«Bin Salman hat ein joviales Verhältnis zu Trump»

Der 31-jährige Mohammed bin Salman ist der neue Kronprinz Saudiarabiens. Wer ist er? Und was ist von ihm zu erwarten? Antworten von Korrespondent Paul-Anton Krüger.

Guter Draht ins Weisse Haus: Der saudische Thronfolger Mohammed bin Salman bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Washington.

Guter Draht ins Weisse Haus: Der saudische Thronfolger Mohammed bin Salman bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Washington.

(Bild: AFP)

Vincenzo Capodici@V_Capodici

Saudiarabiens König Salman hat seine Nachfolge neu geregelt: Der Monarch ernannte seinen Sohn Mohammed bin Salman zum Kronprinzen. Wie überraschend kommt der Entscheid, den bisherigen Kronprinzen Mohammed bin Nayef zu ersetzen?
Die Ernennung von Mohammed bin Salman zum neuen Thronfolger ist von seinem Vater lange und systematisch vorbereitet worden. Schon bei der letzten Kabinettsumbildung war der bisherige Kronprinz, Innenminister Mohammed bin Nayef, de facto entmachtet worden. Überraschend ist allerdings der Zeitpunkt der Ernennung von Prinz Mohammed. Diese erfolgte mitten im Ramadan, wenn normalerweise politisch nicht viel los ist in der Golfregion, und vor allem mitten in der angespannten Lage wegen der Katar-Krise.

Wollte König Salman mit der neuen Thronfolge gerade jetzt ein besonderes aussenpolitisches Zeichen setzen?
Das ist unklar, weil die Entscheidungsprozesse im saudischen Königshaus nicht transparent sind. Der sogenannte Thronrat, der Mohammed bin Salman ernannt hat, wurde laut offizieller Verlautbarung wegen besonderer Umstände zusammengerufen. Ob damit die Konflikte mit Katar oder dem Iran gemeint sind oder irgendwelche Unstimmigkeiten innerhalb der Herrscherfamilie – darüber kann man nur spekulieren.

Mohammed bin Salman ist erst 31 Jahre alt. Damit dürfte er über Jahrzehnte hinweg den politischen Kurs von Saudiarabien bestimmen. Für welche Politik steht er?
Bin Salman hatte schon jetzt einen sehr grossen Einfluss auf seinen Vater und die saudische Politik. Dies spiegelt sich in seinen wichtigen Ämtern. Bin Salman ist und bleibt Verteidigungsminister. Damit ist er verantwortlich für den Krieg im Jemen, wo die Saudis gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen die international anerkannte Regierung an die Macht zurückbringen wollen. In der Aussenpolitik steht bin Salman für den aggressiveren Kurs gegenüber dem Iran und dem Schulterschluss mit den Vereinigten Arabischen Emiraten gegen Katar. Ausserdem amtet bin Salman als Vorsitzender des Rates für Wirtschafts- und Entwicklungsfragen. In dieser Funktion ist er federführend für das gigantische Reformprojekt «Vision 2030», das das saudische Königreich umfassend modernisieren und die Wirtschaft unabhängig vom Erdöl machen soll.

Saudiarabien hat in den letzten Jahren eine selbstbewusste, forsche Aussenpolitik entwickelt. Warum setzen die Saudis zunehmend auf Konfrontation?
Das ist ein Markenzeichen, seit König Salman im Januar 2015 an die Macht gekommen ist. Hintergrund der neuen Aussenpolitik ist der Aufstieg des Iran, mit dem sich die Saudis um regionale Machtansprüche streiten. In den Kriegen in Syrien und im Irak haben die Iraner viel an Einfluss gewonnen, auch im Libanon und im Jemen. Saudiarabien hat lange eine Politik des Abwartens betrieben und versucht, seine Interessen mit viel Geld in der Hand zu befördern. Das Königshaus ist offenbar zu dem Schluss gelangt, dass diese Politik heutzutage nicht mehr funktioniert.

Wie steht der neue Kronprinz bin Salman zu den USA, die traditionell ein wichtiger Verbündeter der Saudis sind?
Bin Salman hat ein joviales Verhältnis mit Donald Trump entwickelt: Das konnte man bei seinem Besuch im Weissen Haus sehen und auch beim Staatsbesuch des US-Präsidenten in Saudiarabien. Anders als viele saudische Prinzen hat bin Salman nicht in den USA studiert. Er macht aber einen souveränen und unbekümmerten Eindruck im Umgang mit Chefs von amerikanischen IT-Konzernen, etwa bei einem Treffen mit Facebook-Chef Mark Zuckerberg, dem er in Jeans und Jacket gegenübersass. Um die Kontrolle über die Beziehungen zu den USA zu erlangen, hat er Prinz Kahlid bin Salman, seinen jüngeren Bruder, als Botschafter in den USA eingesetzt. Zuvor galt der nun abgesetzte Kronprinz und Innenminister, Prinz Mohammed bin Nayef, als Kontaktmann der Amerikaner in Riad.

Mohammed bin Salman ist vom Thronrat mit 31 von 34 Stimmen zum neuen Kronprinzen ernannt worden. Trotzdem: Wie gross ist der Rückhalt des sehr jungen Thronfolgers in der Königsfamilie mit vielen teilweise sehr alten Prinzen?
Spekulationen zufolge hätte die Entmachtung des bisherigen Kronprinzen bin Nayef zu einer Revolte im Königshaus führen können. Dafür gibt es aber derzeit keinerlei Anzeichen. Sicherlich ist es nicht unproblematisch, dass ein so junger Mann wie bin Salman der neue Thronfolger wird. Seniorität gilt gerade in Saudiarabien sehr viel. Zudem sahen die bisherigen Regeln der Thronfolge vor, dass die Enkel des saudischen Staatsgründers Abdul Asis bin Saud erst nach dem Tod aller Söhne an der Reihe sind. Selbst wenn das Königshaus keine Einblicke in sein Innenleben erlaubt, kann man davon ausgehen, dass ältere und sehr konservative Mitglieder der Königsfamilie die neue Politik von bin Salman nicht gutheissen oder zumindest mit Skepsis betrachten.

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