Der fliegende Prinz

Der Neffe des saudischen Königs, Khalid bin Salman, fliegt Bombenangriffe auf Islamisten in Syrien.

Bereit für den Kampf: Der saudische Prinz Khalid bin Salman.

Bereit für den Kampf: Der saudische Prinz Khalid bin Salman.

(Bild: AFP)

Nicola Brusa@tagesanzeiger

Wenn das saudische Königshaus dem Westen seine Unterstützung im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) ­zusagt, dann ist es das saudische Königshaus selber, das die Islamisten bekämpft. So zumindest können die Informationen gedeutet werden, die die staatliche saudische Presseagentur soeben veröffentlicht hat.

Bilder zeigen einen Prinzen, Leutnant Khalid bin Salman, ­zusammen mit sieben ­weiteren ­saudischen Jetpiloten, die von einem nächtlichen Kampfeinsatz zurück­gekehrt sind. «Gott segne euch», steht auf ihren Flugzeugen.

Der Prinz sitzt mit einem feinen Lächeln in Cockpit seiner F-15. Vier solche Maschinen der Saudischen Luftwaffe flogen in den letzten Tagen im Verbund mit US-Jets «erfolgreiche und wirkungsvolle Angriffe» gegen Stellungen des IS in Syrien.

Khalids Vater, Kronprinz Salman bin Abdul Aziz al-Saud, Halbbruder des Königs, Vizepremier- und Verteidigungsminister, liess sich mit den Worten zitieren: «Die Piloten erfüllten ihre Pflicht gegenüber ihrem Glauben, ihrer Heimat und ihrem König.» Das Land sei stolz auf die «Professionalität und den Mut» der Piloten. Zusätzlich patriotisch aufgeladen war die Verlautbarung, weil die Luft­angriffe vom Dienstag mit dem Nationalfeiertag zusammenfielen.

Ein starkes Zeichen

Dass sich der Neffe des Königs an den Angriffen in Syrien beteiligt, wird von Experten als starkes aussen­politisches Zeichen gewertet: Saudiarabien meint es Ernst mit dem Kampf gegen die Islamisten. Über den fliegenden Prinzen selber ist kaum etwas bekannt – nicht einmal sein Alter. Er ist einer von vielen Prinzen in einer unübersichtlichen königlichen Familie: Khalid ist eines der jüngeren von 13 Kindern aus den drei Ehen des saudischen Thronfolgers, er hat fünf Brüder, sechs Halbbrüder und eine Halbschwester.

Auf Geheiss seines Vaters liess sich Khalid bin Salman in den USA zum Kampfjetpiloten ausbilden. Im März 2009 erlangte er in Columbus sein Diplom. Zur Abschlussfeier reiste eine stattliche königliche Delegation auf die US-Luftwaffenbasis im Bundesstaat Mississippi. Khalids Halbbruder Sultan ist ebenfalls Kampfpilot – über ihn ist mehr bekannt: Er war 1985 Teil einer Space-Shuttle-Mission und der erste Araber im Weltall.

Vor zwei Jahren wurde Khalid bin Salman Opfer einer Verwechslung. Ein Passant filmte, wie ein reicher Schnösel in New York seinen Ferrari im Parkverbot abstellte. Den Polizisten, der ihm dafür eine Busse ausstellen wollte, überfuhr er beinahe. Schliesslich wurde der junge Mann aus seinem Auto gezerrt und in Hand­schellen abgeführt. Häme, Hass und übler Rassismus schlugen Khalid entgegen, er wurde als dreckiger Araber beschimpft. Beim Ferrari-­Fahrer handelte es sich um einen Halb­prominenten, der Khalid zum Verwechseln ähnlich sah.

Über Twitter verbreiten sich nun die Bilder des königlichen Kampf­piloten. Er und seine Kollegen werden mit Hasstiraden und Drohungen eingedeckt. Wer als Muslim «seine Brüder» angreife und töte, verdiene den Tod: «Früher oder später werdet ihr aufgeschlitzt!» Der saudische Grossmufti rechtfertigt derweil den Einsatz. Weder der IS noch al-Qaida hätten etwas mit dem Islam zu tun – im Gegenteil: Die Milizionäre seien die grössten Feinde des Islam.

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