Wie die USA Deutschland erpresst haben sollen

Asyl für Snowden? Diese Frage hatte sich in Berlin schnell erledigt, sagt der Enthüllungsjournalist Greenwald. Denn Washington drohte.

Liebe Grüsse aus Moskau: Edward Snowden ist per Videokonferenz an eine Veranstaltung in Honolulu geschaltet. (14. März 2015)

Liebe Grüsse aus Moskau: Edward Snowden ist per Videokonferenz an eine Veranstaltung in Honolulu geschaltet. (14. März 2015)

(Bild: Keystone)

Die USA sollen damit gedroht habe, Deutschland möglicherweise lebensrettende Infos über Terroristen vorzuenthalten – wenn es Edward Snowden ins Land holen sollte.

Dies habe Vizekanzler Sigmar Gabriel ihm gegenüber eingeräumt, schrieb der Snowden-Vertraute Glenn Greenwald im von ihm mitgegründeten Portal «The Intercept». Diese Drohung habe es für den Fall gegeben, dass Deutschland den derzeit in Moskau lebenden Snowden aufnehmen sollte.

US-Kreise wiesen den Vorwurf zurück, die USA hätten mit Abbruch des Geheimdienst-Austauschs gedroht, berichtete die Zeitung «Die Welt». Diese hatte auch als erste in Deutschland über den Vorgang berichtet. Zuvor hatte die US-Regierung auch schon gegenüber dem Washingtoner Medium «The Hill» Greenwalds Darstellung zurückgewiesen.

«Unsere Geheimdienst-Beziehung mit Deutschland hat Menschenleben gerettet», sagte ein US-Vertreter. Auch künftig wolle man sich gemeinsam mit den Deutschen den Terroristen entgegenstellen.

Hochrangiger Informant? Vize-Kanzler Sigmar Gabriel und Glen Greenwald bei einer Veranstaltung in Deutschland. (Foto: Keystone; 15. März 2015)

Zu dem Aufeinandertreffen von Gabriel und Greenwald kam es am vergangenen Sonntag im saarländischen Homburg. Der amerikanische Enthüllungsjournalist nahm den Siebenpfeiffer-Preis entgegen. Gabriel hielt die Laudatio.

Gabriel: Snowden müsste ausgeliefert werden

Greenwald kritisierte bei der Veranstaltung die Weigerung Deutschlands, dem früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Snowden Asyl zu gewähren. Gabriel betonte in seiner Rede, Deutschland müsse Snowden nach geltendem Recht im Falle einer Einreise an die USA ausliefern. Greenwald hält dies für vorgeschoben.

Greenwald schreibt, mit Gabriel hinterher über die Angelegenheit gesprochen zu haben. Der SPD-Chef habe ihm gesagt, dass die US-Regierung den Deutschen aggressiv gedroht habe, sie von sämtlichen Geheimdienst-Informationen abzuschneiden.

Dies würde - so schlussfolgerte Greenwald - folgendes Szenario möglich machen: Machen die Amerikaner ihre Drohung wahr, würden sie damit zulassen, dass die Bevölkerung in Deutschland einem drohenden Terrorakt ausgesetzt wäre, über den die USA Geheimdienst-Infos haben.

Berlin vorsichtig

Die deutsche Regierung hatte schon im Mai 2014 in einem 27-seitigen Schreiben einer Vernehmung des prominenten US-Whistleblowers vor dem NSA-Untersuchungsausschuss in Berlin eine Absage erteilt. Sie warnte vor «schweren und dauerhaften Belastungen des Verhältnisses zu den Vereinigten Staaten von Amerika». Schliesslich sei Snowden in seiner Heimat wegen Spionage und Diebstahls von Staatsgeheimnissen angeklagt.

spu/sda

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