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Nur ein Bruchteil der russischen Angriffe in Syrien gilt dem IS

Die russischen Luftangriffe richten sich meist gegen Zivilisten und Oppositionskämpfer. Zudem kann die UNO nicht mehr wie geplant humanitäre Hilfe leisten.

Russland greift mit Raketen vom U-Boot Rostow am Don in den Konflikt in Syrien ein. (9. Dezember 2015)
Russland greift mit Raketen vom U-Boot Rostow am Don in den Konflikt in Syrien ein. (9. Dezember 2015)
AFP
Das U-Boot Rostow am Don wurde ins Mittelmeer verlegt. (Archivbild)
Das U-Boot Rostow am Don wurde ins Mittelmeer verlegt. (Archivbild)
Anatoly Maltsev, Keystone
Zerstörung in Talbiseh nach einem russischen Luftangriff. (30. September 2015)
Zerstörung in Talbiseh nach einem russischen Luftangriff. (30. September 2015)
Syrischer Zivilschutz, Keystone
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Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon sagte der Zeitung «The Sun» vom Samstag, nur fünf Prozent der russischen Attacken hätten Ziele des IS ins Visier genommen. «Wir analysieren die Angriffe jeden Morgen», sagte Fallon der Zeitung. «Die grosse Mehrheit richtet sich nicht gegen den IS.»

Stattdessen greife die russische Luftwaffe vor allem Gebiete an, in denen Zivilisten lebten und nehme Kämpfer der Freien Syrischen Armee ins Visier. Die moderate Opposition kämpft gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Mit dem Einsatz Russlands werde die syrische Führung gestärkt und das Leiden der Bevölkerung verlängert, beklagte der britische Minister.

Fallon sprach sich zudem dafür aus, dass sich auch Grossbritannien an Luftangriffen gegen den IS in Syrien beteiligt - bislang tut das Land dies nur im Irak. Es sei «moralisch falsch», die Miliz in Syrien nicht zu bekämpfen. Die Arbeit dürfe London nicht «der französischen, der australischen und der US-Luftwaffe überlassen».

US-Hilfe für Rebellen

Russland fliegt seit Mittwoch Luftangriffe in Syrien. Nach russischen Angaben richten sich die Angriffe gegen die Milizen IS und Al-Nusra-Front sowie gegen andere «Terroristengruppen». Westliche und arabische Staaten werfen Moskau vor, auch gemässigte Rebellengruppen zu bombardieren. Demnach dienen die Angriffe weniger dem Kampf gegen die Jihadisten als der Unterstützung von Assad.

Die USA erwägen, gemässigte Rebellen in Syrien mit weiteren Hilfen zu unterstützen. US-Regierungsvertreter sagten, hierbei könne es sich um Ausrüstung handeln, auch um Waffen. Zudem seien Luftschläge denkbar. Ziel wäre es, IS-Kämpfer aus Regionen im Norden Syriens, nahe der Grenze zur Türkei, zu vertreiben. Tausende Rebellen könnten von den US-Hilfen profitieren.

US-Präsident Barack Obama kritisierte den russischen Einsatz gegen die gemässigte Opposition. Er treibe die Rebellen in den Untergrund oder erzeuge eine Situation, in der sie geschwächt würden, was den IS stärke, sagte Obama. Er nannte den russisch-iranischen Ansatz zur Lösung des verheerenden Bürgerkriegs «ein Rezept für eine Katastrophe». Gleichzeitig betonte er, es werde in Syrien keinen Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland geben.

Humanitäre Hilfe eingestellt

Die Vereinten Nationen beklagen derweil, sie könnten in Syrien nicht wie geplant humanitäre Hilfe leisten. Eigentlich war vereinbart, Verletzte aus mehreren Regionen des Bürgerkriegslandes zu evakuieren. Der Plan wurde unterstützt vom Iran und der Türkei.

Er liege nun aber wegen «verstärkter militärischer Aktivitäten» auf Eis, sagte eine Uno-Sprecherin am Freitag. Einen direkten Hinweis auf die jüngsten Luftangriffe Russlands in Syrien gab es nicht. Ein Insider sagte der Nachrichtenagentur Reuters jedoch, das russische Eingreifen gefährde die Uno-Hilfen.

Eine Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz sagte, die Versuche zur Evakuierung Verletzter seien ausgesetzt worden. Sie könnten aber wieder aufgenommen werden, sollte die Situation vor Ort dies zulassen.

SDA/hae

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