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«Der Geruch des Todes war überall»

Nach einem Monat im Feuer der Artillerie von Präsident Bashar al-Assad ist vielen Zivilisten die Flucht aus der syrischen Stadt Homs gelungen. Endlich in Sicherheit, erzählen einige, was sie in Baba Amr erlebt haben.

In Homs kommt es immer wieder zu Gefechten: Rauch über dem Quartier Bab Sabaa. (19. März 2012)
In Homs kommt es immer wieder zu Gefechten: Rauch über dem Quartier Bab Sabaa. (19. März 2012)
Reuters
Immer häufiger auch Gefechte und Bombenexplosionen in Damaskus: Mobiliar vor einem Geheimdienstgebäude nach einem Anschlag. (18. März 2012)
Immer häufiger auch Gefechte und Bombenexplosionen in Damaskus: Mobiliar vor einem Geheimdienstgebäude nach einem Anschlag. (18. März 2012)
Reuters
Haben sich von Assad abgewandt: Deserteure der syrischen Armee schliessen sich in Homs Demonstranten an. (26. Januar 2012)
Haben sich von Assad abgewandt: Deserteure der syrischen Armee schliessen sich in Homs Demonstranten an. (26. Januar 2012)
Reuters
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Der Gestank von Tod und Verwesung ist in den Schilderungen von Flüchtlingen aus dem Viertel Baba Amr der syrischen Stadt Homs allgegenwärtig. Nach rund vier Wochen gelang ihnen die Flucht aus dem lange von Rebellen gehaltenen Viertel.

Auch Tage nach seiner Flucht nach Libanon wirkt Ahmad erschöpft. «Der Geruch des Todes war überall», schildert er seine Erlebnisse in Baba Amr. «Die ganze Zeit konnten wir die unter den Trümmern begrabenen Leichen riechen.» Die Menschen hätten die auf den Strassen liegenden Toten, die zu verwesen begannen, nicht beisetzen können.

62 Menschen starben auf der Flucht

Als die Armee einen von den Rebellen der Freien Syrischen Armee FSA genutzten Schmuggeltunnel zerstörten, näherte sich der Kampf um Baba Amr vergangene Woche dem Ende. Kurz danach hätten die Kämpfer der FSA die Menschen zur Flucht aufgerufen.

Männer versuchten, sich nach Libanon durchzuschlagen, Frauen und Kinder brachten sich in Dörfern nahe Homs in Sicherheit. Laut Aktivisten kamen mindestens 62 Menschen auf der Flucht ums Leben.

Jagd auf Bewohner von Baba Amr

In den Ruinen des Viertels machen Assads Soldaten laut Zeugen Jagd auf Männer. «Sie sprachen von einer Liste mit den Namen von 1500 Männern, die sie alle gefangen nehmen wollen», sagt Omar, der aus Baba Amr in einen anderen Stadtteil von Homs flüchten konnte, am Telefon. «Sie säubern das Viertel, plündern Häuser, nehmen Menschen gefangen und richten einige hin.»

Baba Amr sei vollständig umzingelt. Assads Soldaten feuerten auf alles, was sich bewege. Seit Freitag seien mindestens 60 Männer hingerichtet worden, berichten Aktivisten. Die Soldaten töteten vor allem junge Männer.

Die notleidenden Menschen in Baba Amr hat bisher keine Hilfe von aussen erreicht. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) kritisierte, dass es noch immer keine Nahrung und Hilfsmittel in das Viertel bringen durfte.

Beratungen über Syrien-Resolution

Die Beratungen der UNO zum Vorgehen in Syrien gehen derweil weiter. Die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats haben am Dienstag über einen von den USA ausgearbeiteten neuen Entwurf für eine Syrien-Resolution beraten. In dem Resolutionsentwurf wird von der syrischen Regierung ein sofortiger Stopp jeglicher Gewalt verlangt. Sicherheitskräfte sollen aus den Protesthochburgen abgezogen und wegen der Proteste festgehaltene Gefangene freigelassen werden.

Sobald diese Bedingungen erfüllt sind, sollen die Oppositionsgruppen dem Entwurf zufolge auf alle Gewalt verzichten. Die syrischen Behörden werden in dem Text zudem aufgefordert, sofort humanitäre Hilfslieferungen für alle Städte des Landes zu ermöglichen.

Russlands Haltung bleibt ablehnend

Die UN-Botschafter Russlands und Chinas, die bereits zwei UN-Resolutionen zu Syrien mit ihrem Veto verhindert hatten, äusserten sich nach den Gesprächen nicht zu dem Entwurf. Russlands Vizeaussenminister Gennadi Gatilow hatte sich jedoch zuvor ablehnend geäussert und den Text als «unausgeglichen» bezeichnet. Es handle sich lediglich um eine «leicht veränderte Version» des Dokuments, gegen das Russland und China Anfang Februar ihr Veto eingelegt hatten, kritisierte Gatilow.

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Susan Rice, sprach von «vorbereitenden Diskussionen». Die Gespräche hätten gerade erst begonnen und würden noch dauern.

«Syrien ist nicht Libyen»

Ebenfalls am Dienstag nahm US-Präsident Barack Obama in einer Pressekonferenz Stellung zur Lage in Syrien. Die Gewalt sei herzzerreissend, sagte er. Obama signalisierte aber keine Bereitschaft für einen militärischen Einsatz im Land. Eine einseitige Militäraktion der USA gegen die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar Assad wäre ein Fehler, erklärte er. Einen Vergleich des Syrien-Konflikts mit dem in Libyen, wo die USA und andere Länder vergangenes Jahr militärisch interveniert hatten, lehnte Obama ab. Der Konflikt in Syrien sei komplizierter.

Die Regierung in Damaskus geht seit einem Jahr mit grosser Härte gegen einen Volksaufstand vor. Laut UNO wurden dabei mehr als 7500 Zivilisten getötet. Für die syrische Führung handelt es sich bei den Aufständischen um Terroristen, die vom Ausland gesteuert werden.

SDA/wid

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