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3600 Personen waren wegen Giftgas im Spital

Eine erste Hilfsorganisation bestätigt, dass in Syrien tatsächlich Hunderte Menschen an Vergiftungen starben. Das Regime zeigt derweil Bilder von Giftgasutensilien – angeblich aus Rebellenbesitz.

Der UN-Bericht liefert Beweise für den Giftgaseinsatz in Syrien: UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. (17. September 2013)
Der UN-Bericht liefert Beweise für den Giftgaseinsatz in Syrien: UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. (17. September 2013)
AP Photo/Frank Franklin II)
Einigen sich in Genf auf einen Plan zur Sicherung und Zerstörung der syrischen Chemiewaffen: Der russische Aussenminister Sergei Lawrow und sein amerikanischer Kollege John Kerry. (13. September 2013)
Einigen sich in Genf auf einen Plan zur Sicherung und Zerstörung der syrischen Chemiewaffen: Der russische Aussenminister Sergei Lawrow und sein amerikanischer Kollege John Kerry. (13. September 2013)
AFP
Nach Angaben der Regierung im Stadtteil Jobar gefunden: Angebliche Materialien und Utensilien zur Herstellung von chemischen Waffen. (24. August 2013)
Nach Angaben der Regierung im Stadtteil Jobar gefunden: Angebliche Materialien und Utensilien zur Herstellung von chemischen Waffen. (24. August 2013)
Sana, AFP
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In syrischen Krankenhäusern sind nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) mehrere Hundert Menschen mit «neurotoxischen Symptomen» gestorben. Insgesamt rund 3600 Menschen seien am Mittwochmorgen weniger als drei Stunden nach den mutmasslichen Giftgasangriffen auf Vorortbezirke von Damaskus eingeliefert worden, rund 355 von ihnen seien gestorben, teilte MSF mit. Insgesamt sollen nach Oppositionsangaben möglicherweise sogar mehr als tausend Personen gestorben sein.

Die Angaben stammten demnach aus von MSF unterstützten Krankenhäusern im Gouvernorat Damaskus. Als Beispiele für die Symptome der Patienten nannte die Organisation Krämpfe, vermehrten Speichelfluss, extrem verengte Pupillen sowie schwere Atemprobleme. MSF wies aber darauf hin, keine Aussage darüber machen zu können, wer für den Einsatz des Gifts verantwortlich sei.

Proben müssten binnen Tagen gesammelt werden

Diese Aufgabe soll nach Ansicht vieler Staaten den UNO-Chemiewaffeninspekteuren zukommen. Diese haben nach Angaben eines Experten aber nur wenige Tage Zeit, um den Einsatz von Nervengas in Syrien zweifelsfrei zu beweisen. Je später die Experten vor Ort Proben nehmen könnten, desto schwerer werde ein Nachweis, sagte der Chemiewaffenexperte des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz, Stefan Mogl, im Deutschlandradio Kultur. Die UNO-Experten bräuchten so rasch wie möglich sicheres Geleit, um mutmasslichen Opfern Blut- und Urinproben entnehmen zu können, sagte der frühere Waffeninspektor.

Solche Proben müssten binnen weniger Tage genommen werden, um aussagekräftig zu sein. Im Boden liessen sich dagegen Spuren von Kampfstoffen auch noch später nachweisen.

Nach Sichtung des vorhandenen Videomaterials gehe er mit grosser Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es zu einem Giftgasangriff gekommen sei, sagte Mogl. Die Symptome wiesen «am wahrscheinlichsten auf einen Nervenkampfstoff hin».

Die grosse Anzahl von Personen mit Symptomen, darunter viele Kinder, mache es unwahrscheinlich, dass die Bilder gestellt seien. Das Bildmaterial lasse aber keine Rückschlüsse auf den Ort oder die Opfer zu. Deshalb müsse der Vorfall unabhängig vor Ort geklärt werden, sagte Mogl.

UNO-Abrüstungsexpertin in Damaskus

Das syrische Regime hat den UNO-Experten bislang aber nicht erlaubt, das betroffene Gebiet zu besuchen. Dies soll nun aber Angela Kane, die Abrüstungsbeauftragte der Vereinten Nationen, erwirken. Sie traf nun zu Verhandlungen in Damaskus ein.

Die syrischen Staatsmedien werfen indes den Rebellen vor, Chemiewaffen eingesetzt zu haben. Bei Regierungssoldaten, die an einer Offensive gegen den von Rebellen gehaltenen Vorort Jobar teilgenommen hätten, seien Atemwegsprobleme mit Fällen von «Erstickung» aufgetreten, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Sana. Die betroffenen Soldaten seien in ein Krankenhaus gebracht worden.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana veröffentlichte Bilder, die Utensilien zum Einsatz von chemischen Kampfstoffen zeigen sollen. Nach Angaben des syrischen Fernsehens wurden die Gegenstände in einem Tunnel im Stadtteil Jobar gefunden, der von Rebellen benutzt worden sei.

Die USA, Frankreich, Grossbritannien und Russland haben sowohl die Führung des Landes als auch die Rebellen aufgefordert, mit den Experten zu kooperieren, die sich derzeit im Land befinden und anderen Vorwürfen von Chemiewaffeneinsätzen nachgehen.

Obama beruft Sondersitzung ein

US-Präsident Barack Obama hat ein Treffen mit seinem nationalen Sicherheitsteam zum weiteren Vorgehen im Syrien-Konflikt einberufen. Die Sondersitzung findet im Weissen Haus statt.

Die USA warten laut dem Weissen Haus noch auf eine Bestätigung der Vorwürfe über einen möglichen Chemiewaffeneinsatz durch das syrische Militär. Sobald die Fakten feststünden, wolle Obama über das weitere Vorgehen entscheiden, verlautete aus Regierungskreisen.

Treffen in Jordanien

Auf Einladung Jordaniens kommen am Sonntag in Amman die Generalstabschefs mehrerer Länder, darunter auch Deutschland, zu Beratungen über den Konflikt in Syrien zusammen. An dem Treffen würden der US-Generalstabschef Martin Dempsey und seine Kollegen aus Saudiarabien, Katar, der Türkei sowie aus Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien und Kanada teilnehmen, sagte ein Vertreter des jordanischen Generalstabs der Nachrichtenagentur Petra. Die Einladung stehe nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der aktuellen Entwicklung in Syrien, heisst es.

Den jordanischen Angaben zufolge findet das Treffen auf Einladung von Generalstabschef Meshaal Mohammed al-Seben und dem Centcom-Kommandeur Lloyd Austin statt. Das Centcom ist das US-Kommando für den Nahen Osten und Zentralasien. Besprochen werden sollen bei dem Treffen die Auswirkungen der syrischen Krise auf die Region und Möglichkeiten zur militärischen Kooperation, um die Sicherheit Jordaniens zu gewährleisten, sagte der jordanische Militärvertreter.

sda/AP/AFP/mw

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