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Das Rote Kreuz erreicht die «Geisterstadt»

Die Kämpfe um die südjemenitische Hafenstadt Aden haben eine humanitäre Krise ausgelöst. Auch Bewohner der Hauptstadt Sanaa leiden. Der UN-Sicherheitsrat hat eine Sitzung verschoben.

Tod und Zerstörung: Ein Auto in einem verwüsteten Stadtteil der jemenitischen Hafenstadt Aden. (3. April 2015)
Tod und Zerstörung: Ein Auto in einem verwüsteten Stadtteil der jemenitischen Hafenstadt Aden. (3. April 2015)
AFP

Im Jemen kämpfen die Huthi-Rebellen aus dem Norden, die einer schiitischen Sekte angehören, gegen Regierungstruppen und Anhänger des geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Auf der Seite der Huthis stehen beträchtliche Teile der Armee, die dem 2012 zum Abgang gezwungenen Präsidenten Ali Abdullah Saleh treu geblieben sind.

Präsident Hadi war nach Aden geflohen, nachdem die Huthi-Rebellen und die Truppen Salehs im Februar die Hauptstadt Sanaa vollständig unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Als die Huthis Mitte März auf die südliche Hafenstadt vorrückten, floh Hadi weiter nach Saudiarabien und bat das Königreich um militärische Unterstützung. Saudiarabien und verbündete arabische Staaten begannen daraufhin am 26. März, Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen zu fliegen.

Mehr als 500 getötete Zivilisten

Saudiarabien sieht in der Miliz der schiitischen Sekte einen «Klienten» des Iran, der auf diese Weise die Kontrolle über den Hinterhof des sunnitischen Königreichs übernehmen wolle. Experten halten diese Einschätzung für übertrieben. Teheran unterstütze die Huthis möglicherweise finanziell, habe aber – anders als im Falle der Hizbollah im Libanon oder der schiitischen Milizen im Irak – keinen operativen Einfluss auf sie.

Mitte letzter Woche hatten die Huthis Aden fast vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Gegen Wochenende gelang es örtlichen Milizen, die den geflohenen Präsidenten Hadi unterstützen, die Angreifer mit Hilfe der saudiarabischen Luftangriffe zurückzuschlagen. Am Sonntag drangen die Huthis jedoch erneut in Gebiete im Zentrum von Aden vor. Die Kämpfe am Boden und die Luftangriffe fordern viele zivile Opfer. Die UNO geht von mehr als 500 getöteten Zivilisten in den letzten zwei Wochen aus.

Sicherheitsrats-Sitzung vertagt

Der UNO-Sicherheitsrat trat am Samstag in New York zu einer dringlichen Sitzung zusammen, um den russischen Vorschlag einer humanitären Feuerpause zu erörtern. Das Gremium vertagte sich auf Montagabend, um Bedenkzeit zu gewinnen.

Konvois des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) erreichten am Montag erstmals Aden, wie der Leiter der IKRK-Operationen in Nahost, Robert Mardini, mitteilte. Spitäler in den Stadtteilen Kraitar und Mualla erhielten dringend benötigte Medikamente und Hilfsgüter.

«Aden ist eine Geisterstadt», schrieb Mardini im Kurznachrichtendienst Twitter. «Die Einwohner sind nirgendwo zu sehen, und das Ausmass der Zerstörung der Stadt wird immer offensichtlicher.»

Bei einem saudiarabischen Luftangriff gegen Ziele in Sanaa wurden am Samstag zehn Menschen getötet, zum Grossteil Angehörige einer einzigen Familie. Dutzende weitere erlitten Verletzungen, wie Anwohner im Vorort Hadschar Akasch berichteten. Das Bombardement hatte einem nahen Camp der Huthi-Rebellen gegolten. Eine Luft-Boden-Rakete verfehlte jedoch ihr Ziel und schlug in dem Wohngebiet ein, wie es hiess.

Al-Qaida-Ableger erstarkt

Im Windschatten des Konflikts zwischen den Huthis und den Hadi-Loyalisten gewinnt der jemenitische Ableger von al-Qaida (AQAP) in den südöstlichen Landesteilen Oberwasser. Milizen des Terrornetzes eroberten am letzten Freitag die Hafenstadt Mukalla.

Bilder, die über Twitter verbreitet wurden, zeigten den örtlichen al-Qaida-Führer Chalid Batarfi im Präsidentenpalast von Mukalla. Die Jihadisten hatten Batarfi bei der Eroberung der Stadt aus dem Zentralgefängnis befreit, in dem er inhaftiert gewesen war.

SDA/rar

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