Zum Hauptinhalt springen

Die umzingelte Millionenstadt

Zwei Millionen Menschen leben in Maiduguri. Von allen Seiten vorrückende Kämpfer von Boko Haram haben ihnen alle Fluchtwege abgeschnitten. Das nigerianische Militär kann aber offenbar dagegenhalten.

Die letzte Gelegenheit zur Flucht: Einwohner von Maiduguri versuchen, die Stadt zu verlassen. (27. Januar 2015)
Die letzte Gelegenheit zur Flucht: Einwohner von Maiduguri versuchen, die Stadt zu verlassen. (27. Januar 2015)

Im Nordosten Nigerias hat die Armee des Landes offenbar einen neuerlichen Angriff der Terrororganisation Boko Haram auf die Millionenstadt Maiduguri abgewehrt. Beteiligte Soldaten berichteten, bei der Gegenoffensive seien Hunderte Kämpfer der radikalislamischen Gruppe getötet worden. Boko Haram hatte in dieser dritten Attacke auf die Stadt binnen einer Woche von vier Seiten aus angegriffen. Mehrere Zivilisten seien durch Bomben und Granaten aus der Luft sowie Beschuss am Boden getötet worden, hiess es weiter.

Zudem berichteten Augenzeugen, Anwohner aus den Aussenbezirken seien während des fünf Stunden andauernden Artilleriefeuers in die ohnehin schon mit rund 200'000 Flüchtlingen überfüllte Stadt geströmt. Die Extremisten belagerten den Angaben zufolge Maiduguri von allen Seiten. Unklar blieb zunächst, inwieweit sie sich nach der Gegenoffensive des Militärs zurückzogen.

Boko Haram wird immer mächtiger

Die Afrikanische Union (AU) will mit einem gross angelegten Militäreinsatz den Terror von Boko Haram beenden. Die 7500 Mann starke Truppe soll sowohl in Nigeria als auch in den Nachbarländern Ordnung und Sicherheit schaffen.

Die Entscheidung, die auch von den Vereinten Nationen unterstützt wird, gilt als wichtigstes Ergebnis des Gipfeltreffens der Staatengemeinschaft, das am Samstagabend in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba zu Ende gegangen ist.

Der Friedens- und Sicherheitsrat der Staatengemeinschaft (AUPSC) hatte zuvor den Einsatz der Truppe auf zunächst zwölf Monate befristet. Ein Verlängerung ist möglich. An der Mission werden sich ausser Nigeria vermutlich Kamerun, Tschad, Niger und Benin beteiligen.

Die Finanzierung ist aber noch unklar: «Das ist eine grosse Herausforderung, denn der Kampf gegen Terrorismus dauert generell lange», sagte der zuständige AU-Kommissar Smail Chergui. «Es gibt aber bereits Gespräche, und wir loten alle Möglichkeiten aus.»

Für bessere Koordination

Der UNO-Sicherheitsrat in New York soll die Mission mit einer Resolution unterstützen. «Dieser Terror erfordert stärkere und besser koordinierte Massnahmen von uns allen», sagte UNO-Generalsekretär Ban ki-Moon. «Alle regionalen und internationalen Bemühungen müssen darauf abzielen, die Menschen in Nordnigeria und den Nachbarländern vor der Gewalt zu schützen.»

Kein Land könne es allein schaffen, diese Brutalität einzudämmen, sagte Ban weiter. Gleichzeitig forderte er aber eine «Analyse zu den Gründen und Wurzeln von dieser Art von Extremismus».

Doch trotz eines Militäreinsatzes wird Boko Haram immer mächtiger und gewalttätiger. Kamen in den ersten vier Jahren des Aufstands 2000 Menschen ums Leben, so waren es allein vergangenes Jahr nach Angaben des Council on Foreign Relations 10'000.

Flughafen geschlossen

Maiduguri ist mit seinen zwei Millionen Einwohnern die grösste Stadt der Region, sie gilt als Ursprung von Boko Haram. Während der erneuten Attacke auf die Stadt hatten Armeeangehörige berichtet, die Extremisten führten ihren Angriff über alle vier grossen Zufahrtstrassen und seien in etwa 15 Kilometern Entfernung.

Damit waren auch die Fluchtwege blockiert. Der internationale Flughafen der Stadt ist bereits seit einem Angriff im Dezember 2013 geschlossen. Damals hatten die Extremisten fünf Flugzeuge auf einem nahen Luftwaffenstützpunkt zerstört.

Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl

Am Donnerstag hatte der Tschad als erste ausländische Kraft auf nigerianischem Boden einen Einsatz gegen die Extremisten gestartet: Mit einem Kampfflugzeug und Soldaten vertrieb das Militär Kämpfer von Boko Haram aus einem Grenzort. Zudem habe ein tschadisches Kampfflugzeug die Extremisten auch in den Orten Gamboru, Kolfata und zuvor auch in Malumfatori bombardiert und von dort vertrieben, berichteten Augenzeugen.

Vor allem der Tschad und Kamerun als angrenzende Nachbarländer werden zunehmend in den früher auf Nigeria begrenzten Terror von Boko Haram hineingezogen. Die nigerianische Militäroffensive hatte die Extremisten 2013 zunächst zurückgedrängt. Bald erwies sich das nigerianische Militär jedoch als schlecht ausgerüstet und demoralisiert, und Boko Haram kam zurück. Im August 2014 riefen die Extremisten in der Region ein islamisches Kalifat aus. Derzeit halten sie nach Schätzung von Amnesty International rund 130 Städte und Dörfer.

Vor der für 14. Februar geplanten Präsidentschaftswahl in Nigeria haben sie ihren Kampf verstärkt. Präsident Jonathan bewirbt sich um eine weitere Amtszeit

AP/sda/fko

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch