Kofi Annan in Berner Spital gestorben

Der ehemalige UNO-Generalsekretär ist im Kreise seiner Familie nach kurzer Krankheit im Alter von 80 Jahren gestorben.

Der früherer UN-Generalsekretär Kofi Annan ist gestorben. (Video: Tamedia/Mit Material der AFP)

Der frühere UNO-Generalsekretär Kofi Annan starb am Samstag nach kurzer Krankheit im Alter von 80 Jahren, wie seine Stiftung in Genf mitteilte. Seine Frau Nane und ihre drei Kinder seien in seinen letzten Tagen an seiner Seite gewesen.

Zwei enge Mitarbeiter des Nobelpreisträgers sagten der Nachrichtenagentur Reuters, Annan sei am frühen Morgen in einem Spital in Bern gestorben. Annan habe «während seines gesamten Lebens für eine gerechtere und friedlichere Welt» gekämpft, heisst es in der Mitteilung der Stiftung.

Kofi Annan, der am 8. April 1938 geboren wurde, verbrachte fast sein gesamtes Berufsleben bei den Vereinten Nationen. Insgesamt arbeitete er mehr als 40 Jahre im Dienst der Vereinten Nationen, unter anderem als Leiter der UN-Friedensmissionen.

1997 wurde der Ghanaer UNO-Generalsekretär – auf Vorschlag der USA, die sich einer Wiederwahl des Ägypters Butros Butros-Ghali widersetzten.

Fünf Jahre später hatte sich Annan international einen solchen Ruf erworben, dass seine Wiederwahl unumstritten war. 2001 erhielt er zusammen mit den Vereinten Nationen den Friedensnobelpreis.

Die höchste einer ganzen Reihe von Auszeichnungen und Ehrungen, darunter zwei Dutzend Ehrendoktortitel von vier Kontinenten und der Sacharow-Preis des EU-Parlaments (2003). Königin Elizabeth II. schlug ihn 2007 ehrenhalber zum Ritter.

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Nach seiner Pensionierung lebte Annan in seiner Wahlheimat Genf und engagierte sich über seine Stiftung weiterhin für Frieden in der Welt. 2002 wurde er dann sogar Ehrenbürger von Genf. Während seiner Amtszeit besuchte er die Hauptstadt Bern zwei Mal offiziell. Die UNO trauert um einen grossartigen Mann, Führer und Visionär, schreibt die Organisation auf Twitter.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres würdigte Annan in einer ersten Reaktion als eine «treibende Kraft des Guten». In vielerlei Hinsicht habe sein Vorgänger die Vereinten Nationen verkörpert. Die UNO habe er mit «unvergleichbarer Würde und Entschlossenheit» angeführt.

Reaktionen im Netz

Kofi Annan sei ein Visionär und ein grosser Freund der Schweiz gewesen, schreibt Bundespräsident Alain Berset unter anderem auf Twitter. Das internationale Genf verliere einen seiner glühendsten Fürsprecher, so Berset.

Auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron würdigte die Lebensleistung Annans. «Wir werden weder seinen ruhigen und entschlossenen Blick noch die Kraft seiner Kämpfe vergessen», schrieb Macron am Samstag auf Twitter.

Der scheidende UNO-Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein hat sich tief erschüttert über den Tod Annans gezeigt. «Kofi war das beste Beispiel, der Inbegriff von menschlichem Anstand und Würde», erklärte der Jordanier am Samstag in Genf. In einer Welt mit vielen politischen Führern ohne diese Eigenschaften sei der Verlust umso schmerzhafter.

Kofi Annan sei für ihn in seiner oft schwierigen Position als Vertreter der Menschenrechte ein unersetzlicher Ratgeber gewesen. Mit den Worten «lass sie schimpfen, Du tust das Richtige», habe Annan ihn bestärkt, wenn der Uno-Menschenrechtsrat wieder Ziel von Kritik geworden sei.

Die britische Premierministerin Theresa May schrieb, Annan habe eine bessere Welt hinterlassen, als die, in die er hinein geboren wurde.

Der ehemalige Fifa-Chef Sepp Blatter äusserte sich ebenfalls tief berührt. Nicht nur die Welt und Afrika hätten einen grossen Führer für Frieden und Menschlichkeit verloren, sondern er habe einen Freund verloren, schreibt Blatter auf Twitter.

Bis zuletzt war Annan ein gefragter Redner. In einem Interview Anfang 2018 äusserte er sich besorgt über neue globale Fragen wie den Verfall der demokratischen Diskussionskultur durch die Sozialen Medien, den Vormarsch von künstlicher Intelligenz und digitaler Überwachung sowie Bedrohungen des Multilateralismus.

Moralisches Gewissen der Welt

In seinen zehn Jahren an der Spitze der Vereinten Nationen galt Annan als das moralische Gewissen der Welt. Er setzte sich mit Charisma und diplomatischem Geschick für Arme und Unterdrückte ein, warb für Frieden und Gerechtigkeit und bot den USA im Streit um den Irakkrieg die Stirn.

Immer wieder bekam er aber auch die Ohnmacht der Weltorganisation zu spüren. Sein letzter Einsatz wurde zu einem schweren Misserfolg.

Fast sechs Monate lang versuchte Annan als UNO-Sondergesandter, eine Lösung für den Syrienkonflikt zu finden und den Krieg zu einem Ende zu führen. Doch die Interessensgegensätze der syrischen und ausländischen Kriegsparteien waren zu gross und Annan gab das Amt wieder ab.

nag/SDA

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