Zum Hauptinhalt springen

Der Tahrir-Platz ist wieder voll

Die Proteste gegen den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi gingen in der Nacht weiter. 300'000 Menschen versammelten sich auf dem Tahrir-Platz. Dabei kam ein 56-jähriger Mann ums Leben.

Geplantes Treffen mit den Konfliktparteien abgesagt: Panzer bewachen immer noch den Präsidentenpalast in Kairo. (12. Dezember 2012)
Geplantes Treffen mit den Konfliktparteien abgesagt: Panzer bewachen immer noch den Präsidentenpalast in Kairo. (12. Dezember 2012)
Reuters
Gespaltenes Land: Zwei Soldaten der Republikanischen Garden stehen Wache vor einem Graffito, der rechts je eine Gesichtshälfte des Feldmarschalls Hussein Tantawi und des ehemaligen Machthabers Hosni Mubarak zeigt. Hinten links der neue Präsident Mohammed Mursi. (11. Dezember 2012)
Gespaltenes Land: Zwei Soldaten der Republikanischen Garden stehen Wache vor einem Graffito, der rechts je eine Gesichtshälfte des Feldmarschalls Hussein Tantawi und des ehemaligen Machthabers Hosni Mubarak zeigt. Hinten links der neue Präsident Mohammed Mursi. (11. Dezember 2012)
Reuters
Auch die Gegenseite ist auf die Strasse gegangen: Anhänger Mursis demonstrieren vor dem Präsidentenpalast in Kairo. (23. November 2012)
Auch die Gegenseite ist auf die Strasse gegangen: Anhänger Mursis demonstrieren vor dem Präsidentenpalast in Kairo. (23. November 2012)
Keystone
1 / 25

Die Proteste gegen den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi sind auch in der Nacht weitergegangen. Am Morgen harrten noch Hunderte Gegner Mursis auf dem zentralen Tahrir-Platz aus.

Gestern war es hier zu einer gewaltigen Massendemonstration gekommen, bei der viele Tausend Ägypter den Rücktritt Mursis gefordert hatten. Es war die grösste Protestkundgebung seit dem Sturz seines Vorgängers Hosni Mubarak Anfang 2011.

Proteste auch in Provinzstädten

Nach Schätzungen von Teilnehmern versammelten sich gestern Abend mehr als 300'000 Menschen auf dem Tahrir-Platz und in den angrenzenden Strassen und riefen Parolen gegen den Islamisten. Auslöser der Proteste war eine Verfassungserklärung, mit der der Präsident in der vergangenen Woche seine Macht ausgeweitet hatte.

Auch in mehreren Provinzstädten gab es Kundgebungen gegen Mursis umstrittene Erklärung. In der Hafenstadt Alexandria und in der Industriestadt Al-Mahalla kam es zu Schlägereien zwischen Islamisten und Demonstranten. Dutzende von Menschen wurden verletzt.

Drei Tote

Bei den neuen Protesten gegen den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi hat es ein drittes Todesopfer gegeben. Ein 56-jähriger Gegner des Staatschefs sei in Kairo an von der Polizei abgefeuertem Tränengas erstickt, berichteten übereinstimmend Protestierende und Ärzte.

Der Mann habe sich in einem von seiner linken Volksallianz aufgestellten Zelt in der Nähe der US-Botschaft aufgehalten. Dort kam es am Dienstag zu Auseinandersetzungen zwischen jugendlichen Mursi-Gegnern und der Polizei, in deren Verlauf die Beamten Tränengas einsetzten.

Grosse Mobilisierung

An der Demonstration auf dem Tahrir-Platz nahmen auch führende Oppositionelle sowie Schauspieler, Anwälte und Journalisten teil. Einige von ihnen riefen: «Oh Mubarak, sag dem Mursi, auf den Thron folgt die Zelle!»

Die Mursi-Gegner zeigten sich von dem Zulauf begeistert. «Die Muslimbrüder haben immer behauptet, dass wir den Tahrir-Platz ohne ihre Unterstützung nicht voll kriegen, jetzt haben wir ihnen gezeigt, dass dies nicht simmt», erklärte ein Aktivist.

Auch in den Städten Luxor, Assiut, Kena, Tanta, Al-Arisch, Bani Sueif und Suez protestierten Menschen gegen Mursis Erklärung, mit der er sich selbst und das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee vor dem Zugriff der Justiz schützt.

Kundgebungen abgesagt

Mursi hat früher den islamistischen Muslimbrüdern angehört, nach seiner Wahl zum Präsidenten trat er aus. Der Staatschef hatte in der vergangenen Woche seine ohnehin weitreichenden Befugnisse per Verfassungserklärung nochmals massiv ausgeweitet. Unter anderem verfügte er, dass alle von ihm «zum Schutz der Revolution getroffenen Entscheidungen» rechtlich unanfechtbar sind. Dagegen protestierten am Dienstag auch in Alexandria tausende Menschen, zu einer Demonstration in Scharm el Scheich kamen mehrere hundert Menschen zusammen.

Die Muslimbruderschaft hatte für Dienstag zunächst auch ihre Anhänger zu einer Kundgebung aufgerufen, nahe der Kairoer Universität im Viertel Gizeh. Der politische Arm der Bewegung, die Partei für Freiheit und Gerechtigkeit, sagte die Demonstration aber wieder ab. Zur Begründung hiess es, dass Gewalt vermieden werden solle.

Vorübergehende Gültigkeit

Wegen des umstrittenen Verfassungsdekrets hatte sich Mursi am Montagabend mit dem Obersten Rat der Justiz getroffen; die Gespräche brachten aber keine nennenswerte Annäherung. Mursi werde seine Verfassungserklärung nicht ändern, sagte sein Sprecher Jasser Ali nach dem Treffen. Der Präsident habe den Richtern gegenüber aber klargestellt, dass nur Entscheidungen im Rahmen seiner «souveränen Befugnisse» unwiderruflich seien. Zudem habe Mursi den vorübergehenden Charakter des Dekrets betont.

Diese Äusserungen Mursis entsprechen einer im Vorfeld des Treffens von Justizminister Ahmed Mekki vorgeschlagenen «Änderung» der Erklärung. Dieser hatte im Zuge der hitzigen Debatte angeregt, dass nur die Fragen, welche die «souveränen Rechte des Präsidenten» betreffen, nicht aber seine Entscheidungen in Verwaltungsfragen von der Überprüfung durch die Justiz ausgenommen sind.

(dapd/sda)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch