Der Bombenbauer Bin Ladens ist tot – oder?

Wegen Hassan al-Asiri darf man keine Flüssigkeiten ins Flugzeug nehmen. Auf sein Konto gehen mehrere Terroranschläge. Nun soll der gefürchtete Saudi tot sein.

Lange gesucht, nun wohl gestorben: Hassan al-Asiri. Foto: PD

Lange gesucht, nun wohl gestorben: Hassan al-Asiri. Foto: PD

Paul-Anton Krüger@pkr77

Al-Qaida Der Name Ibrahim Hassan al-Asiri ist wohl nur Geheimdienstlern und Terrorexperten geläufig. Doch jeder, der in den vergangenen Jahren in einem westlichen Land einmal ein Flugzeug bestieg, musste indirekt Bekanntschaft mit dem 1982 in Saudiarabien geborenen Mann machen: Er gilt als Mastermind hinter einer Serie von Anschlagsversuchen des Terrornetzwerks al-Qaida auf die zivile Luftfahrt. Einer erneuten Katastrophe wie jener vom 11. September 2001 entging die Welt nur knapp, weil die Zündvorrichtungen der Sprengsätze versagten – nicht weil die Geheimdienste die Pläne rechtzeitig aufgedeckt hätten.

Die ausgefuchsten Bombenkonstruktionen al-Asiris führten aber dazu, dass die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen drastisch verschärften. Seinetwegen gibt es das Verbot, Flüssigkeiten mit an Bord zu nehmen, er löste den zeitweiligen Laptop-Bann auf Flügen vom Nahen Osten oder von Europa in die USA und nach Grossbritannien aus. Seit dem Jahr 2007 war der ehemalige Chemiestudent der Chef-Bombenbauer von al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel. Geheimdienstler halten den Ableger im Jemen für die gefährlichste Filiale des Terrornetzwerks, wenn es um Anschläge gegen Ziele im Westen geht.

Nun verdichten sich die Informationen, dass er beim Angriff einer US-Drohne im Jemen in der zweiten Jahreshälfte 2017 getötet worden ist. Zuerst wurde die Information in einem UNO-Bericht publik, inzwischen bestätigten jemenitische Stammesleute aus der Provinz Marib und Regierungsmitarbeiter dies, ebenso mehrere Regierungsquellen in den USA. Dort warnten allerdings andere Geheimdienstler, die Hinweise seien nicht eindeutig. Eine Bestätigung durch al-Qaida gibt es bislang nicht. Das Terrornetzwerk ehrt getötete Kader mit offiziellen Nachrufen, die zumindest als starker Hinweis darauf gelten, dass eine Todesmeldung zutreffend ist. Manchmal veröffentlichen die Jihadisten diese aber erst Monate später. Al-Asiri hatte zuvor schon mehrere Drohnenangriffe überlebt.

Sprengstoff in der Unterhose

Er war aus Sicht der US-Terrorabwehr seit Jahren einer der gefährlichsten Männer überhaupt. Fünf Millionen Dollar waren für Informationen ausgesetzt, die es erlauben, ihn ausfindig zu machen. Gefürchtet war sein Einfallsreichtum bei der Entwicklung von Sprengstoff und Zündern, die geläufige Detektoren und Scanner an Flughäfen nicht aufspüren können. Im August 2009 versuchte sein Bruder Abdullah, mit einem Selbstmordattentat den damaligen saudischen Innenminister zu töten. Umstritten ist unter Sicherheitsexperten bis heute, ob er die von seinem Bruder gebaute Bombe in der Unterhose trug oder gar in seinem Hintern versteckt hatte. Der Politiker überlebte verletzt.

Nur Monate später versuchte der Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab, sich in einer US-Passagiermaschine mit 290 Menschen an Bord im Anflug auf Detroit in die Luft zu sprengen. Er wurde als Unterhosenbomber bekannt; das Sprengstoffgemisch zündete nicht. Aber die flüssigen und pulverförmigen Ausgangsstoffe waren bei der Sicherheitskontrolle in Amsterdam nicht aufgefallen. Im Jahr darauf gelang es al-Asiri, als Bomben präparierte Laserdrucker mit Ziel USA in Frachtflugzeugen zu platzieren; die Pakete blieben beim Umladen in Doha, Dubai, Köln und im britischen East Midlands unbemerkt. Weder Sprengstoffhunde noch Röntgenscanner oder chemische Analysen von Wischtests schlugen an. Später stellte sich heraus, dass ein Polizeibeamter eine der Bomben unwissentlich entschärft hatte, als er die Kartusche aus dem Drucker nahm. In ihr war der Sprengstoff versteckt.

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