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Dank PR-Spezialisten zu jedermanns Sohn

Das Schicksal des jungen Soldaten Gilad Shalit beschäftigt die Welt und bewegt ganz Israel. Dies ist vor allem dem Engagement seiner Eltern zu verdanken – und einer geschickten PR-Maschinerie.

Sein Schicksal beschäftigt ein Land: Kartonfiguren von Gilad Shalit.
Sein Schicksal beschäftigt ein Land: Kartonfiguren von Gilad Shalit.
Keystone
Ein erster Schritt in die Freiheit: Ein palästinensischer Häftling auf dem Transport zum Ketziot-Gefängnis. (16. Oktober 2011)
Ein erster Schritt in die Freiheit: Ein palästinensischer Häftling auf dem Transport zum Ketziot-Gefängnis. (16. Oktober 2011)
Reuters
Vor seiner Entführung durch die Hamas: Gilad Shalit auf einem undatierten Foto.
Vor seiner Entführung durch die Hamas: Gilad Shalit auf einem undatierten Foto.
Keystone
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Fotos, Plakate, Aufkleber, Fahnen, Fernsehanzeigen. Im ganzen Land erinnerten Bilder von Gilad Shalit. Als der Soldat vor fünf Jahren verschleppt wurde, war er einer von vielen Unbekannten an der Front. Jetzt hat Gilad ein Gesicht, sein Schicksal bewegt ganz Israel, dank des rastlosen Einsatzes von Familie, Freunden – und PR-Spezialisten.

Vor allem die Eltern Noam und Aviva hätten mit ihrem verzweifelten Engagement die Politik bewegt, schrieb der Kolumnist Nehemia Schtrasler in der Zeitung «Haaretz». Sie bauten ein Zelt vor der Residenz des Ministerpräsidenten auf, zählten öffentlich die Tage der Gefangenschaft ihres Sohnes. «Ohne das Zelt, das (Ministerpräsident Benjamin Netanyahu) keine Ruhe liess, ohne die elegante Aufdringlichkeit von Noam und Aviva Shalit, die ihren Urlaub auf dem Bürgersteig in der Nähe seines Hauses verbrachten, und ohne die Demonstrationen zehntausender Israelis wäre Gilad Shalit noch immer in einem Keller in Gaza», resümierte Shctrasler.

Soziale Internet-Netzwerke genutzt

Hilfe suchten sich die Shalits 2007 bei der PR-Agentur Rimon Cohen Scheinkman in Tel Aviv. Die setzte alles daran, eine wirkungsvolle Botschaft für die Kampagne zur Befreiung von Gilad Shalit zu entwickeln: «Diese Botschaft lautete, dass Gilad jedermanns Sohn ist», erklärt Benny Cohen. Dank der Veränderungen in der Medienlandschaft und dem Wachsen sozialer Netzwerke im Internet habe die Kampagne grössere Wirkung entfalten können als frühere Einsätze für entführte Soldaten. Mehrere Facebook-Seiten entstanden, die grösste davon mit mehr als 200'000 Anhängern.

Finanzspritzen kamen durch Spenden, Cohen und Partner sowie weitere Agenturen stellten ihre Dienste unentgeltlich zur Verfügung. Auch mehrere Stars setzten sich publikumswirksam für Gilad ein: Popsänger Aviv Geffen schrieb ein Lied für den verschleppten Soldaten, das Philharmonische Orchester erinnerte mit einem Konzert an der Grenze zum Gazastreifen an den jungen Israeli.

Am Ende war es wohl die Mischung aus Publicity und einer neuen Flexibilität in den Beziehungen zwischen Israel und der Hamas, die das Abkommen zu dem für (den morgigen Dienstag) geplanten Gefangenenaustausch möglich machten. Im Gegenzug für die Freilassung von 1027 palästinensischen Häftlingen soll Gilad Shalit nach fünf Jahren in den Händen der Hamas zu seinen Eltern zurückkehren.

dapd/kpn

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