige Beobachtungsstelle, die sich auf ein Netzwerk von Aktivisten in Syrien stützt, meldete Angriffe islamistischer Rebellengruppen auf Regierungstruppen sowie Luftangriffe im Norden der Provinz.

In anderen Landesteilen schien die Waffenruhe hingegen zu halten. Beobachter meldeten, dass es in Ost-Ghuta, einer Rebellenhochburg ausserhalb von Damaskus, und in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens seit Mitternacht ruhig gewesen sei.

Türkei bombardiert IS

Im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien unterstützte die russische Luftwaffe offenbar erstmals die türkischen Streitkräfte mit Angriffen auf IS-Einrichtungen im Gebiet von Al-Bab im Norden des Landes. Dabei seien zwölf Extremisten getötet worden, teilte die türkische Armee mit.

Türkische Kampfflugzeuge hätten ebenfalls IS-Einrichtungen bei Al-Bab sowie bei Daglabasch angegriffen. Sie hätten 17 Ziele zerstört und 26 IS-Kämpfer getötet. Bei einem IS-Angriff südlich von Asrak wurde den Angaben zufolge ein türkischer Soldat getötet.

Kooperation Russland-Türkei-Iran

Die Einigung auf die Feuerpause war von Russland und der Türkei ausgehandelt worden, die schon bei einer ähnlichen Vereinbarung für die umkämpfte nordsyrische Grossstadt Aleppo vor zwei Wochen zusammengearbeitet hatten. Der Iran, neben Russland der zweite wichtige Verbündete von Syriens Präsident Baschar al-Assad, begrüsste die landesweite Waffenruhe als «wichtigen Erfolg».

Die syrische Regierung sprach von einer «wirklichen Gelegenheit» zur Lösung des Konfliktes. Der russische Präsident Wladimir Putin kündigte allerdings an, den Kampf gegen den «Terrorismus» in Syrien fortzusetzen. Auch der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan sagte, dass der türkische Militäreinsatz gegen den IS und kurdische Milizen in Nordsyrien weitergehe.

Die US-Regierung, die – anders als bei früheren Initiativen – für eine Beilegung des Syrien-Konfliktes nicht mit im Boot war, sprach von einer «positiven Entwicklung». Nach der Umsetzung der Waffenruhe sollen im Januar Verhandlungen zwischen Regierung und Rebellen unter Vermittlung von Moskau und Ankara in der kasachischen Hauptstadt Astana beginnen.

SDA/fal

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