Israelische Drohungen nach der Eskalation

Nach den Luftangriffen auf syrische Stellungen warnt Israels Premierminister Netanyahu vor weiteren Schlägen – und telefoniert mit Putin und US-Aussenminister Tillerson.

Israel spricht von der «schwersten Verletzung» seiner Souveränität seit Jahren durch eine angeblich iranische Drohne. Video: AFP/Tamedia

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Kurz vor Einbruch der Dunkelheit holen zwei Soldaten am Berg Bental die blaue UN-Flagge ein. Von diesem Wachposten auf dem Golan auf 1165 Metern Höhe haben sie einen weiten Blick nach Syrien, der Ort Kuneitra liegt nur wenige Kilometer entfernt. Es war ein langer Tag mit hoher Anspannung, der mit einem Alarm kurz nach 4.30 Uhr früh begonnen hat. Die Sirenen erschallten in der Region rund um die Golanhöhe und dem Jordantal im Norden Israels. Auch die UN-Soldaten im nahe gelegenen Camp Ziouani wurden aus ihren Betten gerissen.

Ein israelischer Kampfhubschrauber hatte eine iranische Drohne abgeschossen – allerdings rund 90 Kilometer weiter südlich in der Nähe der Grenze zu Jordanien. Das liegt weit von der syrischen Grenze entfernt. Nach israelischen Angaben wurde die Drohne von einer «iranischen Basis» in der Nähe von Palmyra losgeschickt.

Das syrische Militär wies diese Darstellung später zurück und behauptete, dass sich die Drohne auf einer Aufklärungsmission gegen Kämpfer des Islamischen Staats befunden habe und den israelischen Luftraum nicht verletzt habe. Die Israelis erachteten das Eindringen der Drohnen als «Angriff» des Iran. «Das ist die schwerste Verletzung der israelischen Souveränität seit Jahren», sagte Armeesprecher Jonathan Conricus im Gespräch mit Journalisten. «Syrien und Iran spielen mit dem Feuer.»

«Die grösste Attacke gegen Syrien seit 1982»

Nach Angaben des israelischen Militärs, das auch Bilder vom Abschuss veröffentlichte, hatte sich die Drohne davor eineinhalb Minuten in israelischem Luftraum aufgehalten. Nach ersten Untersuchungen teilte Israel mit, dass es sich um eine fortgeschrittene Technik handle, die auf westlicher Technologie basiere. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates im Iran sagte, die israelische Darstellung sei eine Lüge.

Die Reaktion waren mehrere Luftschläge auf zwölf Stellungen in Syrien, darunter seien «drei syrische Luftabwehrsysteme und vier iranische Stellungen». Nach Angaben von Luftwaffenkommandant Tomer Bar war das «die grösste und wichtigste Attacke gegen Syrien seit 1982» – das war während des ersten Libanonkriegs.

Es waren auch die ernstesten militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und dem Nachbarland seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs 2011. Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden sechs syrische Kämpfer getötet. Es gibt auch Meldungen, dass sich iranische Staatsbürger unter den Opfern befinden. Da sich mehrere in einem kritischen Gesundheitszustand befinden, könnte sich die Zahl der Todesopfer noch erhöhen. Die heftigste Angriffswelle erfolgte nach dem Absturz eines israelischen Jets.

Es war den Piloten gelungen, den Jet noch relativ weit auf israelisches Gebiet zu steuern, ehe sie sich mit dem Schleudersitz retteten. Das Flugzeug krachte in eine Wiese neben einem Waldstück bei Harduf, rund 32 Kilometer entfernt. Die Polizei sperrte das Gelände weiträumig ab und schützte die Trümmer mit drei Zelten. Die Wiesen ringsum wurden nach Resten des Jets durchsucht. Die beiden Soldaten wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Sie wurden ins Krankenhaus nach Haifa gebracht.

Nach ersten Erkenntnissen wurde der Jet von einer Explosion einer syrischen Luftabwehrrakete nahe des Jets ausgelöst. Das Flugzeug wurde demnach nicht direkt getroffen, was erklärt, warum es noch relativ weit fliegen konnte, denn die Absturzstelle liegt rund hundert Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Es ist der erste Absturz eines Jets seit 1982.

Netanyahus Telefon mit Assads Verbündetem

Israels Premierminister Benjamin Netanyahu traf sich am Samstag im Militär-Hauptquartier in Tel Aviv mit Verteidigungsminister Avigdor Liebermann und Armeechef Gadi Eizenkot zu Beratungen. Ein Sprecher hatte zuvor erklärt, die Armee sei «bereit für verschiedene Szenarien». Netanyahu hatte bei einem Besuch am Golan am vergangenen Dienstag vor einer Eskalation gewarnt und ebenfalls erklärt, Israel werde sich verteidigen.

Das hat Netanyahu auch in einem Telefongespräch mit Russlands Präsident Wladimir Putin betont. Er habe ihm klar gemacht: «Israel wird sich gegen jegliche Aggression verteidigen und gegen alle Versuche, seine Souveränität zu verletzen. Iran hat einen solchen Versuch heute unternommen.» Netanyahu teilte ausserdem mit, er habe auch mit US-Aussenminister Rex Tillerson telefoniert.

Wie aus diplomatischen Kreisen verlautete, soll Israel gegenüber Russland signalisiert haben, dass man nicht an einer weiteren Eskalation interessiert sei – das sei auch eine Botschaft an Syrien und den Iran, hiess es. Israel fühlt sich jedoch durch das Auftauchen der iranischen Drohne im eigenen Luftraum bestätigt, dass die Warnungen vor einer verstärkten militärischen Präsenz des Iran in Syrien zutreffend seien.

Zuvor gab es Medienberichte, dass Russland versucht hat, Israel von weiteren Militärschlägen abzubringen. Netanyahu hatte bereits vergangene Woche in Moskau überraschend Präsident Wladimir Putin getroffen, hochrangige Vertreter waren danach in Israel. Danach sagte Netanyahu: «Die Frage ist: Wird sich Iran in Syrien ausbreiten, oder wird dieser Prozess gestoppt? Wenn das nicht geschieht, dann werden wir das stoppen.»

Russland ist der Verbündete von Syriens Präsident Baschar al-Assad. «Wir rufen alle Parteien auf, Zurückhaltung zu üben und jegliche Aktionen zu vermeiden, die zu einer noch grösseren Komplizierung der Lage führen könnten», hiess es in der Erklärung des russischen Aussenministeriums. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.02.2018, 18:52 Uhr

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