China, Afrikas Bankomat

Peking verspricht am China-Afrika-Gipfel weitere Milliardeninvestitionen – und baut damit seine Dominanz auf dem Kontinent aus.

Umschwärmt von allen: Der chinesische Präsident Xi Jinping (Mitte) beim Gipfel inmitten afrikanischer Regierungschefs.

Umschwärmt von allen: Der chinesische Präsident Xi Jinping (Mitte) beim Gipfel inmitten afrikanischer Regierungschefs. Bild: Keystone

Heute findet in Peking der China-Afrika-Gipfel statt. Rund 50 afrikanische Staatschefs fast aller Länder des Kontinents nehmen daran teil. Denn es geht um wichtige Beziehungen und Geld – viel Geld. China ist inzwischen der wichtigste Handelspartner Afrikas und hat sein Engagement im Gegensatz zu den USA in den letzten Jahren stetig ausgebaut.

Seit 2002 hat sich das Handelsvolumen zwischen China und afrikanischen Staaten mehr als verzehnfacht: von gerade einmal 12 auf 136 Milliarden US-Dollar. Das zeigen Zahlen der China Africa Research Initiative der renommierten Johns Hopkins University. Nach einem vorübergehenden Rückgang zieht der Handel seit 2016 wieder an.

Zuletzt betrug das Volumen gar 170 Milliarden. Damit hat China sowohl die USA als auch die alte Kolonialmacht Frankreich als wichtigste Handelspartner des Kontinents weit hinter sich gelassen.

Schon lange unterhält es wirtschaftliche Beziehungen zu den meisten afrikanischen Ländern, besonders aber zu Angola und Südafrika. Zwischen 1992 und 2016 hat China Waren im Wert von fast 375 Milliarden nach Südafrika exportiert und von dort importiert.

Zudem investiert China seit Jahren massiv in die Infrastruktur und die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents. Nichts hat Afrika seit der Jahrtausendwende mehr verändert als das Vorrücken Pekings.

Die ausländischen Direktinvestitionen der chinesischen Regierung, mit denen nicht nur Kapital, sondern Wissen und Technologie nach Afrika gelangen, sind seit 2002 explodiert. Allein 2016 betrugen sie nach Angaben der UNO über 36 Milliarden. Gleichzeitig stiegen auch die Darlehen kontinuierlich an, die von China nach Afrika fliessen.

China finanziert und baut quer durch Afrika Strassen, Zugstrecken, Flughäfen, Stadien, Einkaufszentren sowie die Wohn- und Amtssitze vieler Präsidenten. Auch in Fabriken und Raffinerien fliessen viele Investitionen.

In Sambia, Äthiopien, Gabun, Kamerun und Ghana sind mit chinesischer Hilfe Staudämme entstanden. Am meisten Kredite flossen seit dem Jahr 2000 aber nach Angola, in erster Linie für den Bau und Ausbau von Minen sowie für Transportprojekte.

Verschiedene Megaprojekte sollen Chinas Dominanz auf dem Kontinent festigen. So sind beispielsweise zwei neue, 13,8 Milliarden teure Eisenbahnstrecken durch Kenia, Uganda, Ruanda, Burundi und den Südsudan geplant. Chinesische Investoren finanzieren sogar ganze Städte, wie Angolas fast neun Quadratkilometer grosse Nova Cidade de Kilamba. In Südafrika soll mit rund 8 Milliarden US-Dollar in der Nähe der Wirtschaftsmetropole Johannesburg ein «New York von Afrika» entstehen, das über die nächsten 15 Jahre 200’000 Jobs schafft.

«Wir begrüssen Afrika im Expresszug der chinesischen Entwicklung.»Xi Jinping, Präsident Chinas

Der China-Afrika-Gipfel soll diesen Plänen neuen Schub geben. Auch vor dem Hintergrund des sich zuspitzenden Handelsstreits mit den USA hofft Peking auf einträgliche Geschäfte mit afrikanischen Partnern. Es hat dem Kontinent deshalb weitere milliardenschwere Kredite und Investitionen zugesagt: Chinesische Unternehmen und Staatsbanken werden in den nächsten Jahren zusätzlich 60 Milliarden US-Dollar in Form von Krediten und Investitionen bereitstellen.

Auch sollen einigen besonders armen Staaten Schulden gestrichen werden. Das kündigte der chinesische Präsident Xi Jinping zum Auftakt des Gipfels an. «Wir begrüssen Afrika im Expresszug der chinesischen Entwicklung», sagte er vor den versammelten Staats- und Regierungschefs aus afrikanischen Ländern in Pekings Grosser Halle des Volkes.

