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Die Taliban verstehen Schweizerdeutsch

In den Reihen der Extremisten, die zwei Schweizer in Pakistan als Geiseln halten, muss jemand des Dialekts mächtig sein. Anders lässt sich das neueste Video nicht erklären. Es gibt auch einen konkreten Verdacht.

Konnten sich in der Gefangenenunterkunft offenbar relativ frei bewegen: Daniela W. und David O. nach der Rückkehr. (17. März 2012)
Konnten sich in der Gefangenenunterkunft offenbar relativ frei bewegen: Daniela W. und David O. nach der Rückkehr. (17. März 2012)
Keystone
Müssen nun das Erlebte verarbeiten: Das Paar nach der Landung in Kloten. (17. März 2012)
Müssen nun das Erlebte verarbeiten: Das Paar nach der Landung in Kloten. (17. März 2012)
Keystone
Mitglieder eines Stammes in Belutschistan betrachten einen brennenden Tanker (13. November 2010). Belutschistan ist die öl- und erdgasreichste Region des Landes.
Mitglieder eines Stammes in Belutschistan betrachten einen brennenden Tanker (13. November 2010). Belutschistan ist die öl- und erdgasreichste Region des Landes.
Reuters
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Die Taliban müssen beim Filmen des neuesten GeiselvideosHilfe von jemandem gehabt haben, der Schweizer Dialekt versteht.

Analysten des Genfer Zentrums für Terrorismus (GCTAT) vermuten: Einer der vier Männer, die – vermummt oder verpixelt – mit Kalaschnikows im Anschlag hinter den beiden Schweizern stehen, sei derjenige, der überwache, was die beiden auf Berndeutsch sagten.

3 Millionen US-Dollar und 100 Kämpfer

Die beiden Schweizer waren mit ihrem eigenen Auto in Pakistan in der Nähe der Afghanischen Grenze unterwegs und wurden am 1. Juli von Taliban unter dem Kommando von Waliur Rehman entführt. Sie wollen das Berner Paar gegen die Freilassung von in Pakistan inhaftierten Taliban-Kämpfern und ein Lösegeld eintauschen.

Über die Zahl der Kämpfer und die Höhe des Lösegeldes herrschen Unklarheit. Der Saifullah Mahsud vom privaten Forschungsinstitut FRC in Islamabad, das am Dienstag die ersten Kopien des neuen Videos zugeschickt erhielt, sagt im Gespräch mit der «Sonntags Zeitung»: «Es ist üblich, dass nicht öffentlich gesagt wird, was man exakt verlangt. Wir können nicht ganz sicher sein und nichts bestätigen, aber wir hören aus den Stammesgebieten, dass die Taliban 3 Millionen US-Dollar und 100 Kämpfer verlangen.»

Laut Recherchen der «Sonntags Zeitung» kommt der aus der Schweiz stammende Moezeddine Garsallaoui infrage, der in der Schweiz zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden ist und danach entwischte. Er soll sich nach Informationen des GCTAT in Nord-Waziristan aufhalten. In dieser Region werden auch die Geiseln vermutet. Die GCTAT-Experten verfolgen Garsallaoui, seit er von Düdingen FR aus al-Qaida-Propaganda und Bombenbaupläne verbreitete. Sie wissen, dass er Berndeutsch versteht.

Deutsche als Übersetzer?

Für den Politologen Mahsud kommen auch Deutsche als Übersetzer in Frage. Gemäss deutschen Sicherheitsbehörden, so die «Sonntags Zeitung», befinden sich 20 bis 40 «Deutsch-Taliban» bei militanten Gruppen in Pakistan.

Der deutsche Journalist Florian Flade, einer der besten Kenner der deutschsprachigen Islamisten in Pakistan, hält es hingegen für «sehr wahrscheinlich», dass tatsächlich Garsallaoui der Berndeutsch-Übersetzer der Taliban ist. «Der Dialekt ist für die Deutsch-Taliban eine Fremdsprache. Dieses Berndeutsch versteht nur jemand, der einige Zeit in der Schweiz gelebt hat.» Garsallaoui hingegen sei «gut vernetzt in Nord-Waziristan. Man weiss dort, dass er in der Schweiz wohnte.» Jemand anderes komme kaum infrage.

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