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«Der Irak ist weniger sicher als noch vor zwölf Monaten»

Die Sicherheitslage im Irak hat sich fünf Monate vor dem US-Abzug dramatisch verschlechtert. Der Juni war für die US-Truppen gar der tödlichste Monat seit zwei Jahren.

Die ständige Angst: Irakische Sicherheitskräfte durchsuchen in Bagdad ein Auto.
Die ständige Angst: Irakische Sicherheitskräfte durchsuchen in Bagdad ein Auto.
Keystone

Fünf Monate vor dem geplanten Abzug der US-Streitkräfte bleibt der Irak ein äusserst gefährlicher Ort. «Er ist weniger sicher (...) als noch vor zwölf Monaten», schrieb der amerikanische Generalinspektor für den Wiederaufbau im Irak, Stuart Bowen, in seinem Vierteljahresbericht an den US-Kongress. Das Dokument wurde am Samstag veröffentlicht. Seine Einschätzung begründete Bowen mit der Zunahme von bewaffneten Angriffen auf US-Soldaten und irakische Regierungsbeamte. Ausserdem werde die Grüne Zone in Bagdad, der Sitz der irakischen Regierung und der US- Botschaft, erneut mit Raketen beschossen.

Bowens Bericht unter dem Motto «Sommer der Ungewissheit» erschien vor dem Hintergrund der in Bagdad immer noch unentschiedenen Debatte, ob nach der Jahreswende eine kleinere Zahl von US-Soldaten zurückbleiben soll. Die USA waren 2003 mit 130'000 Mann in den Irak einmarschiert. In den Jahren 2007 und 2008 waren diese Truppen noch einmal um 40'000 Mann aufgestockt worden. Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama zieht sich das US-Militär nach und nach aus dem Irak zurück. Derzeit stehen noch 44'000 Mann im Zweistromland.

Juni tödlichster Monat

Washington hatte zuletzt mehrfach klargemacht, dass es nur dann Truppen im Land behalten werde, wenn die Regierung in Bagdad dies formal beantragen würde. Der irakische Ministerpräsident Nuri al- Maliki ist sich aber der Unterstützung für einen solchen Schritt durch das Parlament nicht sicher. Das Land hat keine eigene Luftwaffe, wenig schwere Waffen und kann seine langen Grenzen kaum allein schützen.

Bowen zufolge war der Juni der bisher tödlichste Monat für die US-Truppen seit mehr als zwei Jahren. Bei Anschlägen und feindlichen Angriffen seien 14 US-Soldaten ums Leben gekommen. Die meisten dieser Attacken gingen auf das Konto von schiitischen Militanten, die vom Iran bewaffnet und unterstützt wurden.

Zwischen April und Mitte Juni seien bei Anschlägen 248 irakische Zivilisten und 193 Angehörige der irakischen Sicherheitskräfte getötet worden. Viele dieser Terrortaten seien dem irakischen Al-Qaida-Ableger zuzuschreiben. Bowen zitiert Geheimdienstangaben, wonach noch rund 1000 Al-Qaida-Kämpfer im Irak aktiv seien.

Schwieriger Alltag

In Hinblick auf den Alltag für die Bürger im Irak hielt der Bericht fest: «Stromausfälle gehören weiterhin zum Leben im Irak.» Die Elektrizitätsversorgung könne immer noch nicht mit der steigenden Nachfrage Schritt halten. Die aktuelle Produktion erreiche gerade knapp die Hälfte des Gesamtbedarfs in Höhe von 11'500 Megawatt. Weiter heisst es: «Die Korruption bleibt für den Irak eine signifikante Herausforderung.»

SDA/jak

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