ABO+

Aufstand gegen die Diebe

Der Westen denkt bei den Unruhen im Iran an die Wut auf die Ayatollahs und an den Schleierzwang. Doch die Menschen dort haben andere Sorgen.

In einem Park im Norden der iranischen Hauptstadt Teheran skaten junge Männer und Frauen. Foto: Nazanin Tabatabaee (Polaris/Laif)

In einem Park im Norden der iranischen Hauptstadt Teheran skaten junge Männer und Frauen. Foto: Nazanin Tabatabaee (Polaris/Laif)

Der einzige Farbklecks an ihrem schwarzen Outfit ist das kleine, pinke Plastikgerät. Die tiefverschleierte junge Frau im Tschador trägt es wie einen Ring am Finger. Sie steht in der Teheraner U-Bahn, murmelt Unverständliches vor sich hin, klickt regelmässig einen der beiden Knöpfe des Plastikgeräts. «Das ist ein Salavat-Zähler», erklärt sie auf meinen erstaunten Blick hin. Salavat ist eine Segensformel, die Muslime aussprechen, wenn sie den Namen des Propheten hören oder aussprechen. Dass jemand in der U-Bahn diesen Segensspruch wie den Rosenkranz herunterbetet, ist ungewöhnlich, neu. Die junge Frau lässt es sich nicht nehmen, mir ihren ­Salavat-Zähler zu schenken.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt