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Arafats Leiche soll aus dem Grab geholt werden

Yassir Arafats Witwe fordert Gewissheit, ob ihr Mann vergiftet wurde. Der heutige Palästinenserpräsident Abbas ist bereit, Arafats Überreste zu exhumieren. Schweizer Forscher haben den Wirbel ausgelöst.

Sie möchte seine sterblichen Überreste autopsieren lassen: Suha und Yassir Arafat im Jahr 2004.
Sie möchte seine sterblichen Überreste autopsieren lassen: Suha und Yassir Arafat im Jahr 2004.
Keystone

Die Leiche von Yassir Arafat soll nach Berichten über eine mutmassliche Vergiftung des ehemaligen Palästinenserführers möglicherweise exhumiert werden. Die palästinensische Führung sei bereit, weitere Tests durchzuführen, um Klarheit über die Umstände von Arafats Tod zu erhalten, teilte das Büro von Präsident Mahmud Abbas mit. Zuvor hatte ein Schweizer Labor erhöhte Werte des radioaktiven Isotops Polonium an Gegenständen aus dem Besitz Arafats gefunden.

Seine Witwe Suha forderte angesichts der Ergebnisse eine Autopsie des Leichnams ihres Mannes. Sie hatte – fast acht Jahre nach Arafats Tod – die Untersuchung der Gegenstände, darunter eine Zahnbürste und eine Pelzmütze in Auftrag gegeben. In einem Beitrag des arabischen Fernsehsenders al-Jazeera, sagte sie nicht, warum sie mit der Untersuchung so lange gewartet hatte. Zum Zeitpunkt von Arafats Tod hatte sie eine Autopsie abgelehnt.

Al-Jazeera hatte in Zusammenarbeit mit Arafats Witwe eine breite Untersuchung der medizinischen Vorgeschichte Arafats und eben möglichen Hinweisen auf eine Vergiftung angestrengt. Diverse Untersuchungsberichte hat der Fernsehsender nun veröffentlicht.

«Kein Beweis für eine Vergiftung»

Dass unter anderem in der Unterwäsche und den Krankenhaushemden Arafats erhöhte Poloniumwerte festgestellt wurden, bedeute nicht automatisch, dass er vergiftet worden sei, sagte François Bochud vom Institut für Strahlenphysik in Lausanne, das die Untersuchung durchgeführt hatte. «Was man sagen kann, ist, dass wir ein unerklärtes Polonium-Niveau haben. Das deutet auf die Hypothese einer Vergiftung hin, aber unsere Ergebnisse sind sicher kein Beweis für eine Vergiftung.»

Bochud erklärte, sein Team habe die Gegenstände untersucht, die Arafat kurz vor seinem Tod in Verwendung gehabt haben soll, aber auch Kleidungsstücke, die er nicht getragen habe. Nach Angaben von Suha Arafat waren die Gegenständige in einem sicheren Raum im Büro ihres Anwalts in Paris untergebracht, bevor sie die Schweizer Wissenschaftler Anfang des Jahres mit der Untersuchung beauftragte.

Zeitpunkt einer möglichen Exhumierung unklar

Arafat starb im November 2004 in einem Militärkrankenhaus bei Paris nach einer massiven Hirnblutung. Wochen zuvor war er in seinem Anwesen im Westjordanland schwer krank geworden. Neben der Regierung und Arafats Frau stimmte auch der hochrangigste Geistliche in den Palästinensergebieten, Mufti Mohammed Hussein, einer Exhumierung zu. Zunächst war aber unklar, ob und wann die Leiche tatsächlich ausgegraben werden würde.

Nach dem Tod Arafats hatten sich in der Arabischen Welt Gerüchte gehalten, dass er von Israel aus dem Weg geräumt worden sei, weil er aus israelischer Sicht die Friedensverhandlungen behinderte. Israel hat dies stets vehement abgestritten.

Polonium, ein Isotop, das auch in der Umwelt vorkommt, wurde zuletzt dadurch einer breiten Öffentlichkeit bekannt, dass auch der frühere KGB-Agent Alexander Litwinenko möglicherweise damit vergiftet wurde.

AFP/mw

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