Bericht: Zahlreiche Tote bei Angriff auf Alawitendorf

Bei gezielten Bombenanschlägen auf ein alawitisches Dorf in Syrien sind gemäss einer NGO 125 Menschen getötet oder verletzt worden.

Ein Tag mit zahlreichen zivilen Opfern im Syrienkrieg: Angehörige der Freien Syrischen Armee. (10. Dezember 2012)

Ein Tag mit zahlreichen zivilen Opfern im Syrienkrieg: Angehörige der Freien Syrischen Armee. (10. Dezember 2012)

(Bild: Reuters)

Bei mehreren Bombenanschlägen in einem syrischen Dorf sind heute nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mindestens 125 Menschen getötet oder verletzt worden. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, ereignete sich die Anschlagserie in einem alawitischen Dorf im Zentrum Syriens. Zur religiösen Minderheit der Alawiten gehört auch Syriens Präsident Bashar al-Assad.

Laut dem Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, war zunächst unklar, ob Rebellen hinter den Anschlägen standen. «Aber wenn dies der Fall ist, ist es die grösste Racheaktion der Rebellen» gegen alawitische Zivilisten, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

In der nordsyrischen Provinz Aleppo geraten die Regierungstruppen in immer grössere Bedrängnis. Syrische Rebellen haben eine grosse Kaserne der Regierungstruppen in der Nähe von Aleppo ganz unter ihre Kontrolle gebracht.

Die Kämpfe um die Kaserne seien heute zu Ende gegangen, berichtete die in Grossbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Aufständischen hatten die Scheich-Suleiman-Kaserne vor zwei Tagen angegriffen.

Bei den Kämpfen seien 35 Regierungssoldaten getötet worden. 64 seien verwundet oder gefangen genommen worden, hiess es unter Berufung auf Aktivisten vor Ort. In einem von Kurden bewohnten Viertel der Provinzhauptstadt Aleppo kamen bei einem Mörserangriff laut Aktivisten elf Menschen ums Leben, unter ihnen drei Kinder.

Militärflughafen umstellt

Keine Bestätigung von unabhängiger Seite gab es für Berichte, wonach 50 Soldaten und Offiziere, die auf dem Militärflughafen Minach nahe der türkischen Grenze stationiert waren, desertiert sein sollen. Ein Dissident aus Aleppo berichtete, schwer bewaffnete Rebellen hätten den Flughafen umstellt.

In Damaskus soll es erneut Razzien gegeben haben. Die Regimegegner zählten am Nachmittag landesweit 35 getötete Aktivisten und Zivilisten.

Verbindungen zu Al-Qaida

Zu den Rebellen gehören auch Kämpfer der islamistischen Al-Nusra-Front. Die USA haben diese heute wegen Verbindungen zum Terrornetzwerks Al-Qaida auf die Terrorliste gesetzt. Washington stufte dabei die Gruppe als «ausländische Terrororganisation» ein.

Die USA würden «Terroristen, die sich unter der Flagge einer legitimen Opposition verstecken» ins Visier nehmen, hiess es in einer Erklärung des US-Finanzministeriums. Das Vermögen der Al-Nusra-Front werde eingefroren, US-Bürgern seien Transaktionen mit der Gruppe fortan untersagt. Die Sanktionen richten sich auch direkt gegen zwei führende Mitglieder, Maisar Ali Musa Abdallah al-Dschuburi und Anas Hasan Chattab.

Die extremistische Al-Nusra-Front lehnt die jüngst gebildete Syrische Nationale Koalition als Vertretung der Opposition ab. Sie will die jahrzehntelange Herrschaft des Assad-Clans durch einen streng islamischen Staat ersetzen.

Kurs im Keller

Wie ernst die Lage in Syrien ist, lässt sich auch am Kurs der syrischen Währung ablesen. Während man für einen US-Dollar vor dem Bürgerkrieg 26 syrische Pfund auf den Tisch legen muss, ist der Kurs jetzt auf 87 Pfund pro Dollar gestiegen. Auf dem Schwarzmarkt zahlt man sogar 93 Pfund.

Das Ministerium für Wirtschaft und Handel verhängte diese Woche ein Ausfuhrverbot für 106 Waren und Rohstoffe, darunter Weizen, Zucker, Fleisch und gepanzerte Fahrzeuge.

Über eine halbe Million Flüchtlinge

Mehr als eine halbe Million Syrer sind vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat ins Ausland geflüchtet. Dies teilte das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR heute in Genf mit.

509'559 Syrer haben Zuflucht gefunden in Libanon, in Jordanien, im Irak, in der Türkei und in Nordafrika, vor allem in Ägypten. Die Zahl der Flüchtlinge sei im November pro Tag um 3200 gestiegen. Allein in den letzten zwei Nächten seien über 1000 Syrer nach Jordanien geflohen, teilte das UNHCR mit.

rbi/AFP

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