«Perspektiven»: Propagandakrieg

Israel hat einen neuen Botschafter in Bern. Seine Ansichten reichen von verständlich bis schwer verdaulich.

Yigal Caspi ist Isreals neuer Botschafter in Bern.

Yigal Caspi ist Isreals neuer Botschafter in Bern. Bild: Andreas Blatter

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Neben dem Botschafter der USA und jenem unseres wichtigsten Handelspartners, der EU, hat in Bern kein anderer Diplomat mehr Medienpräsenz als der Gesandte des nahöstlichen Kleinstaates Israel. Diese Tradition setzt dessen neuer Botschafter Yigal Baruch Caspi fort: Kaum zwei Wochen im Amt – schon sind drei Interviews mit ihm erschienen: in der «NZZ am Sonntag», in der «Berner Zeitung» und auf der proisraelischen Propaganda-Website Audiatur-online.ch.

Caspi scheint dabei im Stil eines früheren Vorgängers zu agieren: Aviv Shir-On, der Israel von 2006 bis 2011 in der Schweiz vertrat. Mit dem Unterschied allerdings, dass Shir-On dank deutscher Mutter unsere Sprache beherrschte, die Caspi hingegen völlig fremd ist. Shir-On reiste kreuz und quer durchs Land, besuchte Redaktionen, gab Interviews, schrieb Leitartikel und Leserbriefe. «Als Israeli bin ich nicht objektiv», räumte er mir gegenüber immerhin ein.

Kein schwarzweisses Drama

Das gilt auch für Botschafter Caspi, der auf Audiatur-Online behaupten kann, die israelische Regierung halte die Errichtung von zwei Staaten für zwei Völker für die beste Lösung, um im selben Atemzug zu sagen, die israelischen Siedlungen in den besetzten Gebieten stünden einem Frieden nicht im Weg. Dabei weiss jeder, der Israels Politik über längere Zeit mitverfolgt hat, dass das strategische Ziel vieler rechtsnationaler israelischer Regierungen – zu denen die gegenwärtige gehört – gerade die Verhinderung eines Palästinenserstaates ist. Indem man immer mehr palästinensisches Land zubetoniert, verunmöglicht man zusehends ein zusammenhängendes Staatsgebiet.

Trotzdem eignen sich Israel und seine Diplomaten nicht für eine Schwarzweissdarstellung des nahöstlichen Dramas, wie sie Linke so lieben. Dass Caspi die Schweiz wegen ihrer Kontakte zur palästinensischen Terrororganisation Hamas kritisiert, ist verständlich. Schliesslich hat die Hamas die Vernichtung Israels zum erklärten Ziel. Und dass die Paranoia in Israel eher zu- als abgenommen hat, ist erklärbar: Die ersten mehr oder weniger freien Wahlen im nachrevolutionären Nachbarland Ägypten haben Islamisten und noch radikalere Salafisten gewonnen; die bewaffnete Opposition im andern Nachbarland Syrien geht immer mehr in die Hände radikaler Jihadisten über, und im dritten Nachbarland Libanon vergrössert die radikale Schiitenorganisation Hizbollah laufend ihr politisches Gewicht.

Essentielles Bashing

Dass man von uns ein rabiates Sanktionenregime gegen den Iran wegen dessen atomaren Plänen fordert, während man selber ein Arsenal von Atomwaffen hortet, ist hingegen schon schwerer verdaulich. Aber Iran-Bashing gehört zur Essenz der israelischen Politik. Caspis Vorgänger Ilan Elgar pflegte zwar einen zurückhaltenderen Stil und tat sich vor allem als Organisator gediegener Privatkonzerte hervor. Doch einmal, am 23. September 2008, tauchte auch er auf der Redaktion auf, im Schlepptau einen Professor, der die bevorstehende Bombardierung des Iran ankündigte – etwas verfrüht, wie man heute weiss. (Der Bund)

Erstellt: 04.08.2012, 10:33 Uhr

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