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«Das ist Stammesdenken»

Strategieexperte Albert A. Stahel sieht in der Tötung von Muammar al-Ghadhafi ein Sinnbild für den Zustand Libyens. Das Land befinde sich in einem Stadium wie vor 2000 Jahren.

«Die klassische Blutrache»: Rebellen feiern den Tod Ghadhafis.
«Die klassische Blutrache»: Rebellen feiern den Tod Ghadhafis.
AFP

Herr Stahel, was denken Sie über die Art, wie die Rebellen Muammar al-Ghadhafi töteten? Sie haben ihn niedergemetzelt. Nach dem, was ich in dem Video sehen konnte, das das arabische Fernsehen zeigte, war das typische Blutrache. Jener, der ihm ein Ende bereitete, hatte vielleicht Verwandte, die durch Ghadhafi umkamen. Da hat er sich gerächt. Das ist Stammesdenken.

Man erhielt den Eindruck, die Rebellenarmee sei nicht organisiert. Die Tötung Ghadhafis zeigt den Zustand dieses Landes. Das sind Stämme, die nach Stammesrecht leben. Archaisch wie unsere eigenen Vorfahren vor 2000 Jahren.

Mit der Tötung haben die Rebellen sich doch auf die gleiche Stufe gestellt wie der für seine Brutalität bekannte Ghadhafi. Er kommt doch selbst aus dieser Tradition: Er hat die Macht mit einer Revolution ergriffen, jetzt hat die Revolution ihn getötet.

Mit dem Tod hat man ihm eine faire Strafe erspart. Das sagen gewisse Exponenten an der libyschen Spitze. Die unten denken anders. Sicher wäre es sinnvoller gewesen, man hätte ihn vor ein Gericht gestellt.

Sind die Rebellen in dieser Verfassung bereit für eine verantwortungsvolle Machtübernahme? Die Libyer, die wir am Fernsehen sehen, sind eine kleine Minderheit, darunter ist die Stammesgesellschaft, die Ghadhafi den Hals durchgeschnitten hat. Wie kann man diese Stammesleute dazu bringen, auf ihre Autonomie zu verzichten zugunsten eines modernen Staates? Das wird ein mühsamer Prozess sein.

Wie ist Ihre Einschätzung? Es ist schwierig einzuschätzen, ob es gelingen wird. Es wird jedenfalls einen grossen Aufwand bedeuten, auch finanziell. Doch die Bildung eines modernen Staates in Libyen ist auch in unserem Interesse.

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