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Die meisten Guantanamo-Häftlinge sind offenbar unschuldig

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat neue Dokumente aus dem Gefangenenlager Guantanamo veröffentlicht. Sie zeigen angeblich, dass es gegen die meisten Insassen keine Beweise gibt.

Gilt als eines der sichersten Gefängnisse der Welt: Guantanamo.
Gilt als eines der sichersten Gefängnisse der Welt: Guantanamo.
Keystone

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat hunderte Geheimdokumente über die in Guantanamo inhaftierten Terrorverdächtigen veröffentlicht. Auszüge davon erschienen auch in den Zeitungen «New York Times» und dem Londoner «Guardian» sowie dem Hamburger Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Die US-Regierung kritisierte die Veröffentlichungen als «unglücklich».

Es handelt sich um mehr als 700 militärische Einschätzungen über Festgenommene - im Englischen Detainee Assessment Briefs, abgekürzt DAB. Darin wird beschrieben, welchen Wert der Verdächtige für den Geheimdienst habe und ob er eine Bedrohung für die USA sei, wenn er freigelassen würde. Bisher wurden 604 Gefangene in das Militärgefängnis in dem Stützpunkt der USA auf Kuba gebracht, 172 sind dort noch inhaftiert.

Viele wurden aus Versehen festgenommen

Einige der Dokumente scheinen zu belegen, dass einige Fälle auf einer mangelhaften Beweislage gründeten. Der «Spiegel» zitierte Wikileaks mit der Einschätzung, dass «nur einige Dutzend Häftlinge wirklich der Verwicklung in Terrorismus beschuldigt» werden könnten. «Die restlichen waren entweder unschuldige Männer oder Jungen, die aus Versehen festgenommen wurden, oder Fusssoldaten der Taliban, die nichts mit Terrorismus zu tun hatten», heisse es bei Wikileaks.

Die «Washington Post» schrieb, die DABs böten neue Einblicke in das al-Qaida-Netzwerk von Osama bin Laden und seinem Stellvertreter Ajman al Sawahiri nach den Anschlägen in den USA am 11. September 2001. Aus US-Regierungskreisen hiess es, die Dokumente «mögen oder mögen nicht die derzeitige Ansicht über einen Gefangenen wiedergeben».

Pakistanischer Geheimdienst unter Verdacht

Die US-Behörden betrachten den pakistanischen Geheimdienst ISI offenbar als terroristische Vereinigung. Das geht aus Geheimdokumenten hervor, die internationalen Medien zugespielt wurden. Demnach wird in einem Handbuch für Verhöre im US-Gefangenenlager Guantanamo der ISI neben den islamistischen Milizen Hamas und Hizbollah sowie dem iranischen Geheimdienst als Terrororganisation eingestuft.

Mitarbeiter des ISI könnten möglicherweise die Taliban oder das Terrornetzwerk al-Qaida unterstützt haben, heisst es in dem Handbuch. Die Veröffentlichung der internen Einschätzung dürfte die Spannungen zwischen dem US-Auslandsgeheimdienst CIA und dem ISI weiter verschärfen. Die Geheimdienste beider Länder arbeiten seit 2001 zusammen, die Beziehungen haben sich im Laufe der Jahre jedoch kontinuierlich verschlechtert.

dapd/miw

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