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80 Prozent Frauen und Jugendliche auf der Balkanroute

Deutschland sieht eine massive Veränderung in der Zusammensetzung der Flüchtlingsströme. In ganz Europa demonstrieren derweil Menschen für sicherere Routen in die EU.

Weil Deutschland den Familiennachzug aussetzt, sind mehr Frauen und Jugendliche auf der Balkanroute unterwegs: Flüchtlingsfamilie ruht sich aus.
Weil Deutschland den Familiennachzug aussetzt, sind mehr Frauen und Jugendliche auf der Balkanroute unterwegs: Flüchtlingsfamilie ruht sich aus.
Getty/Milos Bicanski

Vor allem junge, allein reisende Männer erreichten als Flüchtlinge über die Balkanroute Deutschland. Das hat sich inzwischen offenbar radikal geändert, wie der «Spiegel» berichtet. Dem deutschen Magazin liegt ein Dokument des Bundesinnenministeriums vor, in dem es heisst: «Das Auswärtige Amt bestätigt auf Nachfrage, dass über die Balkanroute derzeit mehr Frauen und unbegleitete Jugendliche kommen würden.» Es handle sich um eine Grössenordnung von bis zu 80 Prozent. 2015 wurden von allen Asylanträgen in Deutschland nur rund 18 Prozent von Frauen und 31 Prozent von Minderjährigen gestellt.

Laut dem «Spiegel» vermuten die deutschen Behörden, dass diese Veränderung eine Auswirkung der geplanten Gesetzesänderung betreffend des Familiennachzugs in Deutschland sei. Der deutsche Bundestag hat eine Verschärfung des Asylrechts verabschiedet, mit der auch der Familiennachzug ausgesetzt wird. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Anton Hofreiter, kritisierte den Beschluss scharf: «Damit (dem Aussetzen des Familiennachzugs, die Red.) gefährden Union und SPD das Leben von Frauen und Kindern, die vor einem Bürgerkrieg fliehen und Schutz suchen.»

Europaweit Demonstrationen «für sichere Flüchtlingsrouten»

Als Reaktion auf die vermehrt rigiden Grenzkontrollen und Grenzschliessungen auf der Balkanroute, gingen in über 100 Städten in Europa – in der Schweiz in Zürich, Lausanne und Biel – Menschen auf die Strasse für den Europäischen Marsch für die Rechte von Flüchtlingen. Die Menschen auf den Strassen wollten für einmal nicht gegen etwas, sondern für etwas demonstrieren, sagte Alan David Sangines, Stadtzürcher SP-Gemeinderat, in Zürich: «für sichere Flüchtlingsrouten». «Höhere Zäune führen nicht zu weniger Flüchtlingen, sondern zu mehr Toten», sagte er.

Auch Flüchtlingshelfer Michael Räber rüttelte in seiner Rede auf: «Alles was wir tun, um die Flüchtlinge abzuschrecken, wird nicht funktionieren, sondern macht alles nur noch schlimmer.» Die Flüchtlinge sollten Fähren und Flugzeuge besteigen dürfen.

(SDA)

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