Huthi-Miliz besetzt weites Gelände – ohne einen Schuss abzufeuern

Die Rebellen im Jemen überrennen eine ölreiche Provinz. Sie stossen kaum auf Gegenwehr am Boden – und trotzen den Luftschlägen.

Zunehmender Widerstand: Menschen in der Hauptstadt Sanaa empören sich über einen Luftschlag. (8. April 2015)

Zunehmender Widerstand: Menschen in der Hauptstadt Sanaa empören sich über einen Luftschlag. (8. April 2015)

(Bild: Reuters)

Die schiitischen Huthi-Rebellen und ihre Verbündeten haben im Jemen die Hauptstadt der ölreichen sunnitischen Provinz Schabwa überrannt. Obwohl die Luftangriffe einer internationalen Koalition fortgesetzt wurden, konnten die Aufständischen durch die Einnahme von Atak am Donnerstag deutliche Gebietsgewinne verzeichnen.

Es ist der erste grosse militärische Erfolg der Huthis seit Beginn der Luftangriffe Mitte März. Auch in Aden, der vom ausser Landes geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi ausgerufenen provisorischen Hauptstadt, gingen die Kämpfe weiter.

Der Iran, der als Schutzmacht der Huthis gilt, verurteilte die saudische Beteiligung abermals und versuchte so die internationale Unterstützung für ein Ende der Luftangriffe zu erhöhen. Der geistliche Führer Ayatollah Ali Khamenei sprach angesichts der Kampagne von «Verbrechen» und «Völkermord», der «rechtlich verfolgbar» sei. Die saudiarabische Koalition werde verlieren und die «Jemeniten werden Widerstand leisten und gewinnen.»

Derweil argumentiert das aussenpolitische US-Magazin «Forgein Policy», dass al-Qaida von einem Zusammenbruch des Jemen profitieren würde. Denn die Terrormiliz würden versuchen, Territorium zu sichern und die Instabilität für sich auszunutzen:

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äusserte sich besorgt über die von Saudiarabien koordinierten Luftangriffe, die nun in ihre dritte Woche gehen. Ban sagte in New York, die Luftangriffe hätten eine innenpolitische Krise in einen gewaltsamen Konflikt verwandelt – mit dem Risiko tiefer und lang anhaltender Folgen für die Region. Er rief alle Länder in der Region auf, jenseits der eigenen Prioritäten das jemenitische Volk zu unterstützen. Dringend benötigte Hilfe müsse geliefert werden. «Das letzte, was die Region und unsere Welt brauchen, ist mehr von dem Chaos und den Verbrechen, die wir in Libyen und Syrien gesehen haben», fügte Ban hinzu und warb für Verhandlungen unter UN-Schirmherrschaft.

Schon mehr als 600 Tote

Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation sind seit 19. März bereits 643 Menschen im Jemen-Konflikt getötet worden. Hunderte Jemeniten flüchten, viele davon über den Golf von Aden. Allein am Donnerstag seien 65 Menschen in Dschibuti am Horn von Afrika angekommen, sagte ein Beamter des UN-Flüchtlingshilfswerks. Das UNHCR habe einen Notfallplan für 5000 Flüchtlinge, den es jetzt ausweite. Weitere Jemeniten sind nach Eritrea und Somalia geflohen.

Atak wurde von sunnitischen Stammeskämpfern verteidigt. Doch beim Einmarsch der Rebellen und der zum früheren Präsidenten Ali Abdullah Salih stehenden Militäreinheiten sei am Donnerstag kein Schuss gefallen, berichteten Einwohner. Rebellen und Soldaten hätten überall in der Stadt Kontrollpunkte und Stellungen errichtet.

Die Huthis und Salih-treue Truppen kontrollieren zehn der 21 Provinzen Jemens. In Schabwa hatten sie bisher nicht Fuss fassen können – auch wegen der starken Präsenz der Terrorgruppe al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel dort.

spu/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt