Die Problemfamilie Netanyahu

Israels Premier steht unter Korruptionsverdacht, auch gegen seine Frau läuft ein Strafverfahren. Und ein Sohn fällt durch Ausfälligkeiten auf.

Jede Menge Ärger: Benjamin Netanyahu mit seiner Frau Sara und seinem Sohn Yair.

Jede Menge Ärger: Benjamin Netanyahu mit seiner Frau Sara und seinem Sohn Yair.

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Yair Netanyahu steht schon seit längerer Zeit in der öffentlichen Kritik. Viele Bürger und Medien werfen ihm vor, sich vom Steuerzahler ein Leben in Saus und Braus finanzieren zu lassen. Ausserdem führe er sich auf, als wäre er ein Kronprinz. Über das Wochenende sorgte nun der 26-jährige Sohn von Israels Premier Benjamin Netanyahu erneut für Schlagzeilen in den israelischen Boulevardmedien. Mit arroganten Kommentaren und Beleidigungen hat er die Wut der Öffentlichkeit auf sich gezogen.

Zunächst hatte ein Nachbar berichtet, wie Yair Netanyahu sich geweigert habe, in einem öffentlichen Park den Kot eines Hundes der Familie Netanyahu einzusammeln. Stattdessen soll er dem Nachbarn einen Stinkefinger gezeigt haben. Kurz danach attackierte er auf Facebook die Website des liberalen Instituts Molad, das Details seines ausschweifenden Lebensstils aufgeführt hatte. Wie «The Times of Israel» berichtet, behauptete der Netanyahu-Sohn, die Website sei finanziert von ausländischen Interessen respektive von der Organisation «New Israel Fund», die er als «Israel Destruction Fund» («Fonds zur Zerstörung Israels») bezeichnete. Yair unterschrieb den Beitrag mit Emojis, die einen Mittelfinger und einen Haufen Exkremente zeigten. Dem 26-Jährigen droht eine Klage wegen Verleumdung.

Schlagabtausch mit Olmert-Sohn

Deutliche Reaktionen kamen von den Nachkommen ehemaliger israelischer Staats- und Regierungschefs. In einem Post hatte sich Yair Netanyahu beklagt, die Kinder von Shimon Peres, Ariel Sharon und Ehud Olmert hätten sich niemals so wie er gegenüber der Öffentlichkeit rechtfertigen müssen. Und einer der Söhne von Olmert habe eine «interessante Beziehung zu einem palästinensischen Mann», welche die nationale Sicherheit betreffe. Der angesprochene Ariel Olmert schoss zurück, wie die Zeitung «Haaretz» berichtet: Er betonte, dass er keineswegs schwul sei, und warf dem Sohn von Netanyahu «Rassismus und Homophobie» vor. Der Olmert-Sohn sagte zudem, dass er arbeite, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren.

Beide sollen sich von reichen Leuten grosszügig beschenkt haben lassen: Benjamin Netanyahu und sein Sohn Yair an der Klagemauer in Jerusalem. Foto: Reuters

Kurz vor Yair Netanyahu hatten dessen Eltern für negative Schlagzeilen gesorgt. So befragte die Polizei die Ehefrau des Premiers wegen des Verdachts der Veruntreuung. Sara Netanyahu soll öffentliche Gelder für Zwecke der privaten Haushaltsführung abgezweigt haben. Schwerwiegender sind die Vorwürfe gegen Benjamin Netanyahu. Er wird in zwei Korruptionsfällen der Untreue und Bestechlichkeit verdächtigt. Dies geht aus einem Polizeidokument hervor, das Medien zur Verfügung gestellt wurde. Polit-Kommentatoren sprachen von einer «dramatischen Entwicklung» für Netanyahu.

In einem Fall geht es um den Verdacht der Annahme von luxuriösen Geschenken von wohlhabenden Anhängern und einflussreichen Geschäftsleuten. Im anderen Fall soll Netanyahu sich um eine geheime Vereinbarung mit dem Herausgeber der Zeitung «Jediot Ahronot» bemüht haben. Diese sah eine positive Berichterstattung über Netanyahu vor; der Premier sollte im Gegenzug dabei helfen, das Geschäft der Zeitung «Israel Hajom», einem Konkurrenzblatt von «Jediot Ahronot», herunterzufahren.

Netanyahu spricht von «Hexenjagd feindseliger Medien»

Ein Ex-Stabschef und langjähriger Vertrauter von Netanyahu hat der Justiz zugesagt, gegen den Ministerpräsidenten als Zeuge auszusagen. Das hat Spekulationen darüber angeheizt, dass Netanyahu in Kürze angeklagt werden könnte. Der Premier bestreitet Fehlverhalten und bezeichnet die Vorwürfe als «Hexenjagd feindseliger Medien gegen mich und meine Familie». Die Anschuldigungen seien Teil einer Kampagne für einen Austausch der israelischen Regierung. Selbst bei einer Anklage müsste der Ministerpräsident in Israel seinen Posten nicht notwendigerweise räumen.

Unter dem Verdacht der Bestechlichkeit steht auch Yair Netanyahu. Ein australischer Milliardär soll den Netanyahu-Spross mit Geschenken und Gefälligkeiten geradezu überhäuft haben. Dazu gehörten zum Beispiel längere Aufenthalte in Luxushotels in Tel Aviv und New York sowie Flüge mit dem Privatjet des reichen Gönners. Die Polizei prüft nun, ob dies als Bestechung zu werten ist, da der Milliardär aus Australien sich aus steuerlichen Gründen in Israel um einen Aufenthaltsstatus bemühen soll.

Neben Yair haben Benjamin und Sara Netanyahu einen weiteren gemeinsamen Sohn, Avner, 22 Jahre. Benjamin Netanyahu ist zudem Vater einer Tochter, Noa, 39 Jahre, aus erster Ehe. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.08.2017, 19:17 Uhr

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