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Der syrischen Opposition wäre jede Intervention recht

Syriens Revolutionäre wollen unbedingt militärische Unterstützung aus dem Ausland. Diesem Ziel waren sie noch nie so nahe wie jetzt.

Der UN-Bericht liefert Beweise für den Giftgaseinsatz in Syrien: UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. (17. September 2013)
Der UN-Bericht liefert Beweise für den Giftgaseinsatz in Syrien: UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. (17. September 2013)
AP Photo/Frank Franklin II)
Einigen sich in Genf auf einen Plan zur Sicherung und Zerstörung der syrischen Chemiewaffen: Der russische Aussenminister Sergei Lawrow und sein amerikanischer Kollege John Kerry. (13. September 2013)
Einigen sich in Genf auf einen Plan zur Sicherung und Zerstörung der syrischen Chemiewaffen: Der russische Aussenminister Sergei Lawrow und sein amerikanischer Kollege John Kerry. (13. September 2013)
AFP
Nach Angaben der Regierung im Stadtteil Jobar gefunden: Angebliche Materialien und Utensilien zur Herstellung von chemischen Waffen. (24. August 2013)
Nach Angaben der Regierung im Stadtteil Jobar gefunden: Angebliche Materialien und Utensilien zur Herstellung von chemischen Waffen. (24. August 2013)
Sana, AFP
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Ob «Libyen-Szenario» oder «Kosovo-Plan»: Der syrischen Exil-Opposition ist alles recht, was in ein militärisches Eingreifen des Westens mündet. Die Dissidenten glauben, nach der mutmasslichen Giftgas-Attacke im Umland von Damaskus sei die Zeit jetzt reif, um die zögernden Diplomaten in Washington und Brüssel für die Einrichtung einer Flugverbotszone in Syrien zu gewinnen.

Denn sie gehen davon aus, dass sich Präsident Bashar al-Assad und sein Regime nicht mehr lange halten werden, wenn sie die Rebellen nicht mehr mit Raketen und Kampfjets angreifen können.

«Es sieht gut aus»

In Libyen hatte der Einsatz westlicher Kampfflugzeuge den Sturz des Machthabers Muammar al-Ghadhafi ermöglicht. Im Kosovokrieg hatte die Nato Ziele in Serbien bombardiert; der Kosovo wurde Protektorat der UNO und am Ende unabhängig von Serbien.

«Es sieht gut aus», freut sich ein führendes Mitglied der Nationalen Syrischen Allianz, nachdem der Vorsitzende des Oppositionsbündnisses, Ahmed al-Jarba, die Aussenminister von Katar und der Türkei getroffen hat. Allerdings fordern diese beiden Staaten ohnehin schon seit langer Zeit eine härtere Linie gegen Assad und unterstützen aktiv die Rebellen. Viele westliche Regierungen stehen einer Intervention ohne Mandat des von Russland und China blockierten UNO-Sicherheitsrates dagegen sehr skeptisch gegenüber.

Wer setzte Nervengas ein?

Zwar glauben die allermeisten Beobachter, dass im Bezirk al-Ghuta al-Sharkija am vergangenen Mittwoch tatsächlich ein chemischer Kampfstoff eingesetzt wurde. Jedoch fehlt bislang der Beweis dafür, dass es tatsächlich das Assad-Regime war, das die Menschen in den Dörfern mit Nervengas getötet hat.

Denn nicht nur das Regime behauptet jetzt, es seien die Rebellen gewesen, die – vielleicht um eine Militärintervention zu provozieren – chemische Kampfstoffe verwendet hätten. Auch einige westliche Kommentatoren und Diplomaten zweifeln, dass das Regime ausgerechnet dann C-Waffen einsetzt, wenn UNO-Inspektoren im Land sind.

Viele Syrer trauen dem Regime dagegen auch das zu. Während in Damaskus eine Vereinbarung geschlossen wurde, die den geplanten Besuch der Inspektoren in Al-Ghuta al-Sharkija am Montag bis ins kleinste Detail regelt, rollt im Norden des Landes eine neue Fluchtwelle in Richtung türkische Grenze. Ausgelöst wurde sie von dem Gerücht, Assad wolle – während die Inspektoren im Umland von Damaskus unterwegs sind – Gebiete mit Giftgas bombardieren, die weiter von der Hauptstadt entfernt liegen.

In Oppositionskreisen wird befürchtet, dass die Vertreter des Regimes versuchen werden, die Arbeit der Inspektoren durch fingierte Kampfhandlungen und nachträglich platzierte «falsche Beweise» zu behindern.

«Die würden so etwas nie tun»

Der syrische Filmemacher und Aktivist Orwa Nyrabia hält es für völlig ausgeschlossen, dass eine Rebellenbrigade hinter den Attacken steckt, die am vergangenen Mittwoch Hunderte Zivilisten in ihren Betten getötet haben.

In al-Ghuta al-Scharkija spielten radikale Gruppen, denen auch ausländische Kämpfer angehörten, keine Rolle. Dort sei die Liwa-al-Islam-Brigade stark.

Die sei ihm «als säkularem Oppositionellen zwar auch nicht sympathisch», aber sie bestehe zumindest aus lokalen Kämpfern. «Die würden so etwas nie tun in ihren eigenen Heimatdörfern», zeigte sich Nyrabia überzeugt.

Nyrabia war 2012 wegen seiner regimekritischen Haltung festgenommen worden. Nach einer internationalen Kampagne, an der sich auch Robert De Niro und Martin Scorsese beteiligten, kam er frei. Heute steuert er von Kairo aus zivile Projekte der Lokalen Koordinationskomitees der Revolutionäre.

SDA/mw

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