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Wie Sarkozy seine Zeit als Weltregent nutzen will

Ab Januar übernimmt Frankreich den Vorsitz der G-8 und G-20. Für die Amtsperiode konzentriert sich Nicolas Sarkozy auf zwei Projekte mit viel Konfliktpotenzial.

Er nimmt sich viel vor: Nicolas Sarkozy vor seiner Amtsperiode als Vorsitzender der G-8 und G-20.
Er nimmt sich viel vor: Nicolas Sarkozy vor seiner Amtsperiode als Vorsitzender der G-8 und G-20.
Keystone

Die Bühne für Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in der Rolle des «Weltregenten auf Zeit» ist vorbereitet. Das kommende Jahr bietet ihm Gelegenheiten zuhauf, sich zu profilieren und auch seinem Ziel einer zweiten Amtsperiode näherzukommen.

Aber auch eine Bauchlandung auf glattem Parkett ist möglich, wenn Frankreich zum Jahresanfang den Vorsitz in der Gruppe der sieben führenden Industrieländer und Russlands (G-8) übernimmt.

Schon seit dem Finanzgipfel in Seoul Mitte November sitzt Sarkozy dem vielleicht mächtigsten «Club» der Welt dieser Tage vor, der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer.

Sarkozy hat Grosses vor

Sarkozy hat sich eine grosse Agenda gesetzt. Er will die Erneuerung des immer labileren Weltwährungssystem einleiten. Und er nimmt noch ein zweites Mega-Projekt mit Konfliktpotenzial ins Visier: die Rohstoffmärkte.

Er will den exorbitanten Preissteigerungen bei wichtigen Rohstoffen Einhalt gebieten, den erbitterten Kampf der Wirtschaftsmächte um Rohstoffe als Sicherung künftigen Wachstums und Wohlstands in geregelte Bahnen lenken.

Der deutschen Kanzlerin Angela Merkel will Sarkozy ein wenig Glanz der französischen G-20/G-8-Präsidentschaft gönnen. Nach dem deutsch-französischen Treffen in Freiburg vor kurzem sprach Frankreichs Präsident davon, mit Deutschland «gemeinsam Hand in Hand an unseren ehrgeizigen Zielen zu arbeiten, vor allem an einem neuen internationalen Währungssystem».

Merkel solle gerade beim Währungsthema eine wichtige Rolle spielen. Im November, beim G-20-Gipfel in Cannes, will Sarkozy erste Vorschläge vorlegen.

Nur vage Umrisse

Fragile Wechselkurse, marktverzerrende Staatseinflüsse auf Währungen, gezielte und dauerhafte Unterbewertungen zur Stärkung der jeweiligen Handelsposition – all das beschäftigt die grossen Wirtschaftsmächte schon lange.

Seit Jahren wird in den Abschlusscommuniqués von Gipfeln und Finanzministertreffen vor abrupten, ungeordneten Wechselkurs-Sprüngen als Gefahr für die Weltwirtschaft gewarnt und die Bereitschaft zu gemeinsamen Antworten betont.

Als Folge der grössten Finanzkrise seit Jahrzehnten haben die Instabilitäten an den Devisenmärkten stark zugenommen. Es scheint, als sei jede Stabilität aus dem Währungssystem geschwunden.

Es fehlt der starke Bezugspunkt, der der US-Dollar offenbar nicht mehr sein kann. «Unser Ziel ist die Schaffung eines stabileren und widerstandsfähigeren internationalen Währungssystems», heisst es in der Erklärung des G-20-Gipfels von Toronto Mitte 2010.

Wie Sarkozy sich die Lösung dieses Problems vorstellt, ist noch unklar. Es bleibt Raum für Überraschungen. «Keine Ahnung», antwortete ein hoher deutscher Regierungsvertreter auf eine entsprechende Frage, als Sarkozy erstmals von seinem Vorhaben sprach. «Da ist man schnell in der Gefahr, Erwartungen zu wecken, die man dann nicht erfüllen kann.» Inzwischen sind wenigstens Konturen sichtbar.

Alternativen zum Dollar

«Wir müssen anfangen, über die Bedeutung eines Währungssystems nachzudenken, das auf einer Vorherrschaft des Dollars basiert», sagte Sarkozy vor kurzem. Es ist die seit Jahrzehnten bestehende Abhängigkeit weiter Teile der Welt von der US-Geldpolitik, an der er und nicht nur er sich reibt.

Auch deutsche Politiker, wie der frühere Finanzminister Peer Steinbrück, sehen nach der von den USA ausgegangenen Finanzkrise eine multipolare Welt hinaufziehen mit einem Bedeutungsverlust für den Dollar.

Sarkozy hat zudem signalisiert, dass er eine grössere Rolle der Sonderziehungsrechte (SZR) des Internationalen Währungsfonds (IWF), die auf einem ganzen Bündel von Devisen basiert, für überlegenswert hält.

Er möchte diese Kunstwährung offenbar zu einer echten Reservewährung ausbauen. Die aufstrebenden Wirtschaftsmächte wie Indien, China oder Brasilien, müssten hier stärker miteinbezogen werden.

Daneben gibt es den Vorschlag von Weltbank-Präsident Robert Zoellick, die Lücke des Stabilitätsankers mit Gold zu füllen – allerdings nicht im Sinne einer direkten, festen Bindung der Währungen an Gold. An Widerstand gegen zu weitgehende Pläne Sarkozys dürfte es jedenfalls nicht mangeln – nicht nur seitens der USA.

SDA/mrs

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