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Der mörderische Reichtum

Die Elfenbeinküste verfügt über eines der grössten Diamantenvorkommen der Welt. Nun warnen Experten, dass Kriegstreiber mit den Millionen aus dem Verkauf der Steine den Bürgerkrieg anheizen könnten.

Die Experten des Kimberley-Systems, das den Handel mit Diamanten aus Konfliktgebieten kontrollieren soll, zeigen sich besorgt über die Situation in der Elfenbeinküste. Das Land steht auf Platz 15 der Länder mit den grössten Diamantenvorkommen der Welt.

Die verfeindeten Lager um den bisherigen Staatschef Laurent Gbagbo und den international anerkannten Wahlsieger Alassane Ouattara könnten mit sogenannten Blutdiamanten einen Bürgerkrieg finanzieren, sagte Boas Hirsch, der bis Ende Jahr den Kimberley-Vorsitz innehat. Es bestehe die Gefahr, dass der illegale Diamanten-Handel den Konflikt in dem westafrikanischen Land weiter anheize.

Diamanten mit gefälschten Zertifikaten verkauft

«Die einzigen Diamanten, die derzeit als Kriegsdiamanten eingestuft werden, stammen aus der Elfenbeinküste», sagte Hirsch. Die Vereinten Nationen hatten 2005 ein Exportverbot für Diamanten aus der Elfenbeinküste verhängt, um den im Norden des Landes aktiven früheren Rebellen der Forces Nouvelles (FN) eine Geldquelle zu nehmen. Ouattara wird von der ehemaligen Rebellenbewegung FN unterstützt.

In den vergangenen Jahren wurden dennoch Rohdiamanten im Wert von hunderten Millionen Dollar mit gefälschten Herkunftszertifikaten über Nachbarländer ausgeführt. «Dem Kimberley-Prozess ist absolut daran gelegen, sicherzustellen, dass diese Diamanten nicht dazu dienen, eines der beiden Lager zu finanzieren», sagte Hirsch.

Ein Fingerabdruck soll bei der Identifizierung helfen

Der Kimberley-Prozess wurde im Jahr 2000 in der gleichnamigen Bergbaustadt in Südafrika gestartet. Unter anderem sollen eindeutige Zertifikate für Rohdiamanten garantieren, dass keine Edelsteine aus zweifelhaften Quellen mehr auf den Weltmarkt gelangen und dass Rebellen nicht mehr mit den Erlösen Waffen kaufen. Hirsch sagte, Experten arbeiteten derzeit an einem «geologischen Fingerabdruck», um Diamanten aus der Elfenbeinküste besser zu identifizieren.

In den 1990er Jahren hatten Blutdiamanten Schätzungen zufolge einen 15-prozentigen Anteil am Diamanten-Weltmarkt. Gelder aus diesem Handel flossen unter anderem in tödliche Konflikte in Angola, in der Elfenbeinküste, der Demokratischen Republik Kongo, in Liberia und Sierra Leone. Der von der UNO unterstützte Kimberley-Prozess umfasst inzwischen 99 Prozent der weltweiten Rohdiamanten-Förderung, ihm gehören 75 Länder an.

Die Elfenbeinküste durchlebt seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl Ende November erneut eine tiefe politische Krise: Der abgewählte Staatschef Gbagbo verbleibt eigenmächtig im Amt, obwohl die internationale Gemeinschaft Herausforderer Ouattara als rechtmässigen Wahlsieger anerkennt.

AFP/oku

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