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Wie ein Flüchtlingsmädchen seine Mutter wiedertrifft

In Palermo sieht eine Mutter ihre kleine Tochter wieder, die sie vor fünf Monaten auf der Flucht verloren hatte.

Unvergesslicher Moment für Mutter und Tochter: Nach monatelanger Trennung dürfen sie sich wieder in die Arme schliessen. Video: Polizei

Ein weisses Röckchen aus Tüll, eine rosa Masche im Haar, Schuhe mit einer rosa Schnalle. Als sie Oumoh zum Flughafen von Palermo brachten, sagten sie ihr, das sei ein Festtag. Darum würden sie sie so hübsch anziehen. Oumoh ist vier Jahre alt, ein Mädchen von der Elfenbeinküste. Und wenn man sich die Bilder anschaut, die Italiens Polizei nun von Oumohs Wieder­sehen mit ihrer Mutter in der ­Ehrenlounge des Flughafens veröffentlicht hat, dann gewinnt man den Eindruck, dass da ein Wunder geschehen ist – eine dieser ganz seltenen Geschichten mit glücklichem Ende auf der oftmals tödlichen Fluchtroute über das zentrale Mittelmeer. Auch die Mutter, Zenabou Carami, 31, trug viel Rosa. Die beiden umarmten sich minutenlang, ohne zu reden.

Die Geschichte begann vor fünf Monaten. Da rettete die italienische Küstenwache in der Strasse von Sizilien ein Schlauchboot in Seenot und brachte die Passagiere zur Insel Lampedusa. Auch Oumoh war dabei, ohne Begleitung. Es gibt in Italien mittlerweile Helfer, die sich ausschliesslich um minderjährige Flüchtlinge kümmern, die ohne Eltern oder Verwandte unterwegs sind. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Mit so kleinen Kindern wie Oumoh haben es die Helfer aber selten zu tun. Das Mädchen sagte zunächst kein Wort, die Reise hatte es wohl traumatisiert. Man brachte es nach Palermo, wo es einer Gemeinschaft anvertraut wurde.

Freundin flieht mit Tochter

Dank dem Hinweis eines anderen Flüchtlingskindes, das Oumoh auf einem Foto erkannt hatte, erfuhren die italienischen Behörden mehr über das Schicksal des Mädchens. Es war mit seiner Mutter aus der Elfenbeinküste geflohen. Zenabou Carami wollte ihre Tochter der schmerzhaften Infibulation entziehen, einem Eingriff, bei dem den Mädchen die Genitalien zugenäht werden. Die beiden schafften es nach Tunesien, wo Zenabou ihr Kind bei einer Freundin ihrer Schwester unterbrachte.

Sie kehrte dann zurück in die Heimat, um Geld zu besorgen, um sich fest in Tunesien niederzulassen. In der Elfenbeinküste habe man sie dann ­zurückgehalten und bedroht, erzählt Zenabou, selbst ihre Familie wünsche ihr den Tod. Als sie wieder in Tunesien ankam, war ihre Tochter weg. Die Freundin war mit ihr geflohen, ohne etwas zu sagen. Als die Küstenwache die Flüchtlinge rettete, täuschte die Freundin vor, Oumoh nicht zu kennen. Die verzweifelte Mutter rechnete inzwischen mit dem Schlimmsten.

Mama Zenabou erhält einen Pass

Als die Italiener Zenabou schliesslich gefunden hatten, konnten Mutter und Tochter täglich skypen. Nach Italien durfte sie aber nicht reisen, weil sie keinen gültigen Pass besass. Die ivorischen Behörden zierten sich monatelang. Und Oumoh wurde beim Skypen immer gleichgültiger, so erzählt es ihre Psychologin. Sie hatte Freunde gefunden in der Kinderkrippe und begonnen, Italienisch zu lernen. Die Betreuer hängten ein Foto der Mutter über Oumohs Bett. Alles habe man unternommen, damit die Verbindung nicht reisse.

Dann endlich erhielt Zenabou Carami ihren Pass. Italien, das es in administrativen Dingen für ­gewöhnlich eher gemächlich nimmt, billigte die Zusammenführung binnen 24 Stunden. Das war gerade genug Zeit, um das Willkommensfest vorzubereiten. Als sich Mutter und Tochter in den Armen lagen, rosa in rosa, standen Helferinnen und Polizistinnen im Dutzend um die beiden herum. Zupften an Maschen und Haarband, weinten mit und filmten. Es war, als richteten auch sie sich auf am Wunder, an diesem seltenen Happy End.

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