«Zu viele Ausländer auf dem Feld»

Der Chef der Lega Nord Matteo Salvini gibt Ausländern die Schuld am italienischen Debakel.

Italien ist längst nicht die einzige gestandene Fussballnation, die ein grosses Turnier verpasst. (Video: Nicolas Fäs)

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In der Stunde der Trauer sagt Matteo Salvini, der Chef der rechten Lega Nord, wer schuld ist am Debakel der italienischen Fussball-Nationalmannschaft. In einem Tweet kommentierte der Politiker die historische Niederlage der Azzurri im Mailänder San-Siro-Stadion gegen Schweden:

«Zu viele Ausländer auf dem Feld, von den Jugendmannschaften bis zur Serie A, und das ist das Resultat. Stopp Invasion und mehr Raum für die italienischen Jungs, auch auf dem Spielfeld.»

Bereits vor dem entscheidenden Match hatte Salvini beklagt, dass «halbe Pfeifen aus der ganzen Welt» in den italienischen Ligen spielen würden. Er sehne sich nach den Zeiten zurück, als eine Mannschaft höchstens drei ausländische Spieler einsetzen durfte. Salvini zielte mit seinem Tweet zum einen auf den Nationalspieler Jorginho, der zwar grösstenteils in Italien aufgewachsen, aber in Brasilien geboren ist und erst mit 21 Jahren die italienische Staatsbürgerschaft erhielt. Oder auf den ebenfalls in Brasilien geborenen Éder. Zum anderen beklagt Salvini die grosse Anzahl ausländischer Spieler in den Clubs, für die es leichter und billiger ist, ein ausländisches Talent einzukaufen, als einheimische zu fördern, aufzubauen und zu riskieren, dass sie es am Ende doch nicht bis ganz nach oben schaffen.

Auch wenn der Lega-Chef also ein tatsächliches und oft diskutiertes Phänomen des italienischen Fussballs anspricht, waren die Reaktionen auf seinen Tweet mehrheitlich kritisch bis vernichtend. Zu offensichtlich war sein Versuch, aus einer nationalen Fussballtragödie politisches Kapital zu schlagen. Viele User wiesen darauf hin, dass Salvinis Aussage auch auf andere Länder und Nationalmannschaften zutrifft, etwa auf Spanien oder England. Oder dass es vor zehn Jahren auch nicht anders gewesen sei und Italien 2006 Weltmeister wurde. Daneben setzte es auch polemische Antworten:

«Ich glaube, du bringst Unglück. Du hast neunzig Minuten lang auf einen Sieg der Schweden gehofft, um diesen Schwachsinn absetzen zu können, den du vorbereitet hattest.»

«Matteo, deine Tropfen. Siehst du, was passiert, wenn du sie nicht nimmst?»

«Du hast recht. Ohne die elf Ausländer in der schwedischen Mannschaft hätten wir gewonnen!»

«Hier, das ist dir runtergefallen.» (ben)

Erstellt: 14.11.2017, 14:30 Uhr

Matteo Salvini, Chef der Lega Nord (Bild: Reuters Antonio Parrinello)

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