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Ägypten schiebt Al-Jazeera-Reporter ab

Der inhaftierte australische Journalist Peter Greste wird in sein Heimatland überstellt – dort soll er den Rest seiner siebenjährigen Strafe absitzen. Das Schicksal der beiden anderen Verurteilten bleibt unklar.

War im Juni wegen angeblicher Unterstützung der islamischen Muslimbruderschaft verurteilt worden: Peter Greste im Kongo. (7. August 2013)
War im Juni wegen angeblicher Unterstützung der islamischen Muslimbruderschaft verurteilt worden: Peter Greste im Kongo. (7. August 2013)
Reuters

Nach mehr als einjähriger Haft hat Ägypten den australischen Al-Jazeera-Reporter Peter Greste in sein Heimatland abgeschoben. Dies habe das Präsidialamt angeordnet, sagte ein Vertreter des Innenministeriums in Kairo der Nachrichtenagentur AFP. Die Festnahme und Inhaftierung Grestes und zweier weiterer Kollegen von Al-Jazeera hatte international für Empörung gesorgt. Nach Angaben von Sicherheitskräften flog Greste am Nachmittag an Bord einer Passagiermaschine von Egypt Air in Richtung Zypern. Am Flughafen von Larnaca wurde die Ankunft des 49-Jährigen bestätigt, demnach war sein Bruder Michael mit im Flugzeug.

Der Reporter war im Dezember 2013 festgenommen und im Juni vergangenen Jahres gemeinsam mit seinen Kollegen Baher Mohammed und Mohammed Fahmi, einem Kanadier ägyptischer Abstammung, wegen angeblicher Unterstützung der islamistischen Muslimbruderschaft zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil stiess international auf scharfe Kritik.

«Sofortige und bedingungslose Freilassung»

Der Fernsehsender Al-Jazeera begrüsste Grestes Freilassung. Gleichzeitig erklärte der amtierende Al-Jazeera-Chef Mostefa Suag, er werde nicht ruhen, bis auch Baher Mohammed und Mohammed Fahmi frei seien. Kanadas Aussenminister John Baird erklärte, er hoffe auf eine baldige Haftentlassung Fahmis.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte in einer Erklärung die «sofortige und bedingungslose Freilassung» von Grestes Kollegen. Das internationale Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) verlangte die Freilassung aller in Ägypten inhaftierten Reporter - in seiner jüngsten Zählung vom Dezember war von einem Dutzend Journalisten die Rede.

Mit seiner Abschiebung profitiert Greste von einem im November von Präsident Fattah al-Sisi erlassenen Dekret, wonach inhaftierte Ausländer abgeschoben werden dürfen, um ihre Haftstrafen in ihrem Heimatland abzusitzen. Zwar ist im Falle Grestes und Fahmis kaum damit zu rechnen, doch ermöglicht das Gesetz Ägypten, das Gesicht zu wahren.

Sprachrohr der Regierung?

Die ägyptischen Behörden warfen den Reportern vor, heimlich und ohne Akkreditierung gearbeitet haben. Sie wurden zu sieben und zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Anfang Januar ordnete ein Berufungsgericht ein neues Verfahren gegen die drei Journalisten an. Es weigerte sich aber, sie bis zum neuen Prozess auf Kaution freizulassen, wie ihre Anwälte es gefordert hatten.

Kairo betrachtet Al-Jazeera als Sprachrohr der Regierung in Katar, wo der Sender seinen Sitz hat. Kairo warf Katar vor, die Muslimbrüder zu unterstützen. Die Bewegung selbst wurde in Ägypten nach dem Sturz des aus der Muslimbruderschaft hervorgegangenen Präsidenten Mohammed Mursi als Terrororganisation eingestuft und verboten. Beide Länder haben ihren Streit inzwischen beigelegt, Al-Jazeera seinen arabischsprachigen Sender in Ägypten geschlossen.

Vor seiner Arbeit für das englischsprachige Programm von Al-Jazeera arbeitete Greste für mehrere Medien, darunter für den britischen Sender BBC und die Nachrichtenagentur Reuters.

AFP/AP

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