Das Raketenarsenal der Gaza-Terroristen

Aus Gaza wurden in kurzer Zeit 700 Raketen auf Israel abgefeuert. Woher haben Hamas und Islamischer Jihad so viele Waffen? Wer hilft ihnen?

Terror gegen Israel: Eine von der Hamas abgefeuerte Rakete.

Terror gegen Israel: Eine von der Hamas abgefeuerte Rakete.

(Bild: Reuters)

Vincenzo Capodici@V_Capodici

Nach dem schwersten Ausbruch der Gewalt seit fünf Jahren zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gazastreifen schweigen vorerst wieder die Waffen. Das Bedrohungspotenzial der Terrororganisation Hamas gegen Israel bleibt allerdings gross. Gefahren gehen zudem von den Terroristen des Islamischen Jihads aus. Seit dem letzten Gaza-Krieg vor fünf Jahren hat die Hamas ihr grösstenteils von Israel zerstörtes Raketenarsenal nicht nur ersetzt, sondern sogar ausgebaut.

Vor der israelischen Militäroperation «Protective Edge» im Sommer 2014 besass allein die Hamas schätzungsweise 11'000 Raketen. Heute gibt es angeblich 15'000 bis 20'000 Raketen in Gaza, wobei ein Teil davon im Besitz der Terrororganisation Islamischer Jihad ist. Diese Schätzungen stammen von Boaz Ganor, Direktor des Internationalen Instituts für Terrorbekämpfung in Herzliya (Israel). Andere Experten gehen von insgesamt 12'000 Raketen aus, die gegen Israel gerichtet werden könnten.

Hälfte der Raketen aus eigener Produktion

Gemäss einem Bericht der israelischen Verteidigungskräfte (IDF) besteht der Grossteil des Hamas-Arsenals aus Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von 15 oder 20 Kilometern. Daneben besitzen die Terroristen Tausende Raketen mit Reichweiten von 45 und 80 Kilometern sowie Dutzende Langstreckenraketen, die 100 bis 200 Kilometer zurücklegen können. Zudem besitzt die Hamas Tausende Mörsergranaten und Drohnen.

Etwa die Hälfte des Arsenals der Hamas stammt aus eigener Produktion. Dazu haben die Radikalislamisten auch Waffenfabriken im Untergrund eingerichtet. Eine Eigenproduktion sind die Kurzstreckenraketen des Typs Qassan. Der Rest an Raketen, Sprengköpfen sowie anderen Waffen und Waffenmaterialien wird nach Gaza geschmuggelt, hauptsächlich über Tunnelsysteme an der Grenze zu Ägypten. Vor einigen Jahren zerstörte Ägypten viele Hamas-Tunnels. Dennoch gelang es nicht, den Schmuggel von Waffen und Materialien für die Waffenproduktion zu unterbinden.

Die Hamas arbeitet laufend an einer Verbesserung seiner Raketenfähigkeiten. Und vor allem daran, dass ihre Raketen das «Iron Dome»-Raketenabwehrsystem Israels umgehen können. «Iron Dome» fängt 90 Prozent der Hamas-Raketen ab.

Waffen und Know-how aus dem Iran

Hilfe bekommt die Hamas, aber auch der Islamische Jihad insbesondere aus dem Iran. Die Iraner liefern gleich Raketen, etwa des Typs Fajr, oder das Know-how für deren Fertigung. Darum kann nun die Hamas zum Beispiel Fajr-5-Raketen entwickeln, die in der Lage sind, Tel Aviv zu erreichen. Auch Waffen aus Libyen, Syrien, China oder Russland finden offenbar den Weg nach Gaza, so zum Beispiel Flugabwehrraketen.

Das Raketenarsenal der Terrorgruppen in Gaza zeichne sich mehr durch Quantität als Qualität aus, sagte Boaz Ganor gemäss einem Bericht der «Washington Post». Die meisten Hamas-Raketen seien einfach gebaut und wenig zielgenau. «Der Hauptzweck ist, Panik und Chaos zu verursachen und vielleicht ein Ziel zu treffen», erklärte Ganor. Es sei aber klar, dass solche Angriffe willentlich die Bevölkerung in Israel bedrohen.

Raketenangriffe aus Gaza: Das israelische Abwehrsystem «Iron Dome» fängt mehrere Raketen ab. Foto: Reuters

Die neueste Runde der Gewalt hat seit dem Wochenende mehr als zwei Dutzend Menschen das Leben gekostet. Vier Israelis wurden am Sonntag bei massiven Raketenangriffen aus Gaza getötet und mehr als hundert verletzt. Militante Palästinenser hatten nach israelischen Armeeangaben seit Samstag rund 700 Raketen auf Israel abgefeuert. Angriffe der israelischen Armee töteten nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza am Sonntag 19 Palästinenser, zusätzlich zu den sechs Todesopfern vom Vortag. Rund 160 Palästinenser sollen verletzt worden sein.

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