Er will mit dem Luxuszug quer durch Afrika

Der Eisenbahnpionier Rohan Vos bietet neu eine Zugreise von Ost- nach Westafrika an – für 12’820 Franken pro Person.

Am schwierigsten sei die Strecke durch den Kongo: Rohan Vos vor einem seiner Züge in Südafrika. (Archiv) Foto: David LEFRANC/Gamma-Rapho via Getty Images

Am schwierigsten sei die Strecke durch den Kongo: Rohan Vos vor einem seiner Züge in Südafrika. (Archiv) Foto: David LEFRANC/Gamma-Rapho via Getty Images

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Als der südafrikanische Unternehmer Rohan Vos kürzlich in Kinshasa war, sagte ihm die Regierung der Demokratischen Republik Kongo, dass alles gut werde, dass sie bis Mai sehr viele neue Eisenbahnschwellen verlegen werde, um die Fahrt so angenehm wie möglich zu machen. Vos erzählt das zwar am Telefon, man kann sich aber gut vorstellen, wie er die Augenbrauen anhebt – im Kongo sind immer Zweifel angebracht. «Wir werden es auch ohne neue Schwellen schaffen, wir werden langsam fahren, und wenn wir entgleisen, dann ist das so», sagt Vos.

Es ist eines der letzten grossen Abenteuer Afrikas, das der 72-Jährige da vorhat. Im Juli 2019 will er zum ersten Mal einen Zug von Ost- nach Westafrika fahren lassen, von Dar es Salaam in Tansania bis nach Lobito in Angola, 4300 Kilometer in 15 Tagen – ein sportlicher Zeitplan. Von Tansania geht es durch Sambia und den Kongo bis auf die andere Seite des Kontinents. Über Strecken, auf denen schon lange kein Passagierzug gefahren ist, die von Gras überwuchert sind, deren Schwellen sich gelockert haben oder vermodern.

Kongo als grösste Herausforderung

Der Unternehmer Vos bietet seit fast 30 Jahren Zugreisen durch Afrika an, er fährt mit seinen Rovos-Luxuszügen an die Victoriafälle und rollte kurz nach dem Bürgerkrieg in Moçambique ein. «Der Kongo wird die grösste Herausforderung», sagt Vos. Die Strecke dort ist er bereits selbst abgefahren, mit einer Art Güterlore, die vor allem durch Stricke zusammengehalten wurde und dann entgleiste, als ein Baum auf der Strecke lag. Es ging über Gleise, die um 1920 von den europäischen Kolonialmächten gebaut worden waren, um das Kupfer aus dem Landesinneren an die Küste zu bringen.

Luxuriös: Die Reisenden haben in den Rovos-Zügen viel Platz. Foto: Ann Hermes/The Christian Science Monitor via Getty Images

Schaut man auf die Karten von damals, dann ziehen sich die Eisenbahnlinien wie Flüsse aus dem Landesinneren an die Küsten. Sie wurden geplant, um Afrika auszurauben, nicht um den Kontinent zusammenzubringen – weshalb es lange dauerte, bis eine Verbindung zwischen den beiden Küsten möglich wurde. Seit 2015 plant Vos seine Reise. Da wurde der Streckenabschnitt in Angola nach Instandsetzungen wiedereröffnet, er ist Teil einer Renaissance der Eisenbahn in ganz Afrika, nach jahrzehntelangem Tiefschlaf. In Äthiopien wurde eine Strecke an den Hafen von Djibouti fertiggestellt, in Kenia eine von der Hauptstadt Nairobi an die Küste. Auch in Tansania, Uganda, Ruanda, Burundi und Nigeria wird geplant und gebaut. Oft sind die Chinesen dabei, aber auch afrikanische Regierungen haben erkannt, dass sie eine intakte Infrastruktur in Richtung Küste brauchen, um Handel treiben zu können.

Vos hofft, dass seiner Jungfernfahrt weitere Züge folgen werden. Die Premiere wird, von einigen Entgleisungen abgesehen, recht komfortabel sein, mit Speisewagen und eigenem Bad. Die Reise kostet umgerechnet mindestens 12'820 Franken pro Person und ist bereits ausgebucht.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 25.10.2018, 15:49 Uhr

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