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Boko Haram attackiert nigerianische Grossstadt

Laut Augenzeugenberichten sollen Kämpfer der Islamistenmiliz in den 250'000-Einwohner-Ort Gombe eingefallen sein. Unterdessen riss eine junge Selbstmordattentöterin 16 Menschen mit in den Tod.

«Die ganze Stadt ist in Panik»: Soldaten in Gombe. (30. Januar 2015)
«Die ganze Stadt ist in Panik»: Soldaten in Gombe. (30. Januar 2015)
Reuters

Boko Haram hat ihre Offensive fortgesetzt und ist in eine weitere Stadt im Nordosten Nigerias eingefallen. Präsident Goodluck Jonathan bat die USA um Militärhilfe, stiess damit in Washington aber auf Ablehnung.

Wie Einwohner der Nachrichtenagentur AFP berichteten, drangen hunderte Boko-Haram-Kämpfer auf Geländewagen und Motorrädern bis ins Zentrum der Regionalhauptstadt Gombe vor, bevor sie sich wieder zurückzogen. Auf Flugblättern rief Boko Haram bei dem Angriff auf die Stadt zum Boykott der Präsidentschafts- und Parlamentswahl auf, die ursprünglich gestern stattfinden sollte, wegen der Gewalt aber auf Ende März verschoben wurde.

Die Armee leistete keinen Widerstand, wie Bewohner berichteten. Ein Kampfflugzeug sei zwar über Gombe gekreist, habe aber nicht eingegriffen, berichtete der Augenzeuge Kabiru Na-Gwandu.

Rechtzeitig gewarnt

Laut dem Augenzeugen wurden die Einwohner vor dem Angriff gewarnt, so dass sich viele rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Nach dem Einmarsch der Jihadisten rief der Gouverneur von Gombe, Ibrahim Dankwambo, eine Ausgangssperre für den gesamten Bundesstaat aus. Die Bewohner wurden aufgefordert, zu Hause zu bleiben, «um die Sicherheitskräfte nicht an ihrer Arbeit zu hindern, wieder für Recht und Ordnung in der Stadt zu sorgen».

Laut einem Einwohner verliessen die Boko-Haram-Kämpfer Gombe am frühen Nachmittag und zogen weiter in Richtung der rund 40 Kilometer entfernten Stadt Dakin-Kowa. Ein anderer Bewohner sagte, Soldaten patrouillierten in Gombe auf den Strassen und schössen in die Luft. «Die Kugeln fliegen in alle Richtungen», sagte der Mann. «Die Soldaten schiessen wahllos herum.» Gombe war bereits mehrfach Ziel von Angriffen der Jihadisten.

Heute wurden zudem bei einem Selbstmordanschlag im Nordosten Nigerias mindestens 16 Menschen getötet und 30 weitere verletzt. Eine Frau habe sich an einer belebten Bushaltestelle in der Stadt Damaturu in die Luft gesprengt, teilte die Polizei mit. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand.

Präsident fordert US-Hilfe

Unterdessen rief Präsident Jonathan die USA auf, militärisch in Nigeria gegen Boko Haram zu intervenieren, wie sie es im Irak und in Syrien gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) getan hätten.

«Kämpfen sie nicht gegen ISIS? Warum können sie nicht auch nach Nigeria kommen?», fragte Jonathan in einem Interview mit dem «Wall Street Journal». «Sie sind unsere Freunde. Wenn Nigeria ein Problem hat, erwarte ich, dass die USA kommen und uns helfen.»

Das US-Verteidigungsministerium lehnte eine militärische Intervention umgehend ab. Es gebe keinerlei Pläne, US-Truppen nach Nigeria zu schicken, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby. Die USA unterstützten jedoch den Aufbau einer multilateralen Truppe gegen Boko Haram.

Nigeria, Kamerun, Niger und der Tschad bauen derzeit eine regionale Eingreiftruppe auf, um der Bedrohung durch die Dschihadistengruppe zu begegnen.

Boko Haram kämpft seit 2009

Die radikalislamische Rebellengruppe kämpft seit 2009 mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Bei Angriffen auf Sicherheitskräfte, Behörden, Kirchen und Schulen tötete Boko Haram mindestens 13'000 Menschen. Inzwischen kontrolliert sie ganze Städte im Nordosten Nigerias.

In den vergangenen Monaten weitete die Gruppe ihre Angriffe zudem auf das Nachbarland Kamerun aus und griff kürzlich erstmals auch eine Grenzstadt im Tschad an.

SDA

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