Mit Panzern durch die Nacht

Eskortiert von einem Aufklärungsflugzeug fahren französische Soldaten über Nacht 270 Kilometer nördlich bis in die Stadt Markala. Dort sollen sie eine Spezialeinheit ablösen.

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Mit einsetzender Dunkelheit machen sich die ersten französischen Panzer von der malischen Hauptstadt Bamako aus auf den Weg in Richtung Norden. Sie lassen Massen von begeisterten Maliern zurück, die sie mit Fähnchen in der Hand und «Merci la France»-Rufen begrüsst hatten. Auch für 14 Soldaten, die zuvor an einer französischen Mission im Tschad teilgenommen hatten, beginnt nun die Bodenoffensive in Mali.

Eskortiert von einem Aufklärungsflugzeug, das mit Infrarot-Kameras islamistische Kämpfer in der Nähe aufspüren soll, bewegen sich die Panzer über die staubige Strasse in Richtung der Stadt Markala, 270 Kilometer nördlich von Bamako. Dort sollen sie eine französische Spezialeinheit ablösen und eine strategisch wichtige Brücke über den Fluss Niger sperren, um das weitere Vorrücken der Islamisten zu stoppen.

Flugzeug sichert Strasse

Die Spezialtruppe habe bei der Umorganisation der malischen Streitkräfte geholfen und wolle nun tiefer ins Terrain vordringen, erläutert der Leiter der kleinen Einheit, Leutnant Marc, der nur seinen Vornamen nennen will. Das gepanzerte Fahrzeug namens Cobra, mit dem die Männer unterwegs sind, ist in ständigem Funkkontakt mit dem Flugzeug Pegase, das die Route sichern soll.

«Cobra, hier Pegase», tönt es aus dem Lautsprecher. «Die Strasse ist auf den nächsten zehn Kilometern frei.» In Markala werden Marc und seine Soldaten am frühen Morgen von Kameraden der Spezialeinheit empfangen. Sie haben in einer halbfertigen Fabrik ein Quartier für rund hundert Soldaten eingerichtet.

Die malische Armee ruft bei den Franzosen sarkastische Kommentare hervor: Im malischen Regiment, «wenn man das so nennen will», gebe es nur eine «Handvoll mutiger Soldaten», und auch die hielten einer Attacke der Islamisten nicht länger als eine halbe Stunde stand, meint ein Soldat der französischen Spezialeinheit, der sich «Vasco» nennt.

Frankreichs Arsenal

Für den Militäreinsatz «Serval» in Mali bietet Frankreich derzeit bereits 1700 Soldaten sowie Jagdbomber, Kampfhubschrauber und Panzer auf. Laut Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sind im Moment 800 französische Soldaten in Mali selbst im Einsatz, die anderen von den Nachbarländern oder von Frankreich aus. Die Truppenstärke für diesen Einsatz, die nach der afrikanischen Wildkatze Serval benannt ist, soll nach und nach auf 2500 Mann ausgebaut werden.

Im Einsatz stehen bisher:

Panzer: Eine Kolonne von rund 40 französischen Panzern, die normalerweise in der Elfenbeinküste stationiert sind, traf in der Nacht auf Dienstag in der malischen Hauptstadt Bamako ein. Nach Angaben von Le Drian ist ein Konvoi – rund 30 Panzer – inzwischen auf dem Weg Richtung Norden, der von den Islamisten kontrolliert wird. Zu den gepanzerten Fahrzeugen zählen leichte Radpanzer vom Typ «Sagaie». Bodentruppen sind auch auf dem Weg in die Stadt Diabali, die diese Woche von Islamisten eingenommen wurde.

Infanterie: Bereits seit dem 10. Januar waren einige dutzend französische Soldaten am Flughafen von Sévaré in Zentralmali im Einsatz, der den Franzosen als Stützpunkt dient. Rund 500 Soldaten wurden gleichzeitig in der malischen Hauptstadt Bamako stationiert – Marineinfanteristen und Fremdenlegionäre. Sie sollten zunächst Bamako sichern, französische Landsleute schützen und den Nachschub organisieren. Ein Teil von ihnen wurde nun Richtung Norden geschickt. Darüber hinaus sind Eliteeinheiten an vorderster Front an den Kämpfen beteiligt; die Zahl dieser Spezialkräfte wird nicht angegeben.

Kampfflugzeuge: Es handelt sich vorrangig um vier Kampfflugzeuge vom Typ Rafale, sechs Jagdbomber vom Typ 2000D, zwei Aufklärer F1-CR sowie fünf Tankflugzeuge. Le Drian bestätigte, dass derzeit zwölf Kampfflugzeuge und fünf Tankflugzeuge in Mali im Einsatz seien. Diese Kräfte sind normalerweise im Tschad stationiert. Die Rafale können aber auch direkt von Frankreich aus starten und vor Ort zum Einsatz kommen – das war bereits am Sonntag der Fall, als Ziele im nordmalischen Gao bombardiert wurden. Ziel der Luftangriffe sind vor allem Kommandozentralen, Waffenlager und Nachschubbasen der Islamisten.

Helikopter: Auch Kampfhubschrauber vor allem vom Typ Gazelle, die mit Raketen ausgerüstet sind, waren bereits an den Kämpfen etwa in der Region Konna an der Grenze zwischen dem islamistischen Norden und dem von Regierungstruppen kontrollierten Süden beteiligt. Ihr Einsatz könnte noch verstärkt werden, weil sich ein Teil der Islamisten nach den Luftangriffen auf die Städte im Norden zerstreut und in unwegsame Regionen zurückgezogen hat. Als bisher einziger französischer Soldat kam ein Hubschrauberpilot bei den Kämpfen ums Leben.

Satellit: Ausserdem wurde die Luftaufklärung verstärkt. Ein französisch-italienischer Beobachtungssatellit, Pléiades 1B, ist seit Dezember in seiner Umlaufbahn. (mw/AFP)

Erstellt: 16.01.2013, 22:25 Uhr

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