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Der blutigste Angriff seit Monaten

Zehntausende versammelten sich in Jemens Hauptstadt Sanaa zu Protesten gegen das Regime. Die Armee schützte den Präsidentenpalast mit Schüssen in die Menge.

Auch nach dem Rücktritt Salehs gehen die Proteste und die Gewalt weiter: Demonstranten auf einem gepanzerten Fahrzeug übergelaufener Soldaten in Sanaa. (24. November 2011)
Auch nach dem Rücktritt Salehs gehen die Proteste und die Gewalt weiter: Demonstranten auf einem gepanzerten Fahrzeug übergelaufener Soldaten in Sanaa. (24. November 2011)
Reuters
Zu den Gegnern des Regimes übergelaufene Soldaten bewachen einen Demonstrationszug in Sanaa. (24. November 2011)
Zu den Gegnern des Regimes übergelaufene Soldaten bewachen einen Demonstrationszug in Sanaa. (24. November 2011)
Reuters
Auch in anderen Städten tobt der Kampf: Die Strassen von Taiz, einer Stadt im Süden des Landes, wurden ebenfalls mit Steinen blockiert. (4. Juni)
Auch in anderen Städten tobt der Kampf: Die Strassen von Taiz, einer Stadt im Süden des Landes, wurden ebenfalls mit Steinen blockiert. (4. Juni)
Reuters
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Jemenitische Regierungstruppen haben heute Sonntag das Feuer auf zehntausende Demonstranten in der Hauptstadt Sanaa eröffnet und Augenzeugenberichten zufolge mindestens 26 Menschen getötet. Dutzende weitere wurden verletzt.

Der Angriff war der blutigste auf Demonstranten im Jemen seit Monaten. Wie Augenzeugen sagten, versammelten sich mehr als 100'000 Menschen um das Gebäude des staatlichen Fernsehsenders und Regierungsgebäude, um gegen die Regierung von Präsident Ali Abdullah Saleh zu protestieren. Sicherheitskräfte hätten das Feuer eröffnet, als die Menschenmenge versucht habe, in Richtung des nahegelegenen Präsidentenpalastes zu marschieren, hiess es.

Scharfschützen auf Dächern

Auch Scharfschützen des Regimes, die auf Dächern stationiert waren, hätten auf die Menge geschossen. Saleh-Anhänger in Zivil hätten die Demonstranten mit Gewehren, Schwertern und Schlagstöcken angegriffen. Ein Sprecher der Opposition, Mohammed al-Sabri, sagte, der friedliche Protest sei mit «schweren Waffen und Flugabwehrgeschützen» konfrontiert worden. Die Proteste würden kein Ende nehmen, kündigte er an.

Ein Arzt in einem Spital in Sanaa sagte, 26 Demonstranten seien erschossen und mehr als 200 weitere verletzt worden. 25 der verletzten Demonstranten befänden sich in kritischem Zustand. Sicherheitskräfte hätten Rettungswagen davon abgehalten, die Verletzten in Sicherheit zu bringen und die Leichen getöteter Demonstranten einzusammeln.

Strassenschlachten

Steine werfende Demonstranten durchbrachen Reihen von Sicherheitskräften und bewegten sich auf einen anderen Palast im Zentrum von Sanaa zu. Dadurch entwickelten sich die Zusammenstösse mit den Sicherheitskräften zu Strassenschlachten.

Die staatliche Nachrichtenagentur Saba zitierte einen Sicherheitsbeamten, der die Muslimbruderschaft für «unerlaubte Proteste» nahe der Universität von Sanaa verantwortlich machte. «Die Miliz warf Brandbomben auf ein Elektrizitätswerk», sagte er. Dadurch sei das Gebäude in Brand gesetzt worden.

Auch in zahlreichen anderen Städten im Jemen kam es am Sonntag zu Protesten, unter anderem in Tais, Saada, Ibb und Damar. Saleh hat sich ungeachtet der Forderungen nach seinem Rücktritt bislang geweigert, ein Abkommen für eine Machtübergabe zu unterzeichnen. Er ist derzeit in Saudiarabien, wo er nach einem Raketenangriff auf seinen Palast im Juni behandelt wurde.

Tausende Demonstranten stürmten zu Beginn des Studienjahres am Samstag auch die grösste Universität des Landes. Sie verbarrikadierten Verwaltungsgebäude und rissen Bilder von Präsident Saleh von den Wänden. «Kein Studieren und kein Unterrichten, bis der Präsident weg ist», riefen die Demonstranten, als sie auf den Campus der Universität von Sanaa marschierten.

Viertel unter Beschuss

Unterdessen nahmen Regierungstruppen den dritten Tag in Folge ein Viertel von Sanaa unter Beschuss, das seit Monaten von einem regierungsfeindlichen Stammesführer und seinen bewaffneten Anhängern kontrolliert wird.

Scheich Sadek al-Ahmar sagte, seine Kämpfer hätten das Feuer am Sonntag nicht erwidert. Er wolle Präsident Saleh keinen Vorwand geben, ein Abkommen für einen Machttransfer nicht zu unterzeichnen, erklärte al-Ahmar.

SDA/ami

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