Ausbau der «neuen Seidenstrasse»

Mit dieser grossen Finanzspritze will China auch seinem Projekt der «neuen Seidenstrasse» Auftrieb geben. Vor fünf Jahren leitete Xi Jinping den Bau der Belt-and-Road-Initiative ein, mit der neue Wirtschaftskorridore von China nach Südostasien, Europa und Afrika entstehen sollen. Zur historischen Seidenstrasse über den Landweg kommt neu auch eine Handelsroute über die Meere hinzu.

Peking wirbt damit, dass durch chinesische Kredite Jobs und Wachstum angekurbelt würden. Kritiker mahnen dagegen, dass die Projekte zu einer Schuldenfalle für beteiligte Staaten werden könnten, die so abhängiger von China würden.

Mit einem Volumen von bis zu 1 Billion US-Dollar (1’000’000’000’000) wollen die Chinesen für ihre Belt-and-Road-Initiative so viel Geld lockermachen, wie seit dem Marshall-Plan international nicht mehr geflossen ist. Das Projekt ist wie ein Grossteil des chinesischen Engagements in Afrika wirtschaftlich motiviert.

Doch China geht es bei seinem Engagement nicht mehr nur um die Sicherung von Rohstoffen. Als Antwort auf die steigenden Lohnkosten in der Heimat verlagern chinesische Firmen Teile ihre Produktion in afrikanische Länder. Nach Schätzungen der Unternehmensberatung McKinsey sind inzwischen mehr als 10’000 chinesische Firmen in Afrika tätig und beschäftigen dort mehrere Millionen Personen. Die wachsende afrikanische Mittelschicht rückt für die Chinesen auch als Absatzmarkt immer mehr in den Fokus.

Auch geopolitische Gründe

Auch spielen geopolitische Aspekte eine zunehmend wichtige Rolle. Im vergangenen Jahr eröffnete China seinen ersten Stützpunkt im Ausland seit Ende des Koreakriegs: Die Marinebasis in Djibouti am Horn von Afrika. Der Stützpunkt am Zugang zum Suezkanal wurde vor allem zum Schutz von Handelsschiffen am (neuerdings wieder vermehrt von Piraterie geplagten) Horn von Afrika aufgebaut.

Über neue Militärkooperationen sichert die chinesische Regierung zudem ihre Wirtschaftsinteressen auf dem Kontinent wie auch ihre Seewege. Erst im Juli richtete Peking zur Vorbereitung auf den China-Afrika-Gipfel kommende Woche ein Militärforum mit afrikanischen Staaten aus. Beobachter erwarten, dass China in Zukunft in Afrika in noch grösserem Umfang als Waffenlieferant und Ausbilder für das Militär afrikanischer Staaten agieren wird. Seit 2008 sind laut dem Zentrum für strategische und internationale Studien (CSIS) rund 21 Prozent aller chinesischen Waffenausfuhren weltweit nach Afrika geflossen.

«Afrika hat davon absolut keinen Gewinn.»William Gumede, Politologe

Gleichzeitig versucht China, sein Image zu verbessern. Zum Beispiel, indem es zuletzt Zehntausende Stipendien an Afrikaner verliehen hat. Vor zwei Jahren gingen erstmals mehr afrikanische Studenten nach China als nach Grossbritannien oder Amerika, den traditionellen ausländischen Studienorten. Dieses Vorgehen scheint sich allmählich auszuzahlen. So hat der Umfragedienst Afrobarometer ermittelt, dass rund zwei Drittel der Menschen in 36 afrikanischen Ländern China einen «guten Einfluss» zubilligen.

Bei den Regierungschefs kommt die Unterstützung aus China ohnehin gut an. «Viele afrikanische Führer begrüssen Pekings Engagement als eine Alternative zu dem, was sie als halbherzige Ansätze der Vereinigten Staaten und Europas betrachten», schrieb Sabine Mokry vom China-Institut Merics in einer Analyse anlässlich des Gipfels. «Der Weg des chinesischen Volkes ist eine Botschaft der Hoffnung, die klarmacht: Unterentwicklung ist kein Schicksal», sagte Senegals Präsident Macky Sall im Juli beim Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping.

Es gibt aber durchaus auch kritische Stimmen, die von einer «neokolonialen Eroberung» Afrikas durch China sprechen. Peking habe keine Scheu, mit Autokraten zu arbeiten, solange es sich Zugang zu Afrikas Bodenschätzen sichern könne, sagt zum Beispiel der südafrikanische Wirtschaftsexperte und Politologe William Gumede. Der Handel zwischen China und Afrika sei einseitig. «Afrikaner haben in China kaum neue Verträge gewonnen. Afrika hat davon absolut keinen Gewinn», meint Gumede.

*Mit Material der SDA (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.09.2018, 16:57 Uhr

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