Wasser predigen, Schampus trinken

Die Populisten im EU-Parlament müssen Spesen zurückzahlen.

Mehr als eine halbe Million Franken: So hoch ist die Rückforderung an die Fraktion «Europa der Nationen und der Freiheit». Bild: Keystone

Mehr als eine halbe Million Franken: So hoch ist die Rückforderung an die Fraktion «Europa der Nationen und der Freiheit». Bild: Keystone

Edgar Schuler@Edgar_Schuler

234 Flaschen Champagner wollten die Rechtspopulisten den europäischen Steuerzahlern verrechnen – darunter zwei besondere Tropfen für je 90 Franken. Das geht dem Präsidium des EU-Parlaments denn doch zu weit. Mehr als eine halbe Million Franken fordert es von der Fraktion «Europa der Nationen und der Freiheit» zurück. Zu der Fraktion gehören die Europa-Abgeordneten von Marine Le Pens Rassemblement National, Matteo Salvinis Lega, Geert Wilders’ Freiheitspartei, Österreichs Freiheitlichen, Belgiens Vlaams Belang und Grossbritanniens Ukip sowie das ehemalige AfD-Mitglied Marcus Pretzell. Also alles Leute, die immer dann besonders munter werden, wenn sie gegen «das Establishment» und «das System» wettern, die Verschwendungssucht des europäischen Systems anprangern und überhaupt die EU zum Teufel wünschen.

Aber eben: Nachtessen in vertrauter politischer Zweisamkeit für total 800 Franken (auch da floss grosszügig der Schaumwein) liessen sie sich gern von ebendiesem Europa bezahlen, genau wie Weihnachtsgeschenke für die Hilfskräfte zu je 120 Franken. Einzig die Meldung, dass Le Pen persönlich Salvini auf EU-Kosten im 3-Stern-Restaurant Pavillon Ledoyen bei den Champs-Elysées bewirtet haben soll, bestreiten alle Beteiligten ziemlich glaubhaft.

Dennoch ist nur zu offensichtlich, dass sich die vereinigten Sauberfrauen und -männer der populistischen Rechten verhalten wie ganz gewöhnliche Politiker – sofern man sie denn nur nahe genug an die silbernen Champagnerkübel in Strassburg und Brüssel heranlässt. Die Rechtspopulisten hätten Gelegenheit gehabt, sich gegen das Verdikt des Ratspräsidiums zu wehren. Sie hätten korrekte Quittungen für unerklärbare Ausgaben vorlegen und erklären können, warum die Ausgaben gerechtfertigt gewesen sein sollen. Das haben sie unterlassen. Dafür schieben sie sich jetzt gegenseitig die Schuld in die Schuhe und bestreiten oder leugnen ihre Beteiligung an den Gelagen. Jetzt bleibt ihnen nur noch ein Weg: Sie könnten sich an die fremden Richter des Europäischen Gerichtshofs wenden. Aber ihren Ruf, den haben sie ohnehin ramponiert.

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