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Bleich macht krank

Ruanda verbietet Cremes, die die Haut aufhellen und Steroide oder Blei enthalten. Das Verbot stösst auf Kritik.

«Black is beautiful» gefällt dieser Frau in Johannesburg nicht. Foto: AFP
«Black is beautiful» gefällt dieser Frau in Johannesburg nicht. Foto: AFP

Sie heissen «Fair Light», «Diamond White» oder «Whitenicious». Das Versprechen, das schon in den Namen der Pasten, Salben und Pillen steckt: Sie sollen die Haut heller machen, in afrikanischen Ländern finden sie reissenden Absatz. Aber so harmlos, wie sie klingen, sind die Produkte nicht. Manche der Cremes sind gepanscht und enthalten Steroide oder Blei, besonders verbreitet sind Mittel mit Quecksilber. Solche Lotionen und Tabletten seien «unter anderem» ziemlich ungesund, schrieb Ruandas Präsident Paul Kagame kürzlich auf Twitter. Ziemlich ungesund ist ziemlich untertrieben. Die Bleichmittel können schlimmste Verletzungen hervorrufen.

Kagames Land ist nun das nächste, das die gefährlichen Aufheller verbietet. Insgesamt wurden mehr als 1000 Cremes und Pillen auf den Index gesetzt, Polizisten haben bereits grosse Mengen konfisziert. Verbote alleine reichten jedoch nicht, sagt Gesundheitsministerin Diane Gashumba, da die meisten Menschen, die Bleichcremes verwenden, gar nicht wüssten, was sie sich da auf die Haut schmieren. Mehr als 30 Prozent der Anwender leiden unter schweren Folgen, von Verbrennungen bis hin zu Hautkrebs. Manche Cremes führen dazu, dass die Haut dünner wird und reisst. «Wir müssen vor allem auch Aufklärungsarbeit leisten», so Gashumba.

In Senegal und Südafrika benutzen laut Weltgesundheitsorganisation ein Drittel der Frauen solche Produkte zum Aufhellen der Haut; in Togo sind es zwei Drittel und in Nigeria fast 80 Prozent. Vor allem junge Frauen und Mädchen eifern einem zweifelhaften Schönheitsideal nach, das Beauty- und Pflegeproduktefirmen wie Nivea propagieren.

Nivea: Weiss ist rein

«Ich brauche ein Produkt, dem ich wirklich vertrauen kann, um meiner Haut ihre natürliche Schönheit zurückzugeben», erzählt eine schwarze Frau im Fernsehspot, während sie die Creme aufträgt und ihre Haut plötzlich um einen Farbton heller wird. Die Werbekampagne brachte dem deutschen Unternehmen, das im Nahen Osten mit der ähnlich fragwürdigen Zeile «White is purity» warb, Boykottaufrufe aus der ganzen Welt ein.

Auf dem gesamten afrikanischen Kontinent hat es immer wieder Versuche gegeben, die Hautaufheller vom Markt zu nehmen. In Gambia, Uganda, Kenia, der Elfenbeinküste und Ghana sind sie verboten, in Nigeria dürfen zumindest giftige Inhaltsstoffe wie Quecksilber nicht darin verarbeitet werden. Trotzdem sinkt die Nachfrage nicht. In Südafrika etwa, wo in den 1990er-Jahren eines der strengsten Gesetze weltweit verabschiedet wurde, läuft das Geschäft bestens, die Ware kommt auf dem Schmuggelweg aus dem Kongo ins Land.

Koloniales Schönheitsideal

In Ruanda erntet die Regierung für das rigorose Vorgehen im Namen der Gesundheit nun allerdings gemischte Reaktionen. Manche Social-Media-Nutzer werfen Präsident Kagame Bevormundung vor. Einem Weissen würde man ja auch nicht verbieten, sich mit Selbstbräuner einzureiben.

Andere reagieren positiver, loben das Vorgehen der Regierung als einen Schritt gegen koloniale Vorstellungen von Schönheit. Daher fordern nun einige eine Rückbesinnung auf die Ideale einer Bewegung, die in den 1960er-Jahren in den USA ihren Lauf nahm und anschliessend den afrikanischen Kontinent erreichte. Ihre wichtigste Botschaft lautete: «Black is beautiful».

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