Wer sagt eigentlich, dass es keinen Schutz gegen Terror geben kann?

Was der Westen gegen die islamistische Gewalt tun muss.

Menschen gedenken der Opfer des Anschlags in Barcelona. Bild: Keystone

Menschen gedenken der Opfer des Anschlags in Barcelona. Bild: Keystone

Tomas Avenarius@tagesanzeiger

Nach jedem Islamisten-Attentat, ob in Paris, London, Berlin oder jetzt in Barcelona, herrscht Sprachlosigkeit. Dann folgt meist die fast schon klassische Antwort: Freie Gesellschaften müssen mit dem Terror leben, notgedrungen. Ist das wirklich so? Kindesmissbrauch und Steuerbetrug werden ja auch nicht als unausrottbare Formen des Verbrechens akzeptiert. Warum, bitte, der Terror?

Wer die Welt einen Moment lang mit den Augen eines der Angehörigen der Toten oder Verstümmelten auf den Ramblas betrachtet, spürt, dass kein Terroropfer einfach so hinzunehmen ist. Terror verändert Gesellschaften. Auch die freien. Terror sät Angst und Misstrauen zwischen Staat und Bürgern, zwischen Mehrheit und Minderheit, zwischen Alteingesessenen und Zuwanderern.

Wohlgemerkt, es ist zuallererst der Terror, der zersetzt, und nicht der oft hilflose, martialische Versuch des Staates, seine Bürger zu schützen. Ja, auch zu viel Überwachung kann Gesellschaften zerstören. Dennoch gibt es eine simple Einsicht in Ursache und Wirkung. Sie ist Grund genug, dem Terror entschlossener und mit Europas geballter Wucht zu begegnen. Bei der Debatte über Instrument und Methode darf das Misstrauen nicht reflexhaft auf die Sicherheitsbehörden gelenkt oder der Bürger mit einem fatalistischen «Das ist eben so» abgespeist werden. Der Hauptverdacht muss Urhebern und Fusssoldaten des Jihad gelten.

Der Terror hat seinen Quell nicht mehr allein im umkämpften Nahen Osten, in den katastrophalen Zuständen dort. Er ist längst in den Köpfen all derer verwurzelt, die mit einer Ideologie Kontakt haben, die Gewalt zum Alleinangebot macht. Diese Ideologie entfaltet ihre Zerstörungskraft auch in Europa. Den IS mag die Niederlage auf dem Schlachtfeld erwarten, der Terror wird aber bleiben.

Es wird Zeit, Unangenehmes zu beherzigen: Etwa, dass die militanten Spielarten des Islamismus nicht durch die Religionsfreiheit geschützt werden dürfen. Oder dass unter Menschen, die aus Nahost vor Not und Verfolgung fliehen, einige sind, die zuvor bei Islamisten angedockt haben und scharf überwacht werden müssen. Zur Erinnerung: Die meisten Attentäter waren polizeibekannt. Unschuldige töten konnten sie dennoch.

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