China investiert 60 Milliarden Dollar in Entwicklung Afrikas

Xi hat einen neuen Milliardenkredit zugesagt. Kritiker warnen vor Überschuldung – und den zunehmend militärischen Interessen Chinas.

Der chinesische Staatschef Xi Jinping mit dem Präsidenten Südafrikas, Cyril Ramaphosa in Peking. (2. September 2018)

Der chinesische Staatschef Xi Jinping mit dem Präsidenten Südafrikas, Cyril Ramaphosa in Peking. (2. September 2018) Bild: Andy Wong/AFP

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Chinas Staatschef Xi Jinping hat Investitionen in Höhe von 60 Milliarden Dollar für die Entwicklung in Afrika angekündigt. Zu Beginn des China-Afrika-Forums in Peking sagte Xi am Montag, die Investitionen seien für die kommenden drei Jahre geplant. Im Paket seien 15 Milliarden Dollar als «Hilfen und zinslose Kredite» vorgesehen. Damit begegnete er Sorgen auf afrikanischer Seite, die Unterstützung der Volksrepublik könne zur Verschuldung des Kontinents führen.

Am zweitägigen Forum zur Zusammenarbeit zwischen China und Afrika nehmen zahlreiche afrikanische Staatsoberhäupter teil. Stunden vor dem Forum hatte Xi bei einem Treffen mit afrikanischen Spitzenpolitikern und Geschäftsleuten versichert, Chinas Investitionen in Afrika seien an keinerlei politische Bedingungen geknüpft. Es gehe Peking um Entwicklungszusammenarbeit.

Chinesische Unternehmen und Staatsbanken werden in den nächsten Jahrendie versprochenen Milliarden in Form von Krediten und Investitionen bereitstellen, wie Präsident Xi ankündigte. Auch sollen einigen besonders armen Staaten Schulden gestrichen werden.

«Wir begrüssen Afrika im Expresszug der chinesischen Entwicklung», sagte Xi Jinping vor Dutzenden Staats- und Regierungschefs aus afrikanischen Staaten in Pekings Grosser Halle des Volkes. China hat Afrika mit dem Ausbau der sogenannten Neuen Seidenstrasse einen Wachstumsschub in Aussicht gestellt. Das gewaltige Infrastrukturprojekt unter Führung Pekings werde zu einem Gewinn für alle Beteiligten führen, so Präsident Xi.

Erst die USA, dann China

Die neue Finanzspritze unterstreicht, wie hoch Afrika auf der Prioritätenliste Pekings steht. Peking investiert schon seit vielen Jahren in Afrika und hat in dem Kontinent eine Quelle für dringend benötigte Rohstoffe gefunden. Doch auch als Absatzmarkt rückt die wachsende afrikanische Mittelschicht für die Chinesen immer mehr in den Fokus. Mit einem Handelsvolumen von zuletzt 170 Milliarden US-Dollar hat China sowohl die USA als auch die alte Kolonialmacht Frankreich als wichtigste Handelspartner des Kontinents hinter sich gelassen. Vor dem Hintergrund des sich zuspitzenden Handelsstreits mit den USA steht die Suche nach neuen Märkten für Peking umso höher auf der Prioritätenliste.

«Viele afrikanische Führer begrüssen Pekings Engagement als eine Alternative zu dem, was sie als halbherzige Ansätze der Vereinigten Staaten und Europas betrachten», schrieb Sabine Mokry vom China-Institut Merics in einer Analyse zum am Montag in Peking beginnenden Gipfel, zu dem zahlreiche afrikanische Staats- und Regierungschefs angereist sind.

Während in den USA «keine kohärente Afrika-Politik» erkennbar sei, täten sich auch die Europäer schwer. Deutschland und andere Staaten hätten zwar vor kurzen damit begonnen, ihr Engagement in Afrika zu vergrössern. Von einem gemeinsamen europäischen Vorgehen könne aber keine Rede sein.

China baut derweil quer durch Afrika Regierungsgebäude, Fussballstadien, Zugstrecken, Flughäfen, Kasernen und Raffinerien. In Sambia, Äthiopien, Gabun, Kamerun und Ghana sind mit chinesischer Hilfe Staudämme entstanden. Chinesische Investoren finanzieren sogar ganze Städte, wie Angolas fast neun Quadratkilometer grosse Nova Cidade de Kilamba. In Südafrika will die Shanghai Zendai Group mit rund 8 Milliarden US-Dollar in der Nähe der Wirtschaftsmetropole Johannesburg ein «New York von Afrika» bauen, das über die nächsten 15 Jahre 200'000 Jobs schaffen soll.

Zunahme auch bei den Waffenlieferungen

Noch einmal deutlich zugenommen hat Pekings Interesse an Afrika, seit Chinas Präsident Xi Jinping vor fünf Jahren den Bau einer Neuen Seidenstrasse eingeleitet hat, mit der neue Wirtschaftskorridore von China nach Südostasien, Europa und Afrika entstehen sollen. Peking wirbt damit, dass durch chinesische Kredite Jobs und Wachstum angekurbelt würden. Kritiker mahnen dagegen, dass die Projekte zu einer Schuldenfalle für beteiligte Staaten werden könnten, die so abhängiger von China würden.

Einhergehend mit einer engeren Verflechtung im Handel verfolgt China zunehmend auch militärische Interessen in Afrika. Über neue Militärkooperationen sichert Peking seine Wirtschaftsinteressen auf dem Kontinent wie auch seine Seewege. Seit 2017 unterhält China bereits seinen ersten Marinestützpunkt im Ausland in Dschibuti am Horn von Afrika, von wo auch seine Einsätze im UN-Kampf gegen Piraten unterstützt werden.

Beobachter weisen jedoch auch darauf hin, dass China in Zukunft in Afrika in noch grösserem Umfang als Waffenlieferant und Ausbilder für das Militär afrikanischer Staaten agieren werde. Seit 2008 seien rund 21 Prozent aller chinesischen Waffenausfuhren weltweit nach Afrika geflossen, berichtete das Zentrum für strategische und internationale Studien (CSIS). Seit 2008 erreichten sie insgesamt drei Milliarden US-Dollar. (sep/AFP/sda)

Erstellt: 03.09.2018, 13:27 Uhr

